Aesch
Gemeinderat kämpft um das letzte Restaurant in Aesch

Das letzte Restaurant der Gemeinde wurde letzte Woche geschlossen. Der Gemeinderat will es unbedingt erhalten und zurückkaufen. Nun zeichnet sich vielleicht noch eine andere Lösung ab.

Flavio Fuoli
Merken
Drucken
Teilen
Das «Landhus» ist das letzte Restaurant in Aesch.

Das «Landhus» ist das letzte Restaurant in Aesch.

Limmattaler Zeitung

Aus dem jahr 1861

Das Restaurant Landhus hat Tradition. Laut Angaben von Gemeindepräsident Hans Jahn wurde es 1861 nach einem grossen Brand neu erbaut. Seit ungefähr 1870 ist ein Wirtschaftspatent drauf. 1945 gelangte das Restaurant in den Besitz der Familie Steinmann. 1970 kaufte es die Gemeinde als Restaurant und Werkgebäude. 1979 erfolgte eine Renovation durch die Gemeinde. Im Jahr 2004 kaufte das bisherige Wirteehepaar Rinner das Haus.

Aesch, die 1100-Seelen-Gemeinde, hat eine Beiz, eine einzige, das «Landhus». Vor rund fünf Jahren, so erklärt Gemeindepräsident Hans Jahn gegenüber der Limmattaler Zeitung, habe die zweite Aescher Beiz, das «Rössli», seinen Betrieb eingestellt, nach rund vierzig Jahren.

Nun also noch das «Landhus». Doch dieses ist seit der vergangenen Woche nicht mehr in Betrieb. Das Wirteehepaar Heinz und Sandra Rinner hat das Restaurant geschlossen. Heinz Rinner hatte die Gemeinde darüber informiert, dass er am 1. August eine neue Stelle antreten werde.

Gemeinde mit Rückkaufrecht

Wie der Gemeinderat mitteilte, habe er seit April 2012 mit der Familie Rinner im Bestreben um eine Anschlusslösung diverse Gespräche geführt. Damals noch kam für das Wirtepaar der Verkauf der Liegenschaft infrage.

Die Gemeinde hatte den Rinners das «Landhus» 2004 verkauft. Laut Kaufvertrag hat sie ein Rückkaufsrecht bis ins Jahr 2019 für den Fall, dass im «Landhus» «der Restaurantbetrieb im heutigen Stil» nicht mehr betrieben werde, wie der Gemeinderat mitteilte. Die Gemeinde besitzt zudem ein Vorkaufsrecht. Die Bedingungen sind im Kaufvertrag von 2004 festgehalten.

Ende Mai ist gemäss Gemeinderat noch kein Kaufangebot eines privaten Interessenten vorgelegen. Der Gemeinderat hat daher definitiv beschlossen, der Gemeindeversammlung baldmöglichst den Rückkauf des Restaurants zu unterbreiten und selber aktiv einen Pächter zu suchen.

Die Exekutive hat auf 11. September eigens für den Rückkauf und die Genehmigung von Verkehrsberuhigungsmassnahmen eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen.

Restaurant doch behalten

Doch der Gemeinderat wurde überrascht. Am 11. Juni informierte die Familie Rinner, sie beabsichtige, das «Landhus» zu behalten und selber einen Pächter zu suchen. Trotzdem will der Gemeinderat das Geschäft, den Rückkauf des Restaurants Landhus, vorläufig auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung im September belassen. «Wenn bis dahin die Weiterführung des Restaurants gesichert ist, wird der Gemeinderat seinen Antrag zurückziehen», hält er fest.

Dass sich die Gemeinde derart um die Beiz kümmert, kommt nicht von ungefähr. Gemeindepräsident Hans Jahn liegt viel an der Erhaltung dieses Treffpunkts: «Ein Restaurant gehört ins Dorf. Das macht viel aus.»