Geroldswil
Abgetretener Gemeinderat Paul Albrecht: «Mein grosses Highlight war, dass wir die Steuern um drei Prozent senken konnten»

Wegen seines Umzugs nach Kaisten im Fricktal legte Paul Albrecht sein Amt als Geroldswiler Finanzvorstand nach drei Jahren nieder. Seine Verbindung zur Gemeinde, in der er 31 Jahre lang lebte, will er aber aufrechterhalten.

Hans-Caspar Kellenberger
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Paul Albrecht freut sich darauf, mehr Zeit für andere Projekte zu haben.

Paul Albrecht freut sich darauf, mehr Zeit für andere Projekte zu haben.

Hans-Caspar Kellenberger

Nach knapp drei Jahren als Geroldswiler Finanzvorstand sind Sie wegen Ihres Umzugs nach Kaisten im Fricktal zurückgetreten. Was wünschen Sie sich für die Zukunft von Geroldswil?

Paul Albrecht: Ich wünsche der Gemeinde, dass die grossen Bauprojekte – die Überbauung Huebegg einerseits und das Baufeld Hotel andererseits – das bringen, was man sich von ihnen erhofft. Auch das Geroldswil punkto Steuern wieder attraktiver wird. Die Wünsche der Bevölkerung sollen erfüllt werden. Die Überbauung Huebegg sieht sehr positiv aus, wenn das beim Baufeld Hotel auch so kommt, wird Geroldswil finanziell in der Zukunft sehr gut dastehen.

Sie stiegen bei den Gemeinderatswahlen 2018 kurzfristig im zweiten Wahlgang ein. Wie kam es dazu?

Ich bin von einigen Leuten angefragt worden, die jemanden für den zweiten Wahlgang suchten. Die genauen Hintergründe sind mir bis heute unklar. Ich bin spontan eingestiegen, nach kurzer Überlegungszeit habe ich dann kandidiert. Als Parteiloser mit der Unterstützung der FDP und der SVP.

Wegen Ihrer langen Erfahrung im Baugewerbe wären Sie am liebsten Hochbauvorstand geworden, wie Sie damals zur «Limmattaler Zeitung» sagten.

Korrekt. Ich habe im Vorfeld der Gemeinderatswahl darauf spekuliert. Ich dachte zuerst auch, dass die Überbauung Huebegg unter meiner Regie erstellt wird. Schlussendlich geht's bei der Wahl nur um die Person und nicht um das Amt. Die Ressortzuteilung findet erst später im gewählten Gremium statt. Ich war ein wenig überrascht, dass man mir die Finanzen zutraute. Ich war da nicht vorbelastet und musste mich einarbeiten.

Was war rückblickend die grösste Herausforderung als Finanzvorstand?

Das Amt selbst. Das war wirklich eine Herausforderung. Die ganzen Finanzabläufe und was es alles dazu braucht. Welche Gesetzgebung jeweils dahintersteht und wie das Zusammenspiel mit der Verwaltung funktioniert. Das war für mich fremd und da musste ich mich erst zurechtfinden.

Was war für Sie der Höhepunkt ihrer Amtszeit?

Eigentlich alles. Grundsätzlich habe ich viel dazugelernt, bekam einen guten Einblick, wie eine Gemeinde organisiert ist und wie sie funktioniert. Das war das Spannendste an der Geschichte. Mein letztes grosse Highlight war, dass wir die Steuern um drei Prozent senken konnten.

Wo sehen Sie Unsicherheiten für die Zukunft?

Die grosse Unsicherheit in dieser Zeit ist die Frage: Was macht der Finanzmarkt? Was ist mit den Zinsen? Diese Unsicherheit ist immer da. Dabei muss aber gesagt sein, dass die Darlehen, welche die Gemeinde aufnimmt, langfristig angelegt sind. Daher ist das Risiko überschaubar. Schulden sind auch wieder abbaubar, man hat für Investitionen immer auch einen Gegenwert. So sehe ich die Zukunft der Gemeinde auf einem positiven Pfad. Darüber hinaus arbeiten die Gemeindeführung und das Verwaltungspersonal für die Gemeinde und ihre Bevölkerung.

Aufgrund Ihrer Covid-Erkrankung wurde das Budget 2021 von ihrem Vertreter Martin Conrad vorgestellt. Wie stark hat Sie die Krankheit mitgenommen?

Für mich war das eine schlimme Erfahrung. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich einmal körperlich so schwach und so ausgelaugt fühlen könnte.

Das Gemeinderatsamt war aufwendig. Was werden Sie nun mit der neu gewonnenen Zeit anstellen?

Ich habe Enkel. Die meisten Ehepaare, die Kinder haben, brauchen heutzutage zwei Einkommen, deshalb bin ich da natürlich als Grossvater sehr engagiert. Ausserdem sind da viele Dinge, die ich bisher zurückgestellt habe. Ich fotografiere sehr gerne und war in der Vergangenheit viel auf Reisen. Ich habe Tausende Fotos, die ich gerne einordnen will, um daraus Fotobücher zu erstellen. Zudem bin ich engagiert in meiner Firma, wo ich den Geschäftsführer weiterhin unterstütze. Es wird mir mit Sicherheit nicht langweilig werden. Nach 31 Jahren Wohnsitz in Geroldswil bleibe ich trotz meines Umzugs weiter mit der Gemeinde verbunden. Auch mit Verwandten und Freunden, die in Geroldswil wohnen, werde ich natürlich weiterhin Kontakt pflegen.

Gut drei Jahrzehnte lebte Paul Albrecht in Geroldswil. Per April ist er in den Aargau umgezogen, weswegen der 67-Jährige sein Gemeinderatsamt in Geroldswil abgeben musste. Im Juni 2018 wurde er mit deutlichem Vorsprung als parteiloser Neupolitiker zum Gemeinderat gewählt, obwohl er erst im zweiten Wahlgang ins Rennen gestiegen war.