Urdorf
Genossenschaft Azur: Kinderhort belegt Alterswohnungen

Senioren werden für Alterswohnungen abgewiesen, weil im Herbst ein Kinderhort deren zwei belegt. Dies sei die richtige Entscheidung gewesen, sind sich Verwaltung und Gesundheitsvorstand einig.

Alex Rudolf
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Anstatt Senioren mietet sich eine Kinderkrippe in zwei Wohnungen an der Bachstrasse ein.

Anstatt Senioren mietet sich eine Kinderkrippe in zwei Wohnungen an der Bachstrasse ein.

Alex Rudolf

Der Schäflibach plätschert durch Urdorf und alles scheint ruhig. Doch die Vermieterpraxis bei den Alterswohnungen an der Bachstrasse sorgt für Unmut. So würden zwei Wohnungen an Kinderkrippen vermietet, was dazu führe, dass Pensionäre auf Wartelisten gesetzt werden, schreibt Leser Peter P. in einem Online-Kommentar auf www.limmattalerzeitung.ch.

Besitzerin der Liegenschaft ist die Genossenschaft Azur. Ihr verkaufte die Gemeinde Urdorf die Parzelle an der Bachstrasse. Dieser Verkauf war jedoch an Auflagen und Bedingungen geknüpft: So sollte der Urdorfer Bevölkerung preiswerter Wohnraum geboten werden. Im Vordergrund stand dabei die Vermietung der Wohnungen an betagte Personen.

Dass Wohnungen ausschliesslich an Betagte vermietet werden sollen, war keine dieser Vorgaben.

Bis zu 150 Interessenten im 2011

«Dies ist auch richtig so», sagt der Urdorfer Gesundheitsvorstand Andreas Herren (SP) auf Anfrage. Es wäre unfair, wenn Auflagen der Gemeinde der Genossenschaft Mietausfälle bescheren würden, sagt er weiter. Vor gut einem Jahr präsentierte sich um die Belegung der Alterswohnungen noch ein ganz anderes Bild.

Rund ein Viertel der 35 Wohnungen standen damals leer. Dies obwohl die Interessentenliste vor der Fertigstellung des Baus im Mai 2011 zwischenzeitlich auf bis zu 150 Personen heranwuchs. Kurt Balmer, Präsident der Genossenschaft Azur, verwies damals darauf, dass sich viele Senioren noch nicht «alt» genug fühlten. Viele hätten gemerkt, dass sie in den eigenen vier Wänden noch gut zurechtkämen.

Für Peter P. ist es unverständlich, dass seine Eltern wegen einer Kinderkrippe keine Alterswohnung beziehen können. Derzeit sehen sie sich nach einer neuen Wohnlösung um. «Anstatt in eine 2-Zimmer-Wohnung für 2000 Franken an der Bachstrasse zu ziehen, werden sie bald einen Platz im Altersheim Weihermatt beanspruchen müssen.

Dort fallen Kosten von rund 13 000 Franken monatlich für beide an», schreibt er. Eine gemeinsame Alterswohnung hätten sich die Eltern leisten können, die Kosten fürs Altersheim müsste die Gemeinde Urdorf jedoch grösstenteils übernehmen: «Das ist unverständlich.»

Wohnungen standen 2 Jahre leer

Die mit der Verwaltung der Alterswohnungen betraute Divor AG erklärt auf Anfrage, dass es sich in diesem Fall um unglückliches Timing handle. Da die Erstvermietung der Erdgeschoss-Wohnungen lange harzte, habe man sich nach Rücksprache mit der Gemeinde dazu entschieden, zwei Wohnungen zusammenzulegen und diese an den Kinderhort «Hüetiberg» zu vermieten.

Dieser wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres seine Tore öffnen, nachdem bis dahin bauliche Anpassungen vollzogen wurden. Für drei weitere Wohnungen, die während fast zweier Jahre leer gestanden seien, habe man per Ende März ebenfalls Mieter gefunden. Ab Anfang April werden somit erstmals alle Wohnungen besetzt sein.

Mit Peter P. sei man in Kontakt gestanden und könne seine Irritation verstehen. Die Anfrage seiner Eltern für eine Alterswohnung an der Bachstrasse sei womöglich nur wenige Tage zu spät eingetroffen. Die Eltern hätten ihre Bewerbung zwischenzeitlich zurückgezogen. Die Warteliste zähle zurzeit nur wenige Interessenten für spezifische Wohnungen.

Fokus auf stationärer Versorgung

Herren zeigt Verständnis für die Situation, in der sich Peter P. und seine Eltern befinden. Doch hält er fest, dass die Gemeinde Urdorf sich bewusst dazu entscheiden habe, den Fokus in der Altersversorgung auf stationäre Versorgung zu legen, sprich auf das Alterszentrum Weihermatt und auf die Spitex.

«Wir lassen niemanden im Stich. Doch können wir als Gemeinde oder die betraute Genossenschaft nicht auf Knopfdruck Wohnungen zur Verfügung stellen», so Herren.

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