Aesch
Gemeinde erwirbt 16 Parkplätze für ihre Beiz

Richtiggehend emotional wurde an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend über einen 480 000-Franken-Kredit diskutiert. Mit dem eindeutigen Schlussresultat sprechen sich die Aescher für ein Dorfrestaurant im «Rössli» aus.

Alex Rudolf
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Das Rössli in Aesch

Das Rössli in Aesch

Aru

Mit lediglich drei Gegenstimmen segneten die 92 Aescher Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend den Kredit von 480 000 Franken ab. Damit erwirbt Aesch 16 Tiefgaragenplätze in der im Bau befindlichen Liegenschaft an der Eichacherstrasse und stellt sie für die kommenden 10 Jahre dem Betreiber des Restaurants Rössli, Urs Räbsamen, unentgeltlich zur Verfügung. Der Gemeinde entgehen so bis zu 25 000 Franken pro Jahr.

Dieser kaufte das rund 300 Jahre alte Gebäude mitten im Dorfkern und ist bestrebt, bis 2018 ein Restaurant darin zu erstellen. Seit Längerem ist die Gemeinde daran interessiert, wieder ein Restaurant ins Rössli zu bringen. Die Bildung einer Trägerschaft mit Vereinsstruktur wie auch der Kauf der Liegenschaft durch die Gemeinde scheiterten jedoch. Räbsamen hat bereits Erfahrung mit der Sanierung von historischen Liegenschaften, wie auch mit der Führung von Restaurationsbetrieben.

«Es gibt wichtigere Dinge in Aesch»

Ein Blick auf das Schlussresultat vermittelt den Eindruck, dass sich die Stimmberechtigten einig waren. Dem war jedoch über lange Strecken der Diskussion keineswegs so. Ein Votant zeigte sich erstaunt, dass die Gemeinde eine halbe Million Franken ausgeben wolle, um einem Privaten die damit gekauften Parkplätze gratis zur Verfügung zu stellen. «Es gibt wichtigere Dinge in Aesch», resümierte er.

Ein anderer Aescher monierte, es sei ein schlechtes Vorzeichen, wenn ein Restaurantbetrieb auf subventionierte Parkplätze angewiesen sein. Ein Dritter verwies darauf, dass das zweite Restaurant der Gemeinde, das Landhaus, auch nicht finanziell unterstützt werde und es für ein attraktives Ortszentrum keine BEiz brauche.

«Diese Voten sind schlichtweg frech»

Dann drehte der Wind. Die ehemalige Sozialvorsteherin Susanne Burla (parteilos) ergriff das Wort und betitelte einige der kritischen Voten von diesem Abend als «schlichtweg frech». So gebe es in vielen anderen Dörfern eine Vielzahl von Vereinen, die in der Nähe kein Restaurant mehr hätten, in dem man nach dem Training oder einem Treffen etwas trinken könne. «Diese Chance, die Herr Räbsamen unserer Gemeinde gibt, ist einmalig und diese sollten wir nicht achtlos wegwerfen», sagte Burla.

Auch Jürg Niederbacher von der Primarschulpflege erinnerte die Anwesenden daran, dass die Lösung aus Sicht der Gemeinde eigentlich zu schön sei, um wahr zu sein. «Was wir für lediglich 25 000 Franken erhalten ist immens», sagt er. Er könne beinahe Herrn Räbsamen nicht verstehen, der sich auf einen solchen Deal einlasse.

Bei der Abstimmung zeigte sich, dass die Kritiker chancenlos waren. 89 Personen sprachen sich für den Kredit aus, lediglich drei dagegen.

Weitere Geschäfte

- Das Budget der politischen Gemeinde für 2017 wurde von den 92 Stimmberechtigen einstimmig angenommen. Dieses sieht bei einem Aufwand von knapp 5,8 Millionen Franken ein Plus von rund 220 000 Franken vor. Der Steuerfuss soll wie bis anhin auf 28 Prozent verbleiben.

- Auch das Budget der Primarschulgemeinde, das bei einem Steuerfuss von 38 Prozent einen Aufwandüberschuss von 430 000 Franken prognostiziert, wurde einstimmig angenommen.

- Mit zwei Änderungsanträgen wurde auch die Revision des Wasserreglements aus dem Jahr 1974 einstimmig angenommen.