Oberengstringen
Gemeinde wird den Bedürfnissen der Senioren gerecht – ausser beim Wohnen gibt es noch Luft nach oben

Die Gemeinde hat eine Übersicht über das Alterswesen erstellt – punktuell soll das Angebot verbessert werden

Fabienne Eisenring
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Die Gemeinde Oberengstringen erfüllt die gesetzlichen Vorgaben im Alterswesen vollumfänglich.

Die Gemeinde Oberengstringen erfüllt die gesetzlichen Vorgaben im Alterswesen vollumfänglich.

Walter Schwager

Die Gemeinde Oberengstringen hat ihren Senioren den Puls gefühlt – und geprüft, ob sie deren Bedürfnissen gerecht wird. Das Ergebnis ist eine 13-seitige Übersicht über das Alterswesen der Gemeinde, erarbeitet von einer Arbeitsgruppe der Sozialbehörde. Die Bilanz der Selbstevaluation fällt rundum positiv aus. «Die Gemeinde Oberengstringen erfüllt die gesetzlichen Vorgaben vollumfänglich und beurteilt das Gesamtpaket der Angebote als vorbildlich», heisst es im Fazit. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt würden die Angebote für die ältere Wohnbevölkerung über dem gesetzlichen Minimum liegen. Das Nonplusultra ist jedoch noch nicht erreicht: Punktuell seien Optimierungen möglich, heisst es weiter.

Die Übersicht war eines der Legislaturziele 2014–18 des Gemeinderats, und zudem ein Wunsch aus der Bevölkerung, der seit der Zukunftskonferenz 2010 bestanden habe, sagt Sozialvorstand Kurt Leuch (Politisches Forum) auf Anfrage. Mit Rücksicht auf die gesetzlichen Vorgaben von Bund und Kanton Zürich definierte die Arbeitsgruppe Alter, unterstützt von der Anlaufstelle Gesundheit und Alter rechtes Limmattal, sieben Bereiche des Alterswesens. Innerhalb dieser Bereiche begutachtete sie das bestehende sowie das wünschenswerte Angebot und formulierte mögliche Massnahmen. Am 16. April 2018 wurde die Übersicht vom Gemeinderat verabschiedet, seit gestern ist sie auf der Gemeinde-Website publiziert. Ein Grund dafür, dass der Bericht erst jetzt veröffentlicht wird, ist laut Leuch folgender: «Es musste zunächst geklärt werden, welche Kommissionen für die Prüfung und Umsetzung der Massnahmen zuständig sind.» Namentlich sind es die Ressorts Liegenschaften, Werk, Gesundheit und Soziales.

An der Palette an Aktivitäten, die die Gesundheit fördern und der Vereinsamung im Alter entgegenwirken – darunter das Senioren-Turnen der Kirchen, der Seniorenausflug oder das Jubilarenkonzert –, hat die Arbeitsgruppe nichts auszusetzen. Im Gegenteil: «Wir waren selbst überrascht, wie viel für die ältere Bevölkerung unserer Gemeinde angeboten wird», sagt Leuch. Zu einem ebenso positiven Befund kam die Arbeitsgruppe bei der Evaluation der Bereiche Sicherheit und Information – der Status quo soll da beibehalten werden.

«Keine Altersgettos»

Massnahmen sind dafür in anderen Bereichen angedacht. Wie im Bericht zu lesen ist, unterstützt die Gemeinde Massnahmen, die auf längere Selbstständigkeit abzielen wie auch darauf, dass Senioren möglichst lange in ihren angestammten vier Wänden wohnen bleiben können. Ein Teil des Aufwandes im stationären Bereich soll so vermindert werden – auf Kosten des ambulanten Bereichs, namentlich der Spitex und weiterer Dienste.

Besonders in Bezug auf das Wohnen sieht die Arbeitsgruppe Luft nach oben. «Zurzeit bietet die Gemeinde keine Wohnungen im mittleren Preissegment an, die für ‹Wohnen im Alter› infrage kämen», sagt Leuch. Voraussichtlich an der Gemeindeversammlung im Juni 2019 werde die neue Bau- und Zonenordnung der Gemeinde traktandiert. «Anschliessend wird die Liegenschaftskommission prüfen, ob eine Aufstockung des Zentrums Oberengstringen oder die Einrichtung von altersgerechten Wohnungen in der Liegenschaft Im Winkel zweckmässig sind», so Leuch. Voraussetzung sei allerdings ein Mietermix, sprich: Mieter verschiedener Generationen. «Wir wollen keine Altersgettos», betont Leuch.

«Zurzeit bietet die Gemeinde keine Wohnungen im mittleren Preissegment an, die für ‹Wohnen im Alter› infrage kämen.»

Kurt Leuch (Politisches Forum), Oberengstringer Sozialvorstand

In puncto Pflege und Betreuung strebt Oberengstringen einen Ausbau des bestehenden Angebots an. Der Gemeinderat unterstütze das Vorhaben der Spitex rechtes Limmattal, eine 24-Stunden-Pflege anzubieten, heisst es im Bericht. Auch rege die Gemeinde bei der Spitex eine Pflege an, die möglichst dieselben Bezugspersonen garantiere. Da dies eine Leistungserweiterung bedeute, werde die Gemeinde prüfen, ob die Spitex durch einen privaten Bereich ergänzt werden soll. Zur Prüfung stehen etwa die Einrichtung eines Treuhanddienstes sowie Finanzierungsmöglichkeiten, die über Ergänzungs- und Zusatzleistungsbeiträge hinausgehen.

Als weitere Massnahme ist geplant, das Angebot an öffentlichen Toiletten und Sitzbänken zu prüfen, dasselbe gilt für die Möglichkeit eines Fahrdienst-Angebotes. Ziel der Gemeinde ist es, möglichst viele der Massnahmen in der nächsten Legislatur umzusetzen. Wann genau die Bevölkerung ein Update erwarten darf, kann Leuch noch nicht sagen. «Wir werden laufend darüber berichten.» Die Arbeitsgruppe wird den Prozess begleiten, so Leuch – mit dem Vorsatz, zu schauen, dass «nichts vergessen geht».