Bergdietikon
Gemeindeammann Gerhart Isler: «Es kommt zu keiner Steuererhöhung»

Der Gemeinderammann wehrt sich gegen Kritik am geplanten Pflegezentrum in Kindhausen. Dass die Gemeinde jährliche Hunderttausende von Franken bezahlen müsse, sei «ein Horrorszenario», das jeglicher Realität entbehre, sagt er.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Gemeinderat wehrt sich gegen die Kritik am geplanten Pflegezentrum in Kindhausen.

Der Gemeinderat wehrt sich gegen die Kritik am geplanten Pflegezentrum in Kindhausen.

Katja Landolt

«Möchten Sie gerne mehr Gemeindesteuern zahlen?» Für die Interessensgemeinschaft «Für eine sinnvolle Seniorenresidenz in Bergdietikon» ist klar: Wer diese Frage mit Nein beantwortet, muss sich auch gegen das geplante Pflegezentrum stellen.

Denn das Projekt, das im Weiler Kindhausen von einem privaten Investor gebaut werden soll, würde jährliche Folgekosten von 1 Million Franken und eine Steuererhöhung von 10 Prozent auslösen, heisst es in einem E-Mail, das zurzeit in der Gemeinde zirkuliert. Der Grund: Das Angebot an Pflegeplätzen und Alterswohnungen übersteige den Bedarf der Gemeinde bei weitem und werde Zuzüger anziehen, die als Pflegefälle die Gemeindekasse belasteten, schreibt die IG.

Bereits seit einiger Zeit fährt die kleine Gruppe von Kritikern in ihrem Kampf gegen das Pflegezentrum hartes Geschütz auf. Mit dem letzten E- Mail hätten sie den Bogen aber überspannt, sagt Gemeindeammann Gerhart Isler. Dass die Gemeinde jährliche Hunderttausende von Franken bezahlen müsse, sei «ein Horrorszenario», das jeglicher Realität entbehre, sagt er. Denn: Die Senioren würden während der Zeit, in der sie in den Wohnungen leben, Steuern bezahlen, genau so wie die Nachfolger, die in die Häuser der Senioren in Bergdietikon einziehen, sagt Isler. «Es wird zu keiner Steuererhöhung kommen.»

Wenige zusätzliche Pflegefälle

Die Gemeinde rechne mit wenigen zusätzlichen Kosten für Pflege, sagt Gemeinderätin Brigitte Diggelmann. Zurzeit lebten rund 5 Prozent der Bergdietiker Senioren in Pflegeheimen. Wenn man davon ausgehe, dass in den 42 geplanten Alterswohnungen 60 Personen wohnten, würden davon wohl etwa 3 Personen später zu Pflegefällen. Für Personen, die direkt aus anderen Gemeinden ins Pflegeheim ziehen, müsse Bergdietikon nicht aufkommen, betont Diggelmann: «Das sagt das Pflegegesetz deutlich.»

Der Bedarf für ein Pflegezentrum sei ausgewiesen, sagt Diggelmann. Rund 700 Bergdietikerinnen und Bergdietiker seien heute älter als 60 Jahre, knapp 30 lebten in Pflegeheimen im Kanton Aargau. Die Grösse des Seniorenzentrums – geplant sind 75 Pflegeplätze und 42 Alterswohnungen – sei aber auch aus finanziellen Gründen nötig, sagt Diggelmann. Das Pflegezentrum Spreitenbach, in dessen Vorstand sie ebenfalls ist, rentiere erst, seit es auf 80 Plätze vergrössert worden sei.

Die IG kritisiert zudem, der Gemeinderat verkaufe dem Investor Oase AG das Bauland für das Pflegezentrum zum «Schnäppchenpreis». Dies sei falsch, sagt Isler: Gemäss Aussagen von Regionalplanungsgruppen seien 650 Franken pro Quadratmeter ein sehr guter Preis für Land in der öffentlichen Zone: «Wir kennen diverse Beispiele, bei denen vergleichbares Land für 300 oder sogar 150 Franken verkauft wurde.»

Richtigstellen will Isler auch die Aussage der IG, der angestrebte Ausbau des Busbetriebs auf Viertelstundentakt würde 500 000 Franken kosten. Heute bezahle man jährlich bloss 40 000 Franken an das Bussystem. «Ein Ausbau dürfte höchstens 20 000 Franken mehr kosten.»

Mitwirkungsbericht wird aufgelegt

Gestern ging das Mitwirkungsverfahren für den Gestaltungsplan zu Ende. Nun wird der Gemeinderat die Vorschläge der Bevölkerung auswerten und Anpassungen prüfen. Der Mitwirkungsbericht wird in der anschliessenden öffentlichen Auflage ebenfalls einsehbar sein. Nachdem der Gemeinderat den definitiven Gestaltungsplan verabschiedet hat, muss der Regierungsrat ihn noch genehmigen. Der Kanton Aargau hat die Genehmigung bereits in Aussicht gestellt. Isler betont, dass der Investor eine bewilligungsfähige erste Version des Gestaltungsplans termingerecht im Januar zur Vorprüfung eingereicht habe. Somit sei entgegen den Aussagen der Kritiker des Projekts keine Konventionalstrafe fällig.