Am letzten Dienstag musste sich ein 43-jähriger Schweizer wegen sexueller Handlungen mit Kindern vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Bei einem Schuldspruch drohten dem Informatiker aus dem Limmattal nicht nur eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten, sondern auch massiv finanzielle Folgen. Er wurde am 30. Oktober 2012 in den frühen Morgenstunden an seinem Wohnort von der Kantonspolizei Zürich festgenommen und verbrachte danach fast einen Monat lang in Untersuchungshaft.

Schülerin lebte in Heimen

Im November 2013 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage und lastete dem nicht geständigen Beschuldigten konkrete Vorwürfe an. Demnach habe er sich zwischen Sommer 2010 und August 2012 wiederholt an der 1997 geborenen Tochter seiner Lebenspartnerin sexuell vergangen. In der Anklage war von Streicheln, Kneten der Brüste und Küssen die Rede. Zudem soll er sie auch im Schlaf überrascht und ihr unter ihrer Trainerhose an die Scheide gefasst haben. Die Übergriffe fanden laut Anklage jeweils in der Wohnung der Mutter statt, wo die Geschädigte die Wochenenden verbrachte. Ansonsten lebte die Schülerin in verschiedenen Kinderheimen oder in betreuten Wohnungseinrichtungen.

Die Verteidigung des Informatikers verlangte vor Gericht nicht nur einen vollen Freispruch, sondern auch ansehnliche Entschädigungen. Mindestens 4300 Franken für finanzielle Einbussen sowie 8100 Franken für die zu Unrecht erlittene Haft. Der Rechtsanwalt demontierte dabei die Glaubwürdigkeit der Geschädigten und lieferte auch das Motiv für die Vorwürfe. So sei es ihr erklärtes Ziel gewesen, ihre Mutter und den Beschuldigten auseinanderzubringen.

Das Gericht kam zum Schluss zu einem vollen Freispruch. Dabei fand der Gerichtsvorsitzende für die Geschädigte harte Worte. Es handle sich um eine notorische Lügnerin, wie eine Umfrage in ihrem Umfeld, so bei einem Heimleiter, ergeben habe. Unter anderem habe sie gestohlen und danach einen Schulkollegen zu Unrecht als Dieb bezichtigt, führte der Vorsitzende aus. Damit sei bereits die allgemeine Glaubwürdigkeit der heute 16-jährigen Geschädigten sehr eingeschränkt.

Laut Gericht fielen aber auch ihre Belastungen sehr unglaubhaft aus. Es sei deshalb nicht aufgrund von Zweifeln, sondern klar zu einem Freispruch gekommen. Für die Untersuchungshaft erhielt der entlastete Informatiker ein Schmerzensgeld von 6480 Franken. Zudem eine Entschädigung von 4300 Franken. Die unterlegene Geschädigte lebt heute in einem Jugendheim.