Sonntagsgespräch
Gemeinderätin Carol Hofer: «Mit Know-how soll gearbeitet werden»

Die Uitiker Gemeindeversammlung stimmte kürzlich der definitiven Verlegung der Kinderkrippe in die gemeindeeigene Siedlung Binzmatt zu. Nach acht Jahren Kampf waren die Befürworter am Ziel.

Flavio Fuoli
Merken
Drucken
Teilen

Im Jahr 2005 befasste sich der Gemeinderat anlässlich einer Klausurtagung mit dem Thema Kinderkrippe. Es sollte eine lange, zähe politische Auseinandersetzung werden. Bald wurde klar, dass eine grosse Gruppe von Eltern ihre Kinder an mehreren Tagen in eine Krippe geben würde.

Diverse Standorte wurden evaluiert, so zum Beispiel auf der Allmend beim Schützenhaus. 2006 erarbeitete der Gemeinderat einen Pavillon-Neubau unterhalb der Liegenschaft Binzmatt. Diese Lösung wurde dann an der Urne verworfen.

2007 konnte im ehemaligen Asylpavillon ein einjähriger Versuchsbetrieb gestartet werden. Das Provisorium bedingte, dass immer wieder neue Standorte in die Evaluation einbezogen wurden, so zum Beispiel auch die Werkräumlichkeiten unterhalb des Üdiker-Huuses.

Schliesslich stimmte die Gemeindeversammlung im Mai 2013 den definitiven Einrichtungen einer Kinderkrippe in Wohnungen der gemeindeeigenen Liegenschaft Binzmatt zu – nach 8-jährigem Ringen.

Frau Hofer, acht Jahre lang hat der Gemeinderat, haben Sie für eine Kinderkrippe in Uitikon gekämpft. Nun sagte die Gemeindeversammlung endlich Ja. Wie ist Ihr Gefühlszustand?

Carol Hofer: Ich freue mich einfach, dass wir es geschafft haben, einen Standort zu bekommen, bei dem man sich in den nächsten Jahren zurücklehnen kann – und dass die Kinderkrippenleute arbeiten können, ohne dass ständig ein Damoklesschwert über ihrer Arbeit hängt. Denn der Termin für die Containerlösung beim Spilhöfler läuft aus. Die Emissionen durch den Neubau der Alterswohnungen werden nur kurz zu ertragen sein.

Sie sind also sehr froh.

Am Anfang wagte ich es, kaum zu glauben. Aber es ist so. Ich bin glücklich für die Kinder und die Mitarbeiter, die in der Krippe gute Arbeit machen.

Während des langen, zähen Kampfes für eine Krippe erwiesen sich die Uitiker, vorab die Männer, als ziemlich krippenresistent. Werden in einer solch modernen Gemeinde noch solche alten Zöpfe gepflegt?

Die Gegnerschaft einer Kinderkrippe hat sich sicher nicht nur aus Männern zusammengesetzt. Ich denke, es ist vor dem Hintergrund der Überregulierung durch den Staat zu sehen. Dass Bund und Kanton den Gemeinden immer mehr vorschreiben, was wir zu tun haben. Nicht nur in dem Bereich. In anderen Bereichen sind es andere Regulierungen, gegen welche immer mehr Widerstand erwacht.

Was ist der Grund, dass doch noch einige Leute so gegen Krippen sind?

Vielleicht ist es die Meinung, und hier kann ich teilweise zustimmen, dass primär die Eltern für die Kinder zuständig sind. Auch die Krippentarife sind immer wieder Gegenstand von Diskussionen. Schliesslich ist es, neben dem gesetzlichen Auftrag, eine Ansichtssache. Kann und muss es sich hundert Prozent rechnen oder will man das Know-how, das ausgebildete Eltern mitbringen, zumindest teilweise in der Arbeitswelt behalten.

Was glauben Sie, weshalb hat es dieses Mal an der Gemeindeversammlung geklappt?

Sicher ist, dass Leute, welche die Krippe unterstützen, ob alt oder jung, gemerkt haben, dass man sich auch an einer Gemeindeversammlung zeigen und engagieren muss. Nicht nur der Gestaltungsplan Leuen, der ebenfalls wichtig für Uitikon ist, hat den grossen Aufmarsch verursacht. Ich sah viele ältere Leute für die neue Krippenlösung die Hand heben. Es war eine Wohltat. Speziell gefreut hat mich, dass es keine knappe Angelegenheit war.

