Oberengstringen
Georgij Modestov ist der neue Organist der reformierten Kirche

«Es ist ein Glücksfall», sagt Georgij Modestov über seine neue Aufgabe. Seit Anfang Jahr ist der Komponist als Organist in der reformierten Kirche Oberengstringen tätig, und damit Nachfolger des Amerikaners Marc Bedecs.

Sandro Zimmerli
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Die Orgel in der reformierten Kirche Oberengstringen ist Georgij Modestovs neuer Arbeitsplatz.

Die Orgel in der reformierten Kirche Oberengstringen ist Georgij Modestovs neuer Arbeitsplatz.

Sandro Zimmerli

Auf die Stelle sei er durch ein Inserat aufmerksam geworden. «Die Kirche suchte einen Organisten, der nicht nur klassische Kirchenmusik spielt, sondern auch im Gospel, Jazz und Pop zu Hause ist. Das hat mich sofort angesprochen», so Modestov.

Ein Fan der Beatles

In Kontakt mit Musik kam Modestov schon früh. Besonders angetan haben es ihm die Beatles. «Schon seit meiner Kindheit mag ich die Gruppe», sagt er. Um an die Musik der vier Pilzköpfe aus Liverpool heranzukommen, bedurfte es für Modestov und seine Kollegen allerdings gewisser Tricks. Der heute 50-Jährige wuchs in St. Petersburg auf. In der damaligen Sowjetunion war Popmusik aus dem Westen nicht konform mit dem kommunistischen System. «Jeder hatte Verwandte oder Bekannte, die in den Westen reisten und so die Beatles-Musik ins Land brachten. Über Kassetten haben wir die Alben ausgetauscht», erinnert er sich.

Modestov selber absolvierte ein Studium am St. Petersburger Konservatorium, das er mit dem Chorleiter-Diplom abschloss. «Es war eine strenge Ausbildung. Als angehender Chorleiter musste man auch sehr gut Klavier spielen können», so Modestov. So habe er seine Leidenschaft für die Orgel entdeckt. «Die Orgel ist ein faszinierendes Instrument. Sie kommt mir vor wie ein grosses Tier», sagt er. Eine Orgel sei zwar ein mechanisches Instrument, dennoch fühle es sich beim Spielen sehr lebendig an.

In St. Petersburg habe es allerdings nicht viele Möglichkeiten gegeben, das Instrument zu spielen. «In der orthodoxen Kirche gibt es keine Orgeln. Dort begleiten Chöre den Gottesdienst», sagt Modestov. Er habe sich privat auf der Orgel aus- und weitergebildet. Der orthodoxen Kirche blieb er trotzdem musikalisch verbunden - als Sänger an Gottesdiensten.

Bevor es so weit war, führte ihn sein Weg allerdings erst nach Minsk, in die weissrussische Hauptstadt. Dort unterrichtete Modestov an einer Schule. «Ich leitete in dieser Zeit einen Chor mit 90 Kindern», sagt er. Zudem hätte er damals auch seine ersten Schritte als Komponist gemacht. «Ich begann, Musicals zu komponieren. Einige wurden gar für das weissrussische Fernsehen inszeniert.»

Leidenschaft für Musicals

Damit war eine neue Leidenschaft entfacht, die es Modestov erlaubte, Popmusik mit seiner kompositorischen Arbeit zu verbinden. Bis heute ist diese Leidenschaft ungebrochen. Seit Modestov vor 13 Jahren in die Schweiz nach Luzern, gezogen ist, hat er vier deutschsprachige Musicals komponiert. Das bekannteste und grösste ist «Die Schwarzen Brüder», das 2007 in Schaffhausen uraufgeführt wurde und 2010 auf der Walensee-Bühne seine Open-Air-Premiere feierte. Gleichzeitig arbeitete Modestov seit 2000 leitet in Rain als Organist.

Mit seinem Engagement in Oberengstringen will Modestov wieder vermehrt seiner zweiten Leidenschaft, dem Orgelspiel, nachgehen. «Musicals zu komponieren macht grossen Spass. Im Gegensatz zum Orgelspiel interpretiere ich nicht fremde Werke, sondern schaffe meine eigenen», so Modestov. Gleichzeitig sei das Komponieren aber auch eine ungemein anstrengende Angelegenheit. «Für das Komponieren eines Musicals arbeite ich mindestens ein Jahr, eher zwei.» Deshalb brauche er immer wieder einen Ausgleich. Diesen finde er beim Orgelspielen.