Wie Andreas Windlinger, Mediensprecher des Bundesamtes für Verkehr (BAV), auf Anfrage erklärt, haben sich das Bundesamt für Umwelt, die SBB, die Kantone Aargau und Zürich sowie die Gemeinden Oetwil, Dietikon und Geroldswil zum Messbericht geäussert. Die Gemeinde Spreitenbach hat ihre Stellungnahme bis Mitte nächster Woche in Aussicht gestellt.

Südwestwind zu wenig beachtet

Oetwil hat für seine Stellungnahme einen Akustiker damit beauftragt, den Bericht genau unter die Lupe zu nehmen, sagt Rechtsanwalt Thomas Wipf, der die Gemeinde in dieser Angelegenheit schon seit Jahren vertritt. Kritisiert werde insbesondere, dass im Messbericht dem Südwestwind zu wenig Rechnung getragen worden sei. «Bei diesen vorherrschenden Windverhältnissen ist es in Oetwil besonders schlimm. Das wurde im Bericht aber nur unzureichend berücksichtigt», so Wipf. Die Gemeinde fordere das BAV deshalb auf, den vorliegenden Messbericht sorgfältig zu prüfen und daraus die korrekten lärmrechtlichen Schlüsse für das stark lärmgeplagte Gebiet von Oetwil zu ziehen, bevor erneute Messungen angedacht werden.

Überdies beruft sich Oetwil auch auf das Vorsorgeprinzip, das gemäss Umweltschutzgesetz besagt, dass Emissionen unabhängig von der bestehenden Umweltbelastung im Rahmen der Vorsorge so weit zu begrenzen seien, als dies technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sei. «Für die Gemeinde heisst das, dass selbst wenn die Grenzwerte nicht überschritten sein sollten, die SBB dafür sorgen müssen, dass der Rangierbahnhof möglichst wenig Lärm erzeugt», sagt Wipf. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, so namentlich die partielle Einhausung des Ablaufbergs. Denn dort würde der Lärm hauptsächlich verursacht.

Geroldswil folgt in seiner Stellungnahme weitgehend Oetwil, wie Alexandra Deplazes, Gemeindeschreiber-Stellvertreterin, auf Anfrage erklärt. «Auch wir sind der Ansicht, dass den Südwestwind-Verhältnissen zu wenig Beachtung geschenkt wurde», sagt sie. Zudem sei man der Ansicht, dass die Lärmreduktion durch die neuen Balkenbremsen für die Bevölkerung subjektiv kaum wahrnehmbar sei. Überdies fordere man von den SBB, dass weitere Lärmschutzmassnahmen, die technisch und betrieblich möglich und wirtschaftlich tragbar sind, realisiert werden.

Fehler bei der Einstufung

Auch in Dietikon beruft man sich auf das Vorsorgeprinzip. «Bislang gibt es seitens der SBB keine Vorschläge zur Vorsorge. Wir fordern deshalb, dass solche Massnahmen nun geprüft werden. Diese können bis zur Einhausung der Abrollhügel reichen», sagt Stadtplaner Jürg Bösch. Zudem habe man im Bericht einen Messpunkt im Niderfeld als in der Industriezone liegend bezeichnet. Das sei falsch, da im Jahr 2010 eine Einzonung stattgefunden habe und der Messpunkt in der Wohnzone liege. «Das hat zur Folge, dass der Grenzwert tiefer ist und die aktuelle Lärmbelastung nur 4 Dezibel unter dem Grenzwert liegt. Das haben wir in unserer Stellungnahme ebenfalls angemerkt», so Bösch.

Womöglich sei den Messern auch in Spreitenbach ein solcher Fehler bezüglich der Empfindlichkeitsstufen-Zuordnung unterlaufen, sagt Heiko Loretan, Sektionsleiter Luft und Lärm im Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. «Grundsätzlich sind die Messungen für uns aber plausibel und nachvollziehbar», so Loretan. Man schätze es, eng mit Bund, den SBB und den Gemeinden zusammenarbeiten zu können. «Wir fordern aber auch, dass das Lärmsanierungsprojekt rund um den Rangierbahnhof weitergeführt wird. Im äussersten Fall müssten Schallschutzfenster eingebaut werden, um die Anwohner vor Lärm zu beschützen.»

Kanton Zürich will noch abwarten

Auch aus Sicht des Kantons Zürich liefern die Lärmmessungen plausible Resultate, sagt Thomas Maag, Mediensprecher der Baudirektion. «Die Einflüsse bei abweichenden meteorologischen Verhältnissen sind aber noch nicht geklärt. Eine abschliessende lärmrechtliche Beurteilung ist noch nicht möglich und in verschiedenen Gebieten der angrenzenden Gemeinden sind Immissionsgrenzwerte-Überschreitungen nicht auszuschliessen», hält er fest.

Zurzeit sei die Sanierung der Balkenbremsen noch im Gange, von der eine weitere Verbesserung der Lärmsituation erwartet werde, so Maag. «Die Lärmsituation ist nach Abschluss der Sanierung erneut zu überprüfen und allfälliger zusätzlicher Sanierungsbedarf zu ermitteln», sagt Maag.

Bei den SBB nimmt man den Messbericht zur Kenntnis und wartet die weiteren Lärmmessungen ab, sagt Mediensprecherin Lea Meyer.