Das Bezirksgericht Dietikon hat ein Urteil mit Seltenheitswert eröffnet. Es hat einen Autolenker, der im Aeschertunnel einen Personenwagen mit einer Familie zweimal ausgebremst hat, wegen Gefährdung des Lebens zu einer bedingten Geldstrafe von 25 500 Franken sowie 6000 Franken Busse verurteilt.

Der eingeklagte Vorfall geschah am 28. Dezember 2012. Damals fuhr ein heute 33-jähriger Versicherungskaufmann mit seinem Personenwagen der Marke BMW durch den Aeschertunnel in Richtung Luzern. Um die Mittagszeit wechselte er bei Aesch plötzlich den Fahrstreifen und setzte sich knapp vor einen Personenwagen, in dem sich ein Zürcher Oberrichter, seine Ehefrau und sein Kind befanden.

Zweimal ausgebremst

Der Oberrichter musste auf die Bremse treten und betätigte die Lichthupe, was den späteren Beschuldigten offenbar provozierte. Um sich zu rächen, trat er bei einem Tempo von fast 100 Stundenkilometern plötzlich kräftig auf die Bremse. Darauf musste der Oberrichter nahezu eine Vollbremsung einleiten, um eine Kollision zu vermeiden, wobei seine Frau und sein Kind massiv in die Gurten gedrückt wurden.

Kurz darauf führte der BMW-Lenker einen zweiten Schikanestopp durch. Diesmal musste der Familienvater auf den Pannenstreifen ausweichen, um einen schweren Unfall zu verhindern. Erneut landete seine Familie unsanft in den Gurten. Der Jurist merkte sich die Nummernschilder des Versicherungskaufmanns und erstattete danach Strafanzeige bei der Polizei.

Opfer wurde selbst gebüsst

Am Montag musste sich der fehlbare Autolenker wegen mehrfacher Gefährdung des Lebens, mehrfacher Nötigung sowie mehrfacher grober Verkehrsdelikte nun vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Dabei kam heraus, dass der Oberrichter inzwischen sein Desinteresse am Ausgang des Verfahrens erklärt hat. Grund dafür war eine Entschuldigung seines Prozessgegners.

Allerdings soll der Oberrichter inzwischen wegen Betätigung der Lichthupe von der Staatsanwaltschaft Limmattal/Albis selbst eine Busse kassiert haben. Der Rückzug des Familienvaters nützte dem Beschuldigten aber nicht viel. So stellten seine Verfehlungen Offizialdelikte dar. Also Gesetzesbrüche, die der Staat von Amtes wegen verfolgen muss.

Vor den Schranken stellte der Schweizer Beschuldigte die Gefährdung des Lebens, die ihm angelastet wurde, vehement in Abrede. «Ich würde nie eine Familie bewusst gefährden», erklärte er und wehrte sich gegen eine hohe, bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 180 Franken sowie 6000 Franken Busse.

Das Bezirksgericht kannte aber kein Pardon. Es ging von einem skrupellosen Verhalten des Beschuldigten aus und sprach ihn umfassend schuldig – auch der mehrfachen Gefährdung des Lebens. Das bedeutet bei diesen Vorwürfen eine Seltenheit.

Wegen der Entschuldigung des Beschuldigten und des Desinteresses des Opfers senkte das Gericht die bedingte Geldstrafe auf noch 150 Tagessätze zu 170 Franken, was aber mit 25 500 Franken immer noch eine hohe Strafe bedeutet. Hinzu kommen 6000 Franken Busse, die der Beschuldigte bezahlen muss, sowie die Gerichtskosten von 3500 Franken. Der Beschuldigte kann das Urteil an das Zürcher Obergericht weiterziehen.