In einem Brief an den Regierungsrat wehren sich Dietiker Gemeinderäte dagegen, das Limmattalbahn-Depot auf dem Dietiker «Müsli»-Acker zu bauen – dem einzigen Zipfel Land der Stadt, der westlich der Mutschellenstrasse liegt. Neben dem Acker stand ursprünglich auch das Spreitenbacher Gebiet Asp zur Debatte, auf dem heute ein Occasions-Fahrzeug-Handel steht. Wird dort gebaut, müsste der Boden darunter saniert werden. Die zu erwartenden Mehrkosten von mindestens 25 Millionen Franken sind aber in den Krediten für die Limmattalbahn nicht enthalten.

«Die Altlasten am Standort Asp und deren Sanierung würden zu erheblichen Terminrisiken führen», sagt die Sprecherin der Limmattalbahn, Julie Stucki. Denn vor einer Sanierung wird zwar überwacht, ob das Grundwasser sauber ist. Aber was alles im Boden steckt, zeigt sich erst bei einer Sanierung.So entschied sich der Zürcher Regierungsrat im Sommer 2014, dass das «Müsli»-Depot in den Zürcher Richtplan eingetragen werden soll. Darüber stimmt der Kantonsrat nach den Sommerferien ab.

Die Dietiker lassen die genannten Argumente nicht gelten: Die Sanierungskosten für die Deponie Asp würden in naher Zukunft sowieso anfallen, schreibt die Gemeinderätin Charlotte Keller (SVP) in ihrem Brief an den Regierungsrat, unter den gut 25 Gemeinderäte aller Couleur ihre Unterschrift gesetzt haben. Das Aargauer Departement für Bau, Verkehr und Umwelt widerspricht Kellers These: «Der Kanton Aargau geht nicht davon aus, dass die Deponie im betroffenen Gebiet in naher Zukunft saniert werden muss», sagt Sprecher Giovanni Leardini.

«Asp»-Sanierung nur bei Neubau

Der springende Punkt: Im Aargauer Kataster der belasteten Standorte sind auf dem «Asp» gleich drei Flächen eingezeichnet. Eine wurde noch nicht überprüft, eine andere ist sanierungsbedürftig und eine ist überwachungsbedürftig. Auf der Letzteren würde das Depot Asp gebaut werden. Solche überwachungsbedürftige Altlasten-Standorte müssen saniert werden, wenn ein Bauvorhaben die künftige Sanierung wesentlich erschwert – der Bau des Bahn-Depots wäre so ein Fall.

Überbaut werden soll das «Asp» erst mittel- oder langfristig. Denn Spreitenbach hat in seiner Masterplanung festgelegt, dass zuerst zentrumsnahe Gebiete entwickelt werden sollen.

Zurzeit ist vom «Asp» erst ein kleiner Teil als Bauland eingezont, eine Einzonung soll aber irgendwann kommen. «Es kann nicht sein, dass sich der Kanton Aargau gegen ein Depot wehrt, um Bauland zu horten», schreiben die Dietiker Politiker in ihrem Brief. Der Aargau lässt auch diesen Vorwurf nicht gelten. Der Grüngürtel zwischen Dietikon und Spreitenbach, für den sich die Dietiker Politiker einsetzen, sei auch ein Aargauer Anliegen, schliesslich liege er hauptsächlich auf Aargauer Boden. «Wir halten mit aller Deutlichkeit fest, dass der Aargau den bestehenden Grüngürtel im Grenzgebiet nicht geschmälert hat», teilt das Aargauer Umweltdepartement mit. Der Grüngürtel solle sogar aufgewertet werden.

Falls das Bahndepot im «Müsli» gebaut wird, will der Zürcher Regierungsrat die Erde des Ackers nach Maschwanden transportieren lassen, um sie weiter zu nutzen. Was aber nichts daran ändert, dass im «Müsli» grünes Land verloren gehen würde. Es ist nicht der einzige Streitpunkt: Gegen den Depot-Standort Müsli gingen acht Einsprachen ein: drei aus Spreitenbach, drei aus Dietikon und zwei von Interessengruppen. Zwei Einsprachen seien mit einem Vergleich abgeschlossen worden, sagt die Limmattalbahn-Sprecherin Julie Stucki. Fünf Einsprachen beziehen sich auf den Standort des Depots. Und eine Einsprache kommt von der Gemeinde Spreitenbach. Diese hat aber nicht das Ziel, das Depot Müsli zu verhindern, wie Gemeindepräsident Valentin Schmid erklärt. Der Grund: Das Gebiet Kreuzächer zwischen dem «Müsli» und dem Neubau der Firma Viessmann an der Industriestrasse soll bald überbaut werden. «Es wäre optimal, wenn das Bahntrassee zum Depot gleich an die Erschliessungsstrasse für dieses Baugebiet anschliesst», sagt Schmid. Spreitenbach will, dass die beiden Bauvorhaben aufeinander abgestimmt werden.

Ohne Depot fährt die Bahn nicht

Sollte der Brief der Dietiker Politiker Erfolg zeitigen, müsste die Limmattalbahn ein neues Plangenehmigungsgesuch beim Bund einreichen. Dies hätte zur Folge, dass das Depot nicht rechtzeitig zur geplanten Inbetriebnahme der Bahn Ende 2022 bereit ist – das würde den Betrieb verhindern. «Die Angst vor Verzögerungen ist gross. Ich hoffe, dass sich unser Kantonsrat nicht von dieser Angst leiten lässt. Er soll sich für die Stadt Dietikon und gegen den Depot-Standort Müsli entscheiden», sagt Charlotte Keller, die den Widerstand anführt. Kopien ihres Briefs gehen an die Geschäftsleitung des Kantonsrats, die Zürcher Kommission für Energie, Verkehr und Umwelt sowie die Kommission für Bau und Planung.