Limmattalbahn
Gemeinden müssen weniger als angenommen für Limmattalbahn bezahlen

Gute Nachrichten für Zürich, Dietikon, Schlieren, Urdorf, Spreitenbach und Killwangen: Die Standortgemeinden der Limmattalbahn werden wohl bedeutend weniger an das Projekt bezahlen müssen, als bisher angenommen.

Bettina Hamilton-Irvine
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Die Limmattalbahn rollt auf dieser Visualisierung durch Dietikon. Abteilung Verkehr, BVU

Die Limmattalbahn rollt auf dieser Visualisierung durch Dietikon. Abteilung Verkehr, BVU

Ursprünglich ging man davon aus, dass die Standortgemeinden sich mit einem Anteil von 5 Prozent an den Kosten der Bahn werden beteiligen müssen - analog zur Glattalbahn. Beim vergleichbaren Projekt im Glattal, das 2010 abgeschlossen wurde, rechnete man damit, dass die Standortgemeinden 5 Prozent der Gesamtkosten von 580 Millionen übernehmen würden. 93 Prozent sollte der Kanton tragen, 2 Prozent der Bund. Auf die Gemeinden entfielen schliesslich 35,9 Millionen, was etwa 6 Prozent der Kosten entspricht.
Kostenverhandlungen laufen
Bei der Limmattalbahn, für die Kosten von etwa 670 Millionen Franken anfallen dürften, müssten die Gemeinden also 30 bis 35 Millionen Franken übernehmen. Noch vor einigen Jahren sagte Willy Haderer, damals Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL), diese Kosten würden nicht nach dem üblichen Verteilschlüssel der ZPL, sondern nach dem effektiven Nutzen erhoben.
Dies ist nach wie vor richtig. Nur dürfte der prozentuale Kostenanteil für die Standortgemeinden deutlich tiefer liegen als bei der Glattalbahn. Zurzeit laufen die Kostenverhandlungen, wie Daniel Issler, Gesamtprojektleiter der Limmattalbahn, auf Anfrage sagt. Bevor diese - voraussichtlich im Sommer - abgeschlossen sind, kann er noch keine Zahlen nennen. Klar ist aber laut Otto Müller, Dietiker Stadtpräsident und Verwaltungsrat der Limmattalbahn AG, dass die Gemeinden nur die Kosten für zusätzlich gewünschte Leistungen wie Veloabstellplätze oder andere Mehrwerte übernehmen müssen.
Zudem entfällt ein weiterer finanzieller Brocken für die Standortgemeinden. Bei der Glattalbahn entzündete sich ein Streit an der Frage, wer die gegen 40 Millionen Franken für die Verlegungen der Werkleitungen übernehmen müsse. Geplant war, dies den Gemeinden zu belasten. Das Bundesgericht entschied aber am 27. April 2005, dass die Neuverlegungen der Werkleitungen «von der Bahnunternehmung zu treffen und grundsätzlich von ihr zu finanzieren sind». Auf Dritte könne man die Kosten nur überwälzen, wenn damit deren Bedürfnissen entsprochen werde. Dementsprechend wird auch die Limmattalbahn AG diese Kosten grösstenteils selber tragen müssen. «Damit sinken die Kosten für die Standortgemeinden markant. Sie werden wohl nur noch kleinere Beträge übernehmen müssen», sagt Issler.
«Keine Riesenkosten»
Das bestätigt der Dietiker Stadtplaner Jürg Bösch. «Für die Stadt Dietikon werden die Kosten kein grosses Thema werden.» Beteiligen müsse man sich voraussichtlich an den Kosten für die Erstellung einer behindertengerechten Unterführung am Bahnhof Dietikon auf der Seite Limmat.
Ähnlich tönt es in Schlieren. «Ich erwarte keine Riesenkosten», sagt Werkvorstand Christian Meier. Er gehe davon aus, dass sich die Stadt nur dort beteiligen müsse, wo sie einen Mehrwert erhalte. Dabei gehe es vor allem um Haltestellen und Zugänge.
In Urdorf sagt Rebecca Bauder, Bereichsleiterin Planung, Bau und Umwelt, man sei zurzeit noch «auf Stand-by» und warte auf weitere Informationen. Zu prüfen sei vonseiten der Gemeinde dann weiter, wo es Anschlussprojekte an die Bahn gebe. Sie rechne mit höchstens zwei bis drei solcher Anknüpfungspunkte.
An den Gesamtkosten beteiligen wird sich wohl auch der Bund. Dieser schoss bei der Glattalbahn am Ende aus dem Infrastrukturfonds für die zweite und dritte Etappe je 50 Prozent bei. Da auch die Limmattalbahn ein klassisches Projekt des Agglomerationsverkehrs ist, hoffen die Kantone Aargau und Zürich auf 40 Prozent Beteiligung. Damit würde ihr Anteil - Zürich rechnet mit 450 bis 600 Millionen, der Aargau mit 150 bis 200 Millionen - stark sinken.

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