Geroldswil
Geroldswiler Tierärztin: «So starke Häufung hatten wir noch nie»

Seit Anfang April sind in Geroldswil mindestens 16 Katzen verschwunden. Zufall, ein saisonales Phänomen oder etwa doch ein Fall von organisiertem Haustierdiebstahl?

Florian Niedermann
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Entlaufen? – In Geroldswil werden 16 Katzen vermisst.

Entlaufen? – In Geroldswil werden 16 Katzen vermisst.

Keystone

Laut Judith Müller von der Schweizerischen Tiermeldezentrale (STMZ) liegt der Schluss nahe, dass es sich bei den Geroldswiler Fällen bloss um eine saisonale Häufung handelt: «Die Statistik zeigt, dass im Frühling und im Frühsommer die Hochsaison für Vermisst-Meldungen ist.»

Während in anderen Jahreszeiten 30 bis 60 Meldungen pro Tag auf der Datenbank der STMZ erfasst würden, so seien es zurzeit täglich 50 bis 80 Meldungen. «Das hängt damit zusammen, dass sich jetzt viele Katzen öfter im Freien bewegen. Deshalb kommt es auch öfter vor, dass die Tiere entlaufen oder Opfer des Strassenverkehrs werden», so Müller.

Mehr als die Hälfte wurde gelöscht

Auf der Datenbank der STMZ sind aus der Gemeinde Geroldswil seit Anfang Jahr gesamthaft 13 Katzen als vermisst gemeldet worden. Von diesen wurden 7 Einträge zwischenzeitlich bereits wieder gelöscht. Die Katzenbesitzer können, wenn sie einen Eintrag aus der Datenbank entfernen, jeweils angeben, weshalb sie das tun.

Im Fall der Geroldswiler Katzen sind folgende Gründe angegeben worden: Drei Katzen wurden über die STMZ-Datenbank oder einen anderen Weg wiedergefunden. Zwei kehrten von selbst zu ihren Besitzern zurück und zwei weitere Einträge wurden ohne Angabe von Gründen gelöscht.

Die Geroldswiler Tierärztin Carmen Müller glaubt im Fall der als vermisst gemeldeten Katzen in ihrer Gemeinde nicht an ein saisonales Phänomen: «Sicher ist die Anzahl der Fälle im Frühling höher. Aber eine so starke Häufung hatten wir in den 16 Jahren, in denen ich nun schon hier lebe, nicht annähernd.»

Gemeinsam mit einer der bangenden Geroldswiler Katzenhalterinnen informierte sie die az Limmattaler Zeitung über das mysteriöse Verschwinden von 15 Katzen. Bisher seien noch keine Hinweise auf den Verbleib der verschwundenen Tiere eingegangen, so Müller. Im Gegenteil: Gestern ging bereits eine neue Vermisstmeldung bei ihr ein.

Polizei konnte nicht aktiv werden

Silvia Zihlmann, die Frau des Dietiker Tierarztes, begann im Herbst 2009 auf eigene Faust zu recherchieren, nachdem nicht nur ihre eigene, sondern gleich mehrere Katzen der gleichen Rasse innert kürzester Zeit aus ihrem Quartier verschwunden waren.

Sie informierte auch die Polizei: «Man teilte mir mit, dass die Polizei nicht aktiv werden könne, solange keine Beweise für einen Diebstahl durch Menschen vorlägen», so Zihlmann. Alle Bemühungen blieben ohne Erfolg: Kein einziges dieser Haustiere sollte je wieder auftauchen. Zihlmann rät Katzenhaltern, die Nachbarschaft für das Thema zu sensibilisieren: «Wir baten damals alle Anwohner, aufmerksam zu sein. Wenn sich im Quartier jemand auffällig benimmt, würde ich auf jeden Fall die Polizei informieren.»

Das kantonale Veterinäramt empfiehlt Katzenhaltern generell, die Tiere möglichst kontrolliert zu halten. «Man sollte sie möglichst immer zur gleichen Zeit füttern, damit man merkt, wenn sie nicht auftauchen», erklärt Kantonstierärztin Regula Vogel. Sie selbst behalte ihre Katze ausserdem nachts im Haus, weil die Tiere sich im Dunkeln weiter von ihrem Zuhause entfernen würden als am Tag.