Dominik Tiedt, Ihre letzte Sitzung als Geroldswiler Gemeinderat ist vorbei. Was fühlten Sie, als Sie sich von Ihren Kollegen verabschiedeten?

Dominik Tiedt: Ich habe mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge verabschiedet. Während sechs Jahren durfte ich mit guten Kollegen und einer guten Verwaltung zusammenarbeiten. Ich habe viel Herzblut in diese Aufgabe gesteckt. Daher macht mich der Abschied etwas wehmütig.

Und das lachende Auge?

Ich spüre eine gewisse Erleichterung. Jetzt habe ich mehr Zeit, um mich auf meine neue Aufgabe im Familienunternehmen meiner zukünftigen Frau zu konzentrieren.

Die Zeit im Gemeinderat wollen Sie aber nicht missen?

Auf keinen Fall. Wir hatten es innerhalb des Gemeinderates immer sehr gut. Auch wenn wir manchmal harte Diskussionen führten, waren sie stets fair. Zudem habe ich in diesen Jahren auch viel gelernt und interessante Bekanntschaften gemacht.

Welches war Ihr prägendstes Erlebnis als Gemeinderat?

Ein einzelnes Ereignis gibt es nicht. Vielmehr waren die Diskussionen in den Gremien prägend. Dort lernte ich, für meine Überzeugungen zu kämpfen und mit verschiedenen Meinungen umzugehen. Besonders in der Anfangszeit war das eine spezielle Erfahrung. Natürlich war es auch immer wieder schön, wenn eine eigene Idee von den Kollegen aufgenommen und dann auch umgesetzt wurde.

Bei Ihrer Wahl in den Gemeinderat waren Sie 25 Jahre alt. War das Alter bei all den Sitzungen nie ein Thema?

Überhaupt nicht. Ich hatte zwar die Befürchtung, dass ich abgekanzelt werden könnte, doch sie hat sich als unbegründet erwiesen. Ich wurde von Anfang an ernst genommen. Das hat sicher auch damit zu tun, dass ich mir mit Leistung Respekt verschafft habe.

Zum Politbetrieb gehören auch Niederlagen. Welche war Ihre schlimmste?

Auch hier fällt mir kein bestimmtes Ereignis ein. Es gab aber Situationen, in denen man komplett anderer Meinung war und trotzdem den Mehrheitsentscheid tragen und gegen aussen vertreten musste. In solchen Momenten hatte ich natürlich das Gefühl, mich nicht durchgesetzt zu haben. Das sind schwierige Situationen.

Kann man lernen, eine Meinung entgegen der eigenen Überzeugung nach aussen zu vertreten?

Für mich war es sicher hilfreich, dass ich von den Erfahrungen von Kollegen profitieren konnte, die schon länger im Gemeinderat waren. Sie halfen mir, die Niederlage zu relativieren. Auch das gehört zur Politik.

Obwohl Sie als Gemeinderat zurückgetreten sind, bleiben Sie der Politik erhalten.

Genau. Ich werde weiterhin als Bezirkspräsident der FDP tätig sein. Ebenfalls werde ich den Posten im kantonalen Präsidium behalten. Der Gemeinderat ist für mich ein Abschnitt auf meinem politischen Weg. Der Nationalrat ist für mich nach wie vor ein Ziel. Das Amt als Gemeinderat lässt sich zurzeit nicht mit meiner beruflichen Laufbahn vereinbaren.

Vor rund fünf Monaten sind Sie ins Familienunternehmen Ihrer zukünftigen Frau eingestiegen und werden es gemeinsam mit ihr führen. Was nehmen Sie vom Gemeinderatsamt für diese Aufgabe mit?

Sicherlich die vielen Verhandlungen, de ich leiten durfte. Als künftiger Unternehmer kann ich diese Erfahrungen gut gebrauchen. Natürlich kann ich auch von meinem Netzwerk profitieren, das ich in den letzten Jahren aufbauen konnte. Zusätzlich werden wir im nächsten Jahre das Unternehmen vergrössern mit einem Neubau. Dort kann ich viel aus meinen Erfahrungen einbringen.