Dietikon
Geografieunterricht im Kino: Al Gores Botschaft stösst auf offene Ohren

Sechs Schulklassen aus Oberengstringen schauen im Dietiker Kino Capitol «Immer noch eine unbequeme Wahrheit». Der Film von Al Gore ist Teil des Geografieunterrichts.

Christian Tschümperlin
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Die Oberstufenschüler aus Oberengstringen quittierten Al Gores «Immer noch unbequeme Wahrheit» am Ende der Vorstellung mit Applaus.

Die Oberstufenschüler aus Oberengstringen quittierten Al Gores «Immer noch unbequeme Wahrheit» am Ende der Vorstellung mit Applaus.

Christian Tschümperlin

Rund hundert Schüler der Oberstufe Oberengstringen liessen sich gestern Mittwochmorgen auf eine immer noch unbequeme Wahrheit ein. In seinem neuesten Film informiert der ehemalige Vizepräsident der Vereinigten Staaten Al Gore über die besorgniserregenden Folgen des Klimawandels.

Ein spannender Einstieg in den Mittwochmorgen: Etwa hundert Oberengstringer strömen ins Kino Capitol in Dietikon.

Ein spannender Einstieg in den Mittwochmorgen: Etwa hundert Oberengstringer strömen ins Kino Capitol in Dietikon.

Christian Tschümperlin

Der Kinobesuch im Dietiker Kino Capitol ist Teil des Geografieunterrichts. «Eine gute Umwelterziehung ist der Lehrerschaft von Oberengstringen wichtig», sagt Klassenlehrer Edwin Metzler. Das Zukunftsthema betreffe alle. Damit nach dem Film keine «No-Future-Stimmung» aufkomme, soll das Thema in der Klasse nachbehandelt werden.

Ferhat (15): «Am meisten beeindruckt hat mich, dass Al Gore nicht aufgegeben hat. Dass er immer wieder auf den Klimawandel hinweist. Von den Überschwemmungen habe ich schon oft gehört. Ich habe aber keine Hoffnung, dass man etwas dagegen tun kann. Weil alle sagen, sie wollen sich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert, und letztlich geschieht nichts.»
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Nadine (15): «Ich interessiere mich für das Gletscherschmelzen. Dass deswegen der Meeresspiegel steigt, das haben wir in der Schule schon behandelt. Das macht mir Angst. Ich finde es deswegen gut, dass es jetzt das Pariser Klimaabkommen gibt.»
Eljesa (15): «Die vielen Szenen über die Überschwemmungen haben mich am meisten berührt. Dass es so schlimm ist, wusste ich nicht. Gegen diese Naturgewalten ist der Mensch machtlos.»
Souad (16): «Ich finde es spannend, wie die Menschen unterschiedlich mit dieser Situation umgehen. Donald Trump beispielsweise zeigt wenig Interesse am Klimawandel. Al Gore aber setzt sich dafür ein, dass etwas geschieht. Sein Vorschlag, vermehrt die Sonnenenergie zu nutzen, könnte etwas bringen. Die Frage ist einfach, ob genug Menschen mitmachen.»

Ferhat (15): «Am meisten beeindruckt hat mich, dass Al Gore nicht aufgegeben hat. Dass er immer wieder auf den Klimawandel hinweist. Von den Überschwemmungen habe ich schon oft gehört. Ich habe aber keine Hoffnung, dass man etwas dagegen tun kann. Weil alle sagen, sie wollen sich dafür einsetzen, dass sich etwas ändert, und letztlich geschieht nichts.»

Christian Tschümperlin

Als Erstes werden die Schüler ihre Eindrücke aufschreiben und sie miteinander besprechen. «Danach erklären wir den Schülern das Kyoto-Protokoll und sagen ihnen, dass sie selber tätig werden können», so Metzler. Etwa, dass sie ihren ökologischen Fussabdruck reduzieren könnten.

«Immer noch eine unbequeme Wahrheit»

Die Zwischenbilanz eines hartnäckigen Klimakämpfers

Der Name ist Programm in Al Gores Film «Immer noch eine unbequeme Wahrheit»: 2006 warnte der ehemalige US-Vizepräsident in seinem Oscar-prämierten Dokumentarfilm «Eine unbequeme Wahrheit» mit dramatischen Bildern und aufregenden Diagrammen vor dem vom Menschen verursachten Klimawandel. Die Fortsetzung, die im Juli 2017 in die Kinos kam, zeigt, dass sich die Situation nicht grundlegend verbessert hat.

Al Gore schreitet über schmelzende Gletscher oder watet in Gummistiefeln durch die überschwemmten Strassen von Miami Beach, Florida. «14 der 15 heissesten Jahre, die je gemessen wurden, fanden seit 2001 statt», sagt der Ex-Präsidentschaftskandidat etwa. Gegen Ende des Films keimt aber auch Hoffnung auf. So wird die Pariser Klimakonferenz als erster Erfolg gewertet. Und die Bilder von afrikanischen Kindern, die vor ihren Strohhütten mittels solarbetriebenen Laptops Zugang zum weltweiten Wissen des Internets erhalten, entlassen den Zuschauer mit einer etwas positiveren Stimmung. (cts)

zvg