Während mehr als acht Jahren setzten die Limmattaler Gemeinden in Bezug auf die Integration von Sozialhilfeempfängern auf gemeinsame Institutionen. Per Anfang 2017 gehen die elf Bezirksgemeinden die Probleme wieder auf unterschiedlichen Wegen an.
Mit der Einführung der Richtlinien der Schweizer Sozialhilfekonferenz (Skos) wurden die Gemeinden dazu verpflichtet, Integrationsmassnahmen für Sozialhilfeempfänger ins Leben zu rufen. Dabei setzte man im Bezirk auf gemeindeübergreifende Zusammenarbeit.

In Dietikon wurde mit der Fachstelle Autark die Wiedereingliederung von Sozialhilfeempfängern in den ersten Arbeitsmarkt gefördert, wovon alle Limmattaler Gemeinden Gebrauch machten. Jene Sozialhilfeempfänger, denen dafür geringere Chancen eingeräumt wurden, kamen in Schlieren unter. Bei Check-in wurden Bezüger an die Hand genommen, die über ungenügende Ausbildungen verfügen oder gesundheitliche Probleme haben. Weil sich also eine Integration schwer gestaltet, wurde auf Schulungen oder Beschäftigungsprogramme gesetzt.

Mit der Gründung der neuen Fachstelle Integration holte Dietikon Mitte 2015 alle Aufgaben wieder zurück zu sich in den Bezirkshauptort. Autark, das bis dahin allen Anschlussgemeinden offengestanden hatte, wurde in die neue Stelle integriert. In der Folge hinterfragte auch Schlieren die Zusammenarbeit: Im vergangenen August wurde es offiziell, dass sämtliche Check-in-Aufgaben künftig nur noch Schlieremer Sozialhilfebezügern zur Verfügung stehen sollten.

Frühzeitige Auflösung

Geplant war, den Check-in-Zugang für andere Gemeinden auf Ende 2017 einzustellen. «Nachdem aber bereits im vergangenen November alle ehemals Schlieren und Dietikon angeschlossenen Gemeinden eine neue Lösung gefunden hatten, wurde die Leistungsvereinbarung frühzeitig aufgelöst», sagt Claude Chatelain, Abteilungsleiter Soziales der Stadt Schlieren, auf Anfrage.

Die Lösung für die neun Gemeinden, die nach den Rückzügen von Schlieren und Dietikon ohne Partner dastanden, heisst Start Plus. Ende November gründete die Ostschweizer Sozialfirma Dock-Gruppe gemeinsam mit der Caritas Schweiz die Firma, wie Lynn Blattmann, operative Leiterin der Dock-Gruppe, auf Anfrage sagt. Vielen dürfte «Dock» ein Begriff sein. Seit 2011 ist ein Ableger, das Dock Limmattal, im Dietiker Silbern-Quartier tätig und bietet dort Langzeitarbeitslosen niederschwellige Arbeitseinsätze – etwa in einem Brockenhaus oder im Bereich Qualitätskontrolle.

Seit diesem Januar ist das neu gegründete Unternehmen Start Plus nun tätig, bereits wurden zwölf Personen von den Gemeinden überwiesen. Langfristig sollen es bis zu 150 sein, so Blattmann. Ohne Sockelbetrag bezahlen die Gemeinden pro Zuweisung 1200 Franken. Darin enthalten sind Abklärungen mit dem Sozialhilfebezüger sowie verschiedene Massnahmen wie etwa Arbeitstrainings, interne Bewerbungsunterstützung oder die Vermittlung an externe Deutschkurse. «Wir bedienen uns verschiedener Methoden aus dem Personalwesen», sagt Blattmann. So wolle man sicherstellen, dass möglichst viele Teilnehmer Fuss im ersten Arbeitsmarkt fassen können.

Angebote für jene, die bis anhin im Schlieremer Check-in gemeldet waren – also geringe Aussichten haben, wieder eine Arbeitsstelle zu finden –, bietet die Dock-Gruppe den Start-Plus-Klienten mit den Arbeitseinsätzen des Dock Limmattal ebenfalls. Aber: «Für Menschen, die ein intensives Coaching benötigen, schliessen die Gemeinden Verträge mit anderen Firmen ab, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben», sagt Veronika Neubauer (SVP), Präsidentin der regionalen Sozialvorständekonferenz.

Weil die Limmattaler Gemeinden rasch eine Anschlusslösung fanden, zog auch Schlieren die Strukturänderung vor. Die 40 Sozialhilfebezüger, die zuvor im Autark in Dietikon gemeldet waren, werden nun im Check-in betreut. Bislang habe man positive Erfahrungen gemacht, sagt Chatelain. Er unterstreicht, dass Check-in und Start Plus nicht als Konkurrenten betrachtet werden. «Start Plus ist sehr nahe am Arbeitsmarkt, was seine Stärke ist. Wir haben viel Erfahrung mit Langzeitarbeitslosen, was unsere Stärke ist. Punktuell kann man sich ergänzen», sagt er.

So könne er sich durchaus vorstellen, gewisse Arbeitsprogramme von Start Plus für seine Klienten in Anspruch zu nehmen. Andererseits hätten auch bereits verschiedene Gemeinden an seine Türe geklopft und Anfragen für Check-in-Leistungen deponiert. «Wir befinden uns in Verhandlungen. Details kann ich noch keine bekannt geben», so Chatelain. Der Schlieremer Sozialvorstand Christian Meier (SVP) gab im vergangenen Sommer bereits bekannt, dass man auch Klienten anderer Gemeinden betreuen würde: aber zum Vollkostenpreis und nur, falls das Check-in-Team auch ausreichend Kapazität hat.

Zusammenarbeit nicht sistiert

Aus welchen Gründen gehen die Limmattaler Städte und Gemeinden wieder ihre eigenen Wege in Sachen Arbeitsintegration? Der Grund liegt in den vergleichsweise hohen Sozialhilfequoten der Städte. «Wir haben im Lauf der vergangenen Jahre gemerkt, dass wir die Klienten gerne nahe begleiten würden, was am besten in-house funktioniert», sagt Chatelain. Dies unter anderem aus Gründen der Kostenkontrolle.

Auch für Neubauer steht fest, dass die grosse Anzahl Sozialhilfeempfänger in den Städten der Grund für diese neue Struktur ist. «Die Zusammenarbeit ist nun aber nicht völlig sistiert», sagt sie. Im Rahmen der Sozialvorständekonferenz sind die Gemeinden des Bezirks noch immer in einem engen Kontakt und gehen Probleme gemeinsam an», sagt sie.

Veronika Neubauer

Veronika Neubauer