Limmattal
Gemüsebauer Walter Leuzinger: «Das schönste Ackerland ist verloren»

Gemüsebauer Walter Leuzinger warnte an der Generalversammlung der regionalen Standortförderung vor dem Niedergang der Limmattaler Landwirtschaft.

David Egger
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Das Limmattal hat sein schönstes Ackerland bereits verloren, meint Gemüsebauer Walter Leuzinger. (Symbolbild)

Das Limmattal hat sein schönstes Ackerland bereits verloren, meint Gemüsebauer Walter Leuzinger. (Symbolbild)

Simon Dietiker

In den letzten Jahren ist das Limmattal zu einem richtigen Kaffee-Mekka geworden. Gleich vier Kaffeeröstereien sind im Bezirk Dietikon ansässig. Dazu kommen viele weitere Firmen aus der Lebensmittelbranche, in Dietikon zum Beispiel Halter-Bonbons oder die Confiserie Sprüngli. Vermehrt wird sich nun die Standortförderung Limmattal der wichtigen Rolle der Nahrungsmittelbranche in der Region bewusst.

Diese besteht aber nicht nur aus Industrie. Auch Landwirte wie der Oberengstringer Gemüsebauer Walter Leuzinger gehören dazu. An der Generalversammlung der Standortförderung am Donnerstag machte sich Leuzinger für die Limmattaler Landwirtschaft stark.

«Wenn man die weltweiten Massstäbe für Mega-Städte nimmt, dann ist unsere Landwirtschaft nur noch Urban Gardening.» Walter LeuzingerGemüseproduzent

«Wenn man die weltweiten Massstäbe für Mega-Städte nimmt, dann ist unsere Landwirtschaft nur noch Urban Gardening.» Walter LeuzingerGemüseproduzent

Zur Verfügung gestellt

Diese wurde schon vor Jahrzehnten aus der Talebene an die Ränder des Limmattals verdrängt, gerade im Rahmen der Ausweitung des Siedlungsgebiets insbesondere in den 50er- bis 70er-Jahren. «Die Landwirtschaft hat das schönste Ackerland verloren», sagt Leuzinger. Als Beispiel nennt er insbesondere Oberengstringen: Früher gab es im Dorf vier Gärtnereien und fünf Bauernbetriebe, heute ist nur noch Leuzingers «Ankenhof» übrig.

Für die Zukunft erhofft sich Leuzinger, dass die geschrumpfte Limmattaler Landwirtschaft nicht noch weiter verschwindet – und wählte dafür ein modernes Sprachbild: die Idee des Urban Gardenings. «Der Begriff wird für gärtnerische Tätigkeiten in Städten gebraucht. Wenn man die weltweiten Massstäbe für Mega-Städte nimmt, dann ist das Limmattal ein Teil von Zürich und unsere Landwirtschaft eigentlich nur noch Urban Gardening», so Leuzinger.

Dietikon erhält 12 000 Franken zurück

Die Standortförderung Limmattal hatte Ende Jahr 88 000 Franken auf ihrem Konto. Der Grossteil davon sind Steuergelder. Zu viel, findet sie nun. Darum gibt die Standortförderung Geld an die Gemeinden zurück, das diese bei der Gründung eingeschossen hatten. Total fliessen so über 34 000 Franken an die Gemeinden. Mit fast 12 000 Franken erhält Dietikon am meisten, für Schlieren gibt es 9000 Franken, für Urdorf 4500 Franken. Je rund 2000 Franken fliessen nach Oberengstringen und Geroldswil. Unterengstringen, Weiningen, Uitikon und Oetwil dürfen sich über gut 1000 Franken freuen. An der Versammlung wurde auch angeregt, dass die Mitgliedergemeinden das Logo der Standortförderung Limmattal in ihre Homepage integrieren. Bisher haben das nur Uitikon und Geroldswil getan. (DEG)

Dennoch bringe die Landwirtschaft den Limmattalern immer noch viele Vorteile: So seien zum Beispiel blühende Rapsfelder und Weizenäcker schöner als brachliegendes Ödland. Solange man im Limmattal noch Äcker sehe, werde zudem verhindert, dass sich Stadt und Land weiter entfremden. Damit die Landwirtschaft erhalten bleibe, brauche es nicht nur Käufer der regionalen Produkte, sondern vor allem gegenseitigen Respekt: Wenn Geruchsemissionen und Kuhglocken auf zu viel Widerstand treffen, werde es für die Landwirtschaft schwierig.

Erster Kopfsalat aus der Region

Die Limmattaler Landwirtschaft hat den Vorteil, dass sich Konsumenten regional versorgen können, zum Beispiel in Leuzingers Hofladen. Seit diesem Monat vergrössert sich sein Sortiment wieder, der Frühling ist da. «Am Mittwoch habe ich im Gewächshaus den ersten Kopfsalat geschnitten», so Leuzinger. In der Hochsaison von Mitte Juni bis Ende September wird der «Ankenhof» dann rund 50 verschiedene Gemüse anbieten – zu kaufen auch am Schlieremer Wochenmarkt.