Standhaft wie eine Festung wehrte sich der Geroldswiler Kiesplatz gegen sein eigenes Ende: Die Schaufel des kleinen Baggers kratzte am harten Boden. Doch es wollte nicht recht klappen. Und so fuhr der Geroldswiler Hochbauvorstand Willy Oswald (FDP) die blau-weisse Maschine unter fachkundiger Anleitung eines Mitarbeiters der Weininger Firma Richi an eine andere Stelle, wo der Boden lockerer war. Unter den Augen Dutzender Anwesender konnte Oswald dann doch noch Erde woandershin schütten.

Es war das erste Mal, dass Oswald einen Bagger bediente. Aber es war nicht das erste Mal, dass der Geroldswiler Gemeinderat beim Projekt Baufeld Ost Widerstände zu berücksichtigen hatte. So gab es im Dezember 2013 eine turbulente Gemeindeversammlung; das Stimmvolk forderte mehr Mitsprache. Und erhielt sie: Drei Monate später gründete der Gemeinderat eine Begleitkommission.

Ab diesem Zeitpunkt war das Projekt in der Bevölkerung breit abgestützt. So lehnten an der Versammlung am 2. Dezember 2015 nur 2 der 210 anwesenden Stimmberechtigten den Projektierungskredit ab. Die breite Abstützung des Vorhabens mündete letztlich in der Zustimmungsrate von 73,65 Prozent am 21. Mai 2017. In der damaligen Urnenabstimmung sagte das Geroldswiler Volk Ja zum Kredit über 34,89 Millionen Franken, dank dem das Baufeld Ost überbaut werden kann.

«Ziemlich visionär»

Angesichts der grossen Zustimmung im Volk könnte fast vergessen gehen, dass es für ein Dorf mit unter 5000 Einwohnern unüblich ist, eine Investition von rund 35 Millionen Franken zu tätigen. Aber wie sagte es Willy Oswald in seiner gestrigen Spatenstich-Rede: «Schon das heutige Zentrum, wie es heute hier steht, war vor 50 Jahren ziemlich visionär. Daran möchten wir anschliessen.»

Der neue Zentrumsbau schliesst nicht nur räumlich an den alten an. Auch zwei Mieter des heutigen Zentrums werden im Neubau auf dem Baufeld Ost anzutreffen sein. Neben Coop – der Detailhändler verdoppelt mit der Züglete über die Huebwiesenstrasse seine Ladenfläche – wird auch die Apotheke Rochat, die heute zur Pill Group gehört, die Strassenseite wechseln. Die Apotheke bezieht das kleinere der beiden neuen Ladenlokale, wie Oswald sagte.

In seiner Rede erinnerte er auch an die Zeit, als das Baufeld Ost noch kein Kiesplatz, sondern eine grüne Wiese war; die Chilbiwiese, eine Freihaltezone, die die Gemeindeversammlung im Juni 2013 umgezont hatte zur Zentrumszone 4,5. Ein Meilenstein, den auch Oswald gestern erwähnte. Ebenso sprach er die «glückliche Konstellation» an, die beim Baufeld Ost zusammenkommt. Gemeint ist die Zusammenarbeit mit der Pensionskasse der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Diese baut gleichzeitig ein zusätzliches Gebäude auf ihrer benachbarten Liegenschaft. Der Aushub ist bereits passiert.

Kreiselschmuck-Frage noch offen

Einen Steinwurf entfernt an der Limmattalstrasse ist derweil der neue Geroldswiler Kreisel bereits fertig. Einziges Manko: Er trägt noch keinen Kreiselschmuck. Das wird auch noch länger so bleiben. Was genau entstehen soll, ist noch offen. Denkbar ist, dass es einen Ideenwettbewerb für diesen Kreiselschmuck gibt. Und dass dieser womöglich erst startet, wenn das Baufeld Ost fertig gebaut ist und man weiss, welcher Kreiselschmuck am besten ins neue Dorfbild passt.

Das Bauende auf dem Baufeld Ost ist für Ende Sommer 2020 vorgesehen. Neben den beiden Ladenlokalen entstehen 27 Wohnungen, die 13 Wohnungen der ZKB nicht mitgezählt. Zudem gibt es rund 150 Tiefgaragenparkplätze, gut die Hälfte davon öffentlich.

Oswald, der im Sommer abtritt, unterliess es nicht, Gemeindeschreiber Beat Meier, der im Sommer Geroldswil nach 19 Jahren verlässt, speziell zu danken. Denn: «Bei ihm sind alle Fäden zusammengelaufen.» Meier war die Freude denn auch anzusehen, wie auch den anwesenden Politikern, Unternehmern und Arbeitern.

Der Architekt des Projekts, Peter Baumberger, umschrieb seine Freude kurz: «Es geht los! Wir freuen uns.»