Es ist ein Chor mit einer langen Geschichte. Die etwa dreissig Sängerinnen und Sänger proben jeden Donnerstag zusammen in der katholischen Kirche Oberengstringen. «Ich war noch ein Junge, als ich begann, in einem Chor mitzusingen», sagt Constantin Grond, der heute im Vorstand der Gesangsgruppe ist und als Organisator für alle administrativen Angelegenheiten zuständig ist. So hat der 85-Jährige auch das Konzert organisiert, das heute Freitag in der katholischen Stadtkirche St. Agatha in Dietikon stattfinden wird.
«Wir haben regelmässig Auftritte an der Sonntagsmesse und diese Sommer machen wir eine Chorreise nach Sempach», sagt der Oberengstringer, der schon seit der Gründung des Mauritius-Chors ein festes Mitglied ist. Für die grösseren Anlässe organisiere er Solisten oder Orchester-Musiker.

Vor zwei Jahren hat der Oberengstringer Chor mit dem aus Würenlos und mit dem Stadtorchester Schlieren ein grosses Konzert gegeben. «Das war spektakulär. In Oberengstringen war es ein beeindruckender kultureller Anlass», sagt der Hobbysänger.
Gegründet wurde der Gesangsverein im Jahr 1962. Viele der heutigen Mitglieder sind schon seit dem Beginn mit dabei. «Junge Leute haben wir nur sehr wenige. Das ist wirklich schwierig», sagt Grond. Er mache sich Sorgen, dass man keine jungen Nachfolger finde, die diese Gesangsart auch in Zukunft weiterführen werden. «Das Ende des Chors ist absehbar», sagt er. Das älteste Mitglied ist 91 und das jüngste etwa 20 Jahre alt.

Singen fördert die Integration

Der Chor habe nun einen jungen Dirigenten, der einen Jugendgesangsverein gründen wolle. Sie versuchten, Junge zu motivieren, mitzumachen. «Ein Kirchenchor ist halt nichts Populäres bei jüngeren Menschen», sagt der Musikbegeisterte. Dies liege natürlich auch daran, dass sie keinen starken Bezug zur Religion haben. Im Ausland ginge man viel öfter in die Kirche. Der Chor habe demnach einige Mitglieder, die aus Italien und Südamerika stammten.

Der gebürtige Churer sieht das gemeinsame Musizieren als die beste Methode der Integration: «Es wäre schön, wenn mehr Ausländer über ihren Schatten springen und in der Gruppe mitsingen würden. Musik verbindet und man lernt sein Umfeld und die Sprache besser kennen.» Jeder solle kommen, damit seien auch Asylbewerber gemeint, sagt der Pensionierte.

Die Singgruppe habe auch einen Präses, einen Geistlichen Vorstand des Vereins. Dieser komme ursprünglich aus dem Kongo. Er sei ein Vorbild und werde geschätzt. Gesungen wird heute Abend auf Lateinisch und Deutsch. «Wir singen natürlich viel öfter auf Deutsch als früher», sagt Grond. Er sei an das Singen in der Sprache der Römer gewohnt, da er damit aufgewachsen sei: «Wir verstehen den Text, weil in unserer Jugend alle Messen auch auf Lateinisch waren.» Singen wird der Verein marianische Hymnen, weil im Mai immer Marienlieder gesungen werden. Der Limmattaler gehört zum Männerchor, der am Konzert Schola, also gregorianische Choräle, vortragen wird.

Für Gesundheit und Spass

Was die Vereinsmitglieder jedoch am liebsten und leidenschaftlichsten sängen, sei «Ave Maria» und die «Schwarze Madonna». Beide Stücke stehen im Programm des heutigen Feierabend-Konzerts. Das gemeinsame Singen bedeutet Grond viel. Er geniesse den Kontakt mit den Mitgliedern, die mehrheitlich aus Oberengstringen, teilweise aus Dietikon und Geroldswil kommen. «Singen hat mir schon immer viel bedeutet», sagt Grond, der früher Jazz-Musiker war und Banjo spielen kann. Er singt aus einem weiteren Grund: «Für die Gesundheit und den Spass.»