Oetwil
Gemeinderat hegt Zweifel an der Lärmmessung des Bundes

Die Ergebnisse einer Lärmmessung stimmen die Exekutive von Oetwil misstrauisch - nun bereitet ein Experte die Resultate auf. Einen schriftlichen Bericht erwartet der Gemeinderat Anfang Januar.

Alex Rudolf
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Noch zu viel Lärm? Rangierbahnhof Limmattal

Noch zu viel Lärm? Rangierbahnhof Limmattal

Annika Bütschi

Es muss ein angespanntes Klima geherrscht haben, als die Grolimund und Partner AG Anfang Dezember dem Oetwiler Gemeinderat ihre Ergebnisse zu den Lärmmessungen vorstellte. Es habe sich um eine Auflistung nackter Zahlen gehandelt, beschreibt Gemeindepräsident Paul Studer die Präsentation. «Obwohl der Bericht durch einen Fachmann erläutert wurde, waren einzelne Passagen für Laien nicht nachvollziehbar.»
Die präsentierten Daten wurden im vergangenen Mai in Absprache mit den SBB und den betroffenen Gemeinden erhoben. Es sollte herausgefunden werden, ob die im Dezember 2012 installierten Silent Segments eine spürbare Besserung für die Gemeinden Geroldswil, Spreitenbach, Dietikon und Oetwil betreffend der Lärmbelastung gebracht haben. Der Rangierbahnhof Limmattal somit als lärmsaniert gilt.

Nun kritisiert der Oetwiler Gemeinderat die Grolimund und Partner AG. In einer Mitteilung, die nach der Präsentation versendet wurde, bemerkte die Exekutive, dass einem «beigezogenen Experten substanzielle Unklarheiten bezüglich der Messmethodik» aufgefallen seien. Diese Unklarheiten werden nun vom Zuger Lärmexperten, Beat Sägesser, analysiert. Einen schriftlichen Bericht erwartet der Gemeinderat Anfang Januar. Darauf basierend wird er seine Stellungnahme für das Bundesamt für Verkehr (BAV) verfassen.
Kaputte Messgeräte
Laut Studer werden an den Messmethoden zwei Punkte kritisiert. Erstens hätten einige Windmessgeräte in dieser Zeit nicht funktioniert. «Grolimund und Partner AG sagte dazu, dass diese Daten problemlos mit Rechnungsmodellen angenommen werden können», so Studer. Als zweiten Kritikpunkt moniert der Gemeindepräsident, dass während der Dauer der Erhebung zum Teil Messpunkte verschoben worden seien. «Auch dies machte uns stutzig.»
«Büro ist völlig neutral»
Die Grolimund und Partner AG sieht derweil keinen Anlass für dieses Misstrauen. Christoph Ammann, Projektleiter dieser Lärmmessung, sagt, dass man sich strikt ans Pflichtenheft gehalten habe. Lärmexperte Beat Sägesser widerspricht dem nicht. Er ergänzt jedoch, dass der Verfasser eines solchen Berichts gewisse Interpretationsmöglichkeiten habe. Zudem sei man in der Schweiz noch nicht sehr erfahren in der Behandlung von Rangierlärm, daher sei eine zweite Beurteilung mehr als gerechtfertigt.
Aus der Bevölkerung kommen derweil weiterhin Signale der Unzufriedenheit. «Einige Oetwiler waren verwundert, dass sich die Lärmemission durch die Silent Segments nicht verringerte», sagt Studer. Vor allem das Quietschen der Gleise sei durch diese Massnahmen nicht ausgeblieben.
Stellungnahme im Januar
Wann die nächste Entscheidung in der Lärmdebatte um den Rangierbahnhof Limmattal folgt, ist noch nicht klar. Die Oetwiler Exekutive muss bis Mitte Februar 2014 eine Stellungnahme zum vorgestellten Bericht abgeben.

«Diesen planen wir jedoch schon im Januar einzureichen», so Studer. Ob die Stellungnahme zum Bericht positiv oder negativ ausfalle, dies werde man entscheiden, wenn Beat Sägesser seine Erläuterungen vorgestellt hat. Danach entscheidet das BAV darüber, ob der Rangierbahnhof als lärmsaniert gilt. Studer rechnet im ersten Semester 2014 mit einer Entscheidung. Befindet das BAV, dass die Massnahmen nicht genügen, müssen die SBB nochmals über die Bücher. Wenn die umgesetzten Massnahmen dem BAV ausreichen, dann wäre Oetwil wieder gefordert, so Studer.