Richtplan-Debatte
Geroldswil erhält neues Siedlungsgebiet mit Platz für 800 Einwohner

Der Kantonsrat hat die letzte grössere Geroldswiler Landreserve zu Siedlungsgebiet erklärt. Sie bietet zwischen A1 und Limmat Platz für 800 neue Einwohner.

Matthias Scharrer
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Das Gebiet im Werd bei Geroldswil, südlich der Autobahn, soll als Siedlungsgebiet eingezont werden.

Das Gebiet im Werd bei Geroldswil, südlich der Autobahn, soll als Siedlungsgebiet eingezont werden.

Sandro Zimmerli

Erstmals wurde es gestern in der kantonsrätlichen Richtplandebatte so richtig spannend. Es ging um die Erweiterung des Geroldswiler Siedlungsgebiets um 13 Hektaren im Gebiet Werd, das zwischen der Autobahn A 1, dem Fussballplatz und dem Limmat-Ufergebiet liegt.

Die linksgrüne Ratsseite wollte die Erweiterung mit einem Änderungsantrag zum Richtplan verhindern. Bislang hatte der bürgerliche Block aus SVP, FDP, CVP, BDP und EDU in der Richtplan-Debatte sämtliche linksgrünen Anträge abgeschmettert. Doch diesmal scherte die EDU aus. Und so wurde der Antrag nur hauchdünn mit 86:85 Stimmen abgelehnt.

Grosser Grünflächenverlust

Andreas Wolf (Grüne, Dietikon) hatte vergebens gewarnt: «Geroldswil verliert damit ein Drittel seiner Grünfläche.» Das Gebiet Werd sei auch als Puffer für die Naturschutzgebiete am Limmatufer wichtig, ergänzte Thomas Wirth (GLP, Hombrechtikon). Zudem könne es aufgrund seiner Bodenqualität zur Fruchtfolgefläche erklärt werden. «Diese Gelegenheit sollten wir nicht verpassen», so Wirth. Marcel Burlet (SP, Regensdorf) wies noch darauf hin, dass das Gebiet von Fluglärm belastet sei. Ausserdem gebe es im Limmattal ohnehin schon genug Bauland.

Hochwertiges Entwicklungsgebiet

Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) hielt als Sprecher der bürgerlichen Parteien dagegen: «Es handelt sich um ein hochwertiges, gut erschlossenes Entwicklungsgebiet. Es soll genutzt werden, um ein Wohn- und Arbeitsgebiet zu schaffen.» Deshalb würden die Bürgerlichen den Änderungsantrag ablehnen. Wiederkehr sollte knapp Recht bekommen.

Der Geroldswiler Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) zeigte sich auf Anfrage hocherfreut vom Kantonsratsentscheid, aufgrund dessen die letzte grössere Geroldswiler Landreserve besiedelt werden kann: «Das gibt der Gemeinde die Möglichkeit zu wachsen.» Dies werde aber Zeit brauchen. Konkrete Projekte lägen noch nicht vor.

Infrastruktur besser auslasten

Laut einer Studie, die die Gemeinde erstellen liess, können im Gebiet Werd dereinst bis zu 800 neue Einwohner leben. So liesse sich der Trend zur Überalterung stoppen und die soziale Durchmischung des Dorfteils Fahrweid verbessern. Ausserdem würde die Infrastruktur der Gemeinde, die für 5500 Einwohner reiche, besser ausgelastet. 2013 zählte Geroldswil 4745 Einwohner.