Gericht Dietikon

Geldgier: Ein unglücklicher Hanfanbauer mit einer seltsamen Bohrmaschine

Mit einem gefälschten Ausweis gelangte er zum Mietvertrag: Ein Serbe betrieb hier einst eine Hanfanlage.

Mit einem gefälschten Ausweis gelangte er zum Mietvertrag: Ein Serbe betrieb hier einst eine Hanfanlage.

Dank einer Indoor-Hanfanlage in Urdorf hat ein 39-Jähriger innert eines Jahres 300'000 Franken eingenommen. Seine Ausgaben waren aber ebenso hoch. Nach fünf Monaten im Gefängnis hat das Bezirksgericht Dietikon nun seinen Fall verhandelt.

Ein 39-jähriger Serbe hatte in einem Urdorfer Industriequartier vor ein paar Jahren eine Indoor-Hanfanlage betrieben. Weshalb er sich damals dem Drogenanbau gewidmet hatte, dafür gibt es einen einfachen Grund: «Wegen des Geldes», sagte der Mann gestern vor dem Dietiker Bezirksgericht kurz und bündig.

Gerichtspräsident Stephan Aeschbacher sprach zwar davon, dass der Mann die Anlage immerhin während eines Jahres betrieben und dabei ein professionelles Vorgehen an den Tag gelegt habe. Und in der Anklageschrift wird festgehalten, dass der Tourist und Automechaniker ohne festen Wohnsitz in der Schweiz in seiner Urdorfer Anlage immerhin insgesamt 60 Kilogramm Marihuana geerntet und für rund 300000 Franken verkauft hatte. Doch auf einen grünen Zweig kam der Mann mit seinen grünen Stauden offenbar dennoch nicht.

In der Anklageschrift steht, dass er vor dem Ernten rund 300'000 Franken in seine Indoor-Plantage investiert hat. Das Geld hat er gemäss eigenen Aussagen von einem Freund ausgeliehen, den er aber nicht namentlich bekannt gab. Auch vor Gericht meinte der Serbe gestern, dass er keinen Gewinn erzielt habe. Deshalb habe er ja auch die Plantage aufgegeben und Urdorf verlassen.

Angesichts der Höhe des Umsatzes machte sich der Mann der qualifizierten Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig.

Die lange Reise eines Bohrers

Im Weiteren legte die Staatsanwaltschaft dem Mann auch Hehlerei zur Last. Dies war an der gestrigen Verhandlung kein Thema. So sind dazu einzig die in der Anklageschrift enthaltenen kurzen Ausführungen bekannt. Demnach wurden beim Serben, als er im November 2019 wieder in die Schweiz einreisen wollte, ein Bohrhammer und ein Ladegerät gefunden und sichergestellt. Die Geräte mit einem Gesamtwert von rund 1050 Franken waren, wie die Abklärungen ergaben, im März 2013 und im März 2016 aus Baubaracken in Zürich und im bernischen Kirchberg gestohlen worden. Der Serbe gab in der Untersuchung an, diese Geräte vor Jahren auf einem Markt in Belgrad für rund 300 Euro gekauft zu haben. Er habe sie in der Schweiz einer Frau schenken wollen.

Wenn damit rund um die Bohrmaschine auch vieles unklar bleibt, für die Staatsanwaltschaft ist klar: Der Mann habe aufgrund aller Umstände beim Kauf gewusst, dass es sich um gestohlene Ware handelt. So gab es weder eine Garantie, eine Quittung noch eine Gebrauchsanweisung.

Schliesslich hat sich der Mann auch der Fälschung von Ausweisen schuldig gemacht. Um einen Mietvertrag für seine Indoor-Hanfanlage abschliessen zu können, hatte er sich von Unbekannten für 500 Franken eine Niederlassungsbewilligung herstellen lassen.

Alle Anklagepunkte eingestanden

Die Anklage war unbestritten: Der Serbe und die Staatsanwaltschaft hatten sich auf das abgekürzte Verfahren geeinigt. Damit zeigte sich der 39-Jährige zu den vorgeworfenen Punkten vollumfänglich geständig. Er akzeptierte auch das vereinbarte Strafmass und gab die Zusicherung, auf einen Weiterzug zu verzichten. Als Urteilsvorschlag beantragte die Staatsanwaltschaft eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren bei einer Probezeit von drei Jahren.

Angesichts der Delikte wäre theoretisch eine Freiheitsstrafe zwischen 1 und 20 Jahren möglich, hielt Gerichtspräsident Aeschbacher fest. Vorliegend sei die Tatschwere aber im untersten Bereich dieser Bandbreite anzusiedeln. «Der Urteilsvorschlag erscheint insgesamt angemessen.»

Der 39-jährige Serbe befand sich in den vergangenen fünf Monaten – insgesamt 153 Tage – in Untersuchungs- und Sicherheitshaft, zuletzt im Gefängnis in Pfäffikon. Da die Freiheitsstrafe bedingt ausgesprochen wurde, wird er nun aus dem Gefängnis entlassen. Er wird aber direkt dem Migrationsamt übergeben – denn für seine Taten wird er für fünf Jahre des Landes verwiesen. Auch damit hatte er sich gegenüber der Staatsanwaltschaft im Rahmen des abgekürzten Verfahrens einverstanden erklärt. Er wolle in seine Heimat zu seiner Familie zurückkehren und eine Arbeit suchen, meinte der Mann zur Frage, wie er seine Zukunft sehe.

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