Die Schlieremer Stimmbürger werden an der Urne darüber befinden können, wie der Bahnhofsbereich künftig aussehen wird. Dies geht aus einem Stadtratsbeschluss von dieser Woche hervor. Das Gremium entschied, die Begegnungszonen-Initiative von SP, Grünen und Grünliberalen als Umsetzungsvorlage zur Abstimmung zu bringen. Jene der Bürgerlichen, die Tempo-30-Initiative, kommt als Gegenvorschlag auf den Stimmzettel.

Damit entscheidet das Volk nun, worüber sich der Gemeinderat und die Parteien nicht einigen konnten. Im Dezember 2017 brachte der Stadtrat ein Projekt vor das Gemeindeparlament, in dem eine grosse Begegnungszone vorgesehen war. Dies heisst, dass zwischen SBB-Personenunterführung West und Güterstrasse die Höchstgeschwindigkeit von Tempo 20 gegolten hätte. Zudem wären etwa bauliche Hindernisse dazugekommen und Trottoirs wären obsolet geworden, da Fussgänger stets Vortritt genossen hätten.

Die Rechnungsprüfungskommission (RPK) entschied jedoch, dieses Projekt zu stutzen und die Begegnungszone zu verkürzen, sodass sie nur noch zwischen Neuer Fossertstrasse und Güterstrasse verläuft. Die Bedenken bei den Bürgerlichen bezüglich einer guten Anbindung des Gewerbes und allfälliger Gefahren für Verkehrsteilnehmer in einer viel genutzten Begegnungszone waren gross.

In der Folge sammelten SP, Grüne und GLP rund 300 Unterschriften für eine Initiative, in der die ursprüngliche, grosse Begegnungszone gefordert wird. FDP, CVP und SVP lancierten ebenfalls eine Initiative mit einem neuen Vorschlag. Das gesamte Gebiet um den Bahnhof solle zur Tempo-30-Zone werden. Dies bedeutet auch, dass die Bereiche für Fussgänger und motorisierter Verkehr voneinander getrennt werden. Zudem wären Trottoirs nötig.

Dass der Stadtrat beschliesst, die beiden Anträge gleichzeitig an die Urne zu bringen, hofften die Beteiligten schon länger. Jetzt ist klar, in welcher Form dies geschehen wird.

Im vergangenen November beauftragte das Gemeindeparlament den Stadtrat, zur Begegnungszonen-Initiative eine Umsetzungsvorlage auszuarbeiten. Dabei handelt es sich um eine ausformulierte Vorlage, die der Initiative entspricht und noch dem Gemeindeparlament unterbreitet wird. In seinem neuen Beschluss beantragt der Stadtrat nun von der Schlieremer Legislative, dass er neben der Vorlage für eine Begegnungszone auch einen Gegenvorschlag für eine Tempo-30-Zone-Initiative ausarbeiten darf.

Zwei gleichwertige Vorlagen

Was jedoch bereits jetzt feststeht, obwohl noch keine der beiden Vorlagen ausgearbeitet ist: Sie werden nicht gleich teuer. «Es ist davon auszugehen, dass wegen der Ausbildung der zwingend erforderlichen Trottoirs in einer Tempo-30-Zone die Quadratmeterkosten etwas höher ausfallen werden», so der Stadtrat.

Zudem würden Verkehrsgutachten neu erstellt werden, was ebenfalls zusätzliche Kosten hervorbringe. So würden zwei ausgearbeitete, gleichwertige Vorschläge auf Stufe Umsetzungsvorlage ausgearbeitet und dem Gemeindeparlament wie auch dem Volk unterbreitet.

Bei den Tempo-30-Initianten ist man zufrieden. Gemeinderat Markus Weiersmüller (FDP) sagt auf Anfrage, dass er es begrüsse, dass der Stadtrat einen Gegenvorschlag ausarbeiten wolle. «Dem Vernehmen nach soll der stadträtliche Gegenvorschlag massgebliche Elemente unserer Initiative aufnehmen», so Weiersmüller weiter.

Er geht sogar noch einen Schritt weiter. «Sollte der stadträtliche Gegenvorschlag in unserem Komitee auf Wohlwollen stossen, können wir uns sogar vorstellen, unsere Tempo-30-Initiative zurückzuziehen. Dafür müssen wir aber unsere Ansätze umgesetzt sehen.»