Sucht
Geschafft: Der Entzug in der eigenen Stube

Seit 18 Monaten erhalten Alkoholabhängige im Limmattal die Gelegenheit, sich ambulant mittels einer Entziehungskur behandeln zu lassen. Zeit eine erste Bilanz des Projekts zu ziehen.

Katja Landolt
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Keystone

Viele Alkoholabhängige wären bereit für einen Entzug. Doch ein Entzug bedeutet nicht nur körperliche Beschwerden durch die Entgiftung des Körpers, sondern auch ein Aufenthalt in einer Klinik. Das stellt für viele nicht zuletzt aus familiären und beruflichen Gründen eine hohe Hürde dar. Die Möglichkeit, einen Entzug diskret im vertrauten Umfeld, sozusagen in der eigenen Stube, durchzuführen, kommt vielen Betroffenen entgegen.

Im Limmattal sind solche ambulanten Entzüge seit gut eineinhalb Jahren möglich. Peter Wäschle, Psychologe bei der Suchtberatung des Bezirks Dietikon, und Ralph Wild, Hausarzt in Oberengstringen, haben gemeinsam mit ihren Kollegen Konrad Grimm, Hausarzt aus Dietikon, und Bea Capaul, Sozialarbeiterin bei der Suchtberatung ein neues Entzugsprogramm ausgearbeitet: Ambulanter qualifizierter Alkoholentzug nennt es sich - kurz «Aquel». Jetzt ziehen die Verantwortlichen erstmals Bilanz.

Guter Start, dann etwas versandet

«Das Projekt ist sehr gut angelaufen, nach einem halben Jahr ist das Interesse etwas abgeflaut», fasst Peter Wäschle von der Suchtberatung die letzten Monate zusammen. Die Ärzte haben rund zehn Betroffene motiviert, bei «Aquel» einzusteigen. «Wir werden weiter mit Kampagnen und Inseraten darauf aufmerksam machen, um das Projekt am Laufen zu halten. Denn es lohnt sich», sagt Wäschle. Dank «Aquel» haben fünf Menschen den Absprung geschafft, teilweise auf Umwegen.

Deshalb sieht Wäschle das Projekt als aussichtsreiches Unterfangen, das sich im Laufe der Zeit etablieren kann. «Das Konzept funktioniert.» Ob «Aquel» gar schweizweit Schule machen könnte? Nein, meint Wäschle, schliesslich gebe es in anderen Städten und Kantonen bereits mehrere ähnliche Projekte. «Wir haben mit dieser Entzugsform das Rad nicht neu erfunden - wir haben es nur ins Limmattal gebracht.»