Weiningen
Gemeinderat will Siedlungsgrenze trotz Widerstand anpassen

In Weiningen wird momentan über die Zukunft des Dorfes debattiert. Die Ideen für die Entwicklung des südlichen Dorfteils liegen vor. Allerdings sind nicht alle Grundbesitzer mit den Neuerungen zufrieden.

Sandro Zimmerli
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Im Zentrum des Unterdorfes könnte ein neuer Platz als Treffpunkt des Quartieres entstehen. zim

Im Zentrum des Unterdorfes könnte ein neuer Platz als Treffpunkt des Quartieres entstehen. zim

Limmattaler Zeitung

Weinreben am Hang, Obstgärten und Landwirtschaftsflächen in der Ebene, dazwischen ein Dorfkern, der ins kantonale Inventar schutzwürdiger Ortsbilder aufgenommen wurde – Weiningen hat sich viel von seinem ursprünglichen Charakter erhalten.

Die Flucht nach vorne

Dennoch muss sich auch das Weindorf Gedanken über seine künftige Entwicklung machen. Der Gemeinderat hat deshalb die «Flucht nach vorne angetreten», wie sich Gemeindepräsident Hanspeter Haug anlässlich eines Informationsabends am Mittwoch äusserte.

Thema der Veranstaltung war die künftige Entwicklung des südlichen Dorfteils, einem Gebiet, das westlich von der Dietikoner-, nördlich von der Badener- beziehungsweise Zürcher-, und östlich von der Püntenstrasse begrenzt wird. Als Grundlage für die Planungen in den kommenden Jahren dienen dem Gemeinderat so genannte strategische Leitgedanken, die aus einem gemeinsam mit dem kantonalen Amt für Raumentwicklung in Auftrag gegebenen Studienprojekt generiert wurden. Diese umfassen Themen wie die Erschliessung, die Bebauung und den Siedlungsrand des Gebietes.

Konsequenzen für Grundbesitzer

Gleichzeitig mit den Orientierungshilfen für die künftige Entwicklung präsentierte der Gemeinderat bereits erste Grundsatzentscheide, die mit der speziellen Situation im betrachteten Gebiet zusammenhängen. So hat die Exekutive eine neue Abgrenzung des südlichen Siedlungsrandes im kantonalen Richtplan und die Festsetzung einer Planungszone beim Kanton beantragt.

Beide Entscheide haben für die betroffenen Grundbesitzer Konsequenzen und sind deshalb nicht unumstritten. Dies zeigte denn auch die an den Informationsteil anschliessende Diskussion.

Keine Auszonung

Durch die beantragte neue Siedlungsgrenze würde eine rund zwei Hektaren grosse Grünfläche zwischen dem Seniorenzentrum «Im Morgen» und dem Schulhaus Schlüechti, das bisher in der Reservezone lag, nicht mehr eingezont. Gleichzeitig beabsichtigt der Gemeinderat am südöstlichen Dorfrand, in der Verlängerung der Längglistrasse, die Siedlungsfläche durch eine Einzonung zu ergänzen.

Dies warf die Frage auf, wie die betroffenen Grundeigentümer der Fläche zwischen Schulhaus und Seniorenzentrum entschädigt werden sollen. Laut Christian Kaul vom Ingenieurbüro Sennhauser, Werner und Rauch, das dem Gemeinderat beratend zur Seite steht, ist eine Nichteinzonung einer Reservezone keine Auszonung und deshalb nicht entschädigungspflichtig. Einer der betroffenen Grundeigentümer bezeichnete dies als «mutige Behauptung». Wie in diesem Fall weiter verfahren wird, dürfte die Zukunft zeigen.

Anpassungen sind notwendig

Der Gemeinderat jedenfalls sieht die Anpassung der Siedlungsgrenze als notwendig an, weil die offene Fläche zwischen Schulhaus und Seniorenzentrum weiter bis an den Dorfkern reichen soll. Nur so ist gewährleistet, dass der Übergang von den Feldern zur Siedlung gestaffelt über Obstbaumgärten in einen offenen Hausumschwung erfolgt. Dies entspricht auch den Vorstellungen des Kantons.

Dieser hat den Obstgarten an der Dorfgrenze im betroffenen Gebiet im Ortsbildinventar als Freiraum festgelegt. Damit ist dieses Gebiet praktisch ohnehin mit einem Bauverbot belegt. Durch die Anpassung der Siedlungsgrenze soll dieser Freiraum zu den Feldern hin vergrössert werden.

Viel Regelungsbedarf

Der vom Kanton festgelegte Freiraum – ein zweiter existiert im Unterdorf im Hinterhof der Bauernhäuser entlang der Badenerstrasse – ist einer der Hauptgründe für den Studienauftrag und schliesslich auch für den Antrag eine Planungszone festzulegen. Begonnen hat alles im Jahr 2009 mit einem Baugesuch im Unterdorf. Dabei wurde festgestellt, dass die betroffene, wie auch weitere Parzellen, noch nicht baureif waren. Ein privater Erschliessungsplan unter den benachbarten Grundeigentümern scheiterte.

Im Mai 2010 wurde deshalb ein Begehren für ein amtliches Quartierplanverfahren eingereicht. «Bei der Analyse für das Quartierplanverfahren haben wir festegestellt, dass im Unterdorf noch viel Regelungsbedarf besteht», erklärte Bauvorstand Wilfried Werffeli. Unter anderem gehe es dabei um Parkplatzproblematik, die Freiflächen im Inventar schützenswerter Ortsbilder, den Ausbau der Schule und die übergeordnete Planung.

Hilfe des Kantons

Um all diese offenen Fragen zu klären, hat der Gemeinderat das Gespräch mit dem Kanton gesucht. Dieser hat sich bereit erklärt eine gemeinsame Studienplanung in Auftrag zu geben, wenn dabei nicht nur das Unterdorf sondern der gesamte südliche Dorfteil untersucht würde. Daraus sind zum Schluss die strategischen Leitgedanken zur künftigen Entwicklung des Dorfteils hervorgegangen. Um diese Planungen in Ruhe voranzutreiben, hat der Gemeinderat die Planungszone beim Kanton beantragt.

Wie die Neugestaltung der Siedlungsgrenze hat auch eine Planungszone weitreichende Konsequenzen. Kaul bezeichnete den Entscheid denn auch als «dicke Post» und «brutales Instrument, des Planungs- und Baugesetztes». Dennoch warb er um Verständnis für den Gemeinderat. In einer Planungszone – sie ist üblicherweise für drei Jahre festgesetzt – dürfen keine baulichen Veränderungen vorgenommen werden, die der im Gange befindlichen Planung widersprechen.

Kein totales Bauverbot

«In einer Planungszone herrscht also kein totales Bauverbot. Bauvorhaben, welche die angestrebten Entwicklungen nicht behindern, können bewilligt werden», erklärte Kaul. Der Gemeinderat müsse aber im Einzelfall entscheiden. Baugesuche, welche die Entwicklung beeinträchtigten, müssten zurückgestellt werden.

«Für die Beantragung der Planungszone spricht, dass der Gemeinderat seine Planungsarbeiten zügig und in Ruhe durchführen kann», so Klau. Zudem werde so ein rechtlicher Rahmen für eine geordnete Entwicklung im südlichen Dorfteil geschaffen. «Der Gemeinderat», hielt Klau fest, «verpflichtet sich dadurch die Planungen in den drei Jahren durchzuführen.»