Geroldswil

Gemeinde Geroldswil will keine fremden Investoren

Auf dem Chilbiplatz will die Gemeinde mit Fremdkapital eine neue Wohnsiedlung erstellen. fni/zvg

Auf dem Chilbiplatz will die Gemeinde mit Fremdkapital eine neue Wohnsiedlung erstellen. fni/zvg

Die 30-Millionen-Siedlung im Zentrum selbst zu stemmen, sei vertretbar, sagt der Gemeinderat

Die Gemeinde Geroldswil will in ihr neues Gesicht Millionen investieren. Insgesamt dürften es dereinst nach aktueller Schätzung deren 50 sein. Dafür erhält das Dorf eine Wohnsiedlung östlich eines neuen Platzes im Zentrum, 24 alterstaugliche Kleinwohnungen sowie einen optimierten Gemeindesaal im heutigen Hotel Geroldswil und eine weitere Siedlung gleich dahinter.

Im Juni hatte der Gemeinderat das Siegerprojekt des Zürcher Architekturbüros Baumberger & Stegmeier für das sogenannte «Baufeld Ost» auf dem Chilbiplatz vorgestellt. Nun präsentierte er im Gemeindesaal rund 150 Anwesenden mögliche Finanzierungsvarianten. Am Ende drehten sich die Fragen des Publikums dann um ein ganz anderes Thema. Doch der Reihe nach.

Beim Hotel und der nördlich davon gelegenen «Punktsiedlung» stand laut Gemeindeschreiber Beat Meier schon seit Beginn der Planung im Vordergrund, die Bauvorhaben mittels Fremdkapital selbst zu finanzieren: «Die Situation mit der öffentlichen Nutzung des Saals und dem Hallenbad ist so verschachtelt, dass sonst komplexe vertragliche Regelungen nötig wären», erklärte er.

Beim «Baufeld Ost» – bei dem sich die geschätzte Investitionssumme auf 30 Millionen beläuft – zogen die Exekutive und die Begleitkommission auch zwei alternative Finanzierungsarten in Betracht: den Verkauf des Landes an einen Investor und die Vergabe im Baurecht. Nach eingehender Prüfung ziehen sie es aber vor, auch dieses Projekt mit Fremdkapital selbst zu stemmen.

Auf dem Chilbiplatz will die Gemeinde mit Fremdkapital eine neue Wohnsiedlung erstellen. fni/zvg

Auf dem Chilbiplatz will die Gemeinde mit Fremdkapital eine neue Wohnsiedlung erstellen. fni/zvg

Gegenüber den anderen Optionen verspricht die Eigenfinanzierung diverse Vorteile. So etwa mehr Kontrolle in der Planungs- und Bauphase, mehr Einfluss auf die Mieterschaft und die Mietzinspolitik sowie höhere Einnahmen – zusammen mit den Kleinwohnungen im Hotel und den 15 Mietwohnungen in der «Punktsiedlung» könnte die Gemeinde Mietzinsgewinne von einer Million Franken netto oder acht Steuerprozenten pro Jahr generieren. «Warum dieses Geld Investoren überlassen, wenn wir es selbst einstreichen können?», fragte Meier.

Im Notfall ist Verkauf möglich

Er räumte zwar ein, dass die massive Neuverschuldung ein Zinsrisiko birgt, betonte aber, dass dieses «vertretbar» sei. Experten gehen derzeit von einem Schuldzinsniveau zwischen ein und zwei Prozent während der nächsten zehn Jahre aus. Auf dieser Annahme basieren auch die Berechnungen der Gemeinde. Stiegen die Zinsen auf fünf Prozent, so ergäben sich gemäss Gemeinderat um 30 Prozent höhere Mieteinnahmen. Am Ende bliebe ein jährlicher Verlust von 83 000 Franken. «Schlimmstenfalls kann die Gemeinde die Siedlung jedoch immer noch verkaufen», so Meier.

Für Begleitkommission und Exekutive überwogen bei den anderen beiden Finanzierungsarten negative Aspekte. Bei einer Vergabe des Baurechts wäre die Gemeinde etwa an den «Heimfall» gebunden, wonach sie nach Ablauf der Baurechtsdauer die Liegenschaft zurückkaufen müsste. Meier bezeichnete dies als «Hypothek für die kommende Generation».

Und wird das Land gar an einen Investor verkauft, so würde die Gemeinde nicht nur hochwertiges Bauland, sondern auch ihr Mitbestimmungsrecht bei der Zentrumsentwicklung vergeben. Bei beiden Finanzierungsvarianten beliefe sich der jährliche Nettoertrag auf knapp 600 000 Franken. Angesichts dieser Nachteile hat sich der Gemeinderat entschieden, auch die Investitionen in das «Baufeld Ost» durch die öffentliche Hand zu finanzieren. Die Stimmbevölkerung wird abschliessend an der Urne über den 30-Millionen-Kredit befinden können.

Ankermieter gab zu reden

Bei der anschliessenden Fragerunde stand nicht die Eigenfinanzierung im Zentrum. Vielmehr löste der Umstand Fragen aus, dass die Gemeinde einen Vorvertrag mit Coop für die Sockelnutzung in der neuen Siedlung abgeschlossen hat. Einige Votanten monierten, dass die Migros aussen vor gelassen worden sei. Gemeindepräsident Michael Deplazes (parteilos) entgegnete, dass sich die Migros schon zu Beginn der Planungsphase selbst aus dem Rennen genommen habe: «Sie sagte, sie wolle keine Konkurrenz zur bestehenden ‹Voi›-Filiale schaffen, die ein Migros-Partner ist», sagte er.

Am 7. Dezember wird die Gemeindeversammlung über einen Projektierungskredit von 2 Millionen für das «Baufeld Ost» befinden. Bis September 2016 soll das Projekt stehen, im November folgt die Urnenabstimmung über den Baukredit. Die Planung im Bereich des Hotels und der «Punktsiedlung» soll laut Meier baldmöglichst angegangen werden.

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