Sind die Uitiker moderner, offener geworden?

Nein, ich erachtete die Uitiker schon immer als sehr gut informiert und interessiert. Ich habe nicht das Gefühl, es habe sich hier etwas verändert. Es haben sich einfach mehr engagiert.

Krippen, so hat der Gemeinderat vorgerechnet, bringen einer Gemeinde ein Plus an Steuergeldern. Vor allem in Uitikon, wo Mütter vielfach eine akademische Ausbildung genossen haben. Wie wichtig ist das für Uitikon?

Für den Gemeinderat ist der Steuerfuss nicht die absolut heiligste Kuh. Das Argument ist in der ganzen Diskussion nur ganz am Anfang gestreift worden. Im Verlaufe der Zeit trat das in den Hintergrund. Fakt ist, wir haben hier gut ausgebildete Leute mit Ausbildungen, die wir als Steuerzahler mitfinanziert haben, mindestens auch an Uni oder ETH. Deshalb müssen wir daran interessiert sein, dass mit diesem Know-how auch gearbeitet wird. Fakt ist auch, dass die Uni Zürich seit kurzem mehr Frauen als Männer ausbildet.

Hat der Gemeinderat bei seiner nun achtjährigen Krippenplanung auch Fehler gemacht?

(Lacht.) Wo Menschen arbeiten, macht man Fehler. Auch ein Gemeinderat ist nicht fehlerlos. Wahrscheinlich hats diesen Prozess gebraucht.

Wenn Sie nochmals am Anfang der Planung wären, was würden Sie anders machen?

(Lacht.) Das ist ganz schwer zu beantworten. Mit dem Fakt Learning by Doing kann man diese Frage nicht beantworten. Ich bin nicht mehr auf dem Stand wie vor acht Jahren. Ich habe massiv dazugelernt, nicht nur im Krippenbereich.

Zum Beispiel?

Auch im Sozialbereich, im menschlichen Bereich, im Bereich politischer Prozesse.

Kann der Verein Löwenzahn, der die Krippe führt, auch in Zukunft, in einer grösseren Umgebung, dieser Aufgabe nachkommen?

Selbstverständlich. Es hat im Verein eine Stabsübergabe gegeben zu einer neuen Präsidentin und zu einem neuen Vorstand. Wir hatten schon das erste Treffen mit ihnen. Das sind absolut engagierte Leute. Die Zusammenarbeit wird gut klappen.

Ist die Binzmatt, wo die Krippe nun hinkommt, so etwas wie eine Wunschlösung?

Ja, ja, ja und nichts anderes.

Sie haben einen Traum realisiert.

Wir sind hier in einem von zwei Dorfzentren Uitikons. Die Entwicklung im neu zu überbauenden Gebiet Leuen ist gut vorgegeben mit der Annahme des Gestaltungsplans. Was dann dort passiert in Sachen Krippenbedarf, da wird man gut hinschauen müssen und es begleiten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Krippe? Einen Ausbau, wie er vorgesehen ist, oder vor allem mal Ruhe?

Bis ein Jahr vor Ablauf der Mietverträge der noch verbleibenden Mieter, sollte Ruhe in die Krippe einkehren. Dann muss man die Situation anschauen inklusive allfälliger Warteliste, Stand Ausbau des Quartiers Leuen, schauen, wer zieht zu. Dann wird man sich wieder Gedanken machen. Ein Ausbau in der Binzmatt ausserhalb dieses nur vorgesehenen Hauses ist für mich kein Thema. Vielleicht hat im Quartier Leuen auch ein privater Anbieter die Chance, Lokalitäten mit vertretbarem Mietzins als Krippe anzubieten.

Wie wird man in 50 Jahren über die Uitiker Krippengeschichte urteilen?

Gar nicht, weil entweder die Krippen oder externen Familienbetreuungen so etwas Natürliches sind, dass man sich über deren Entwicklung keine Gedanken mehr macht. Oder, was für mich unwahrscheinlich ist, schlägt das Pendel in die andere Richtung zurück, was aber eher mit wirtschaftlichen Horrorszenarien verbunden wäre.