Limmattal
Gehen Schulkinder zu Fuss, lernen sie Acht zu geben im Strassenverkehr

Auf dem Schulweg lernen Schulkinder das Verhalten im Strassenverkehr. Das hilft, Unfälle vorzubeugen

Flurina Dünki
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Die Stadtpolizei Dietikon überprüft Autos auf der Studackerstrasse auf korrekte Kindersitze und Sitzerhöhungen. fdu

Die Stadtpolizei Dietikon überprüft Autos auf der Studackerstrasse auf korrekte Kindersitze und Sitzerhöhungen. fdu

Flurina Dünki

Es ist 7.50 Uhr, noch eine halbe Stunde bis Schulbeginn. Um die Kreuzung Steinmürlistrasse/ Studackerstrasse, die viele Kinder auf dem Weg zum Schulhaus Fondli passieren, haben sich Rolf Wohlgemuth, Chef der Dietiker Stadtpolizei, und zwei seiner Kollegen in Stellung gebracht. Wie in vielen Limmattaler Gemeinden kontrolliert die Polizei in den ersten Schulwochen das Verhalten von Autofahrern und Schulkindern im Strassenverkehr. «Diese Mutter lässt die Kinder korrekterweise die Strasse zuerst betreten», kommentiert Wohlgemuth die Szene auf dem Fussgängerstreifen. Gingen begleitende Eltern voraus, so könnten sich die Kinder nicht im selbstständigen Überqueren der Strasse üben.

Die Gefahrenreduktion auf Schulwegen ist eines der Ziele, das sich der Stadtrat Dietikon in der Legislaturperiode 2014 bis 2018 gesetzt hat. Für Gemeinderat Reto Siegrist (CVP) sind die bisherigen Bemühungen für dieses Ziel jedoch zu intransparent. In einer Interpellation vom 3. August erkundigt er sich beim Stadtrat nach konkreten Massnahmen.

Ungünstige Schulraumplanung

«Die unsicheren und teilweise unzumutbaren Schulwege sind die Folge der Dietiker Schulraumplanung», sagt Siegrist. Weil die Schulraumreserven ausgeschöpft seien und nur im Schulhaus Wolfsmatt zusätzlicher Schulraum geschaffen wurde, könnten Kinder nicht immer der nächstgelegenen Schuleinheit zugeteilt werden und müssten stark befahrene Strassen wie die Bern-, Bremgarten- oder Badenerstrasse überqueren. «Die Stadt ist verpflichtet, die nötigen Rahmenbedingungen für sichere Schulwege zu schaffen, damit diese dem Kind zugemutet werden können», so Siegrist. Die Antwort auf die Interpellation steht noch aus. Tatsächlich müssen die Gemeinden gemäss der Zürcher Volksschulverordnung Massnahmen ergreifen, wenn der Schulweg einem Kind nicht zugemutet werden kann.

Diese können nach Yvonne Kind Gallati vom Zürcher Volksschulamt etwa aus Fussgängerüberführungen, Begleit- oder Lotsendienste bestehen. Wann ein Schulweg nicht mehr zugemutet werden könne, werde im Einzelfall entschieden (siehe rechts). Birmensdorf musste solche Massnahmen ergreifen, da wegen der geografischen Verzettelung der Schulweg für einige Kindergarten- und Primarschüler zu lange wäre. Für die Kindergärtler dieser Gebiete gibt es einen Schulbus, während die Primarschüler bestimmter Quartiere von der Gemeinde ein ZVV-Abonnement bezahlt bekommen.

Auch Weiningen hat für ein abgelegenes Wohnaus einen Fahrdienst bewilligt, der die Kinder ins Schulhaus Schlüechti bringt. Nach 8 Uhr verstärkt sich der Verkehr an der Kreuzung Steinmürlistrasse/ Studackerstrasse. Es sind Eltern, die ihre Kinder in die Schule fahren und heute alle von Polizist Marco Koch auf Kindersitze, Sitzerhöhungen und Sitzgurte kontrolliert werden. «Solche Eltern-Taxis sind nicht förderlich, da Kinder dadurch kaum lernen, wie sie sich im Strassenverkehr verhalten müssen», sagt Wohlgemuth. Doch hätte die Sensibilisierung per Brief und Gespräche nur mässigen Erfolg.

Eltern bleiben hartnäckig

Mit dem Problem ist Dietikon nicht alleine. Auf Anfrage geben viele Schulgemeinden an, bei den meisten Eltern auf Granit zu stossen. Ein langer Schulweg, gefährliche Strassen oder Regenwetter sind oft genannte Argumente für Eltern-Taxis.

Dabei stellen die gut gemeinten Dienste durch die vielen Wendemanöver eine Gefahr für andere Kinder dar, wie der Birmensdorfer Primarschulpflegepräsident Ernst Brand sagt. Oberengstringen hat deshalb beim Schulhaus Rebberg Pfosten und Blumentröge installiert, um ein zu einfaches Parkieren zu verhindern, wie es auf Anfrage heisst. Eine Alternative würde das «Pedibus»-System bieten, das etwa das Schlieremer Schulhaus Zelgli und die Unterengstringer Kindergärten betreiben, aber auch privat organisiert werden kann. Dazu sammeln sich Kinder an einem vorbestimmten Treffpunkt, der «Pedibus-Station», um von einem Erwachsenen zur Schule begleitet zu werden. Es ist 8.20 Uhr. Die Dietiker Polizisten haben einen Fahrer wegen Missachtens des Fussgängervortritts und zwei wegen fehlenden Sitzerhöhungen gebüsst. Einer der Gebüssten wohnt nur einen kurzen Fussmarsch entfernt.

Wer ist für einen sicheren Schulweg verantwortlich?

- Die Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler auf dem Schulweg liegt gemäss kantonaler Volksschulverordnung bei den Eltern.

- Können Kinder den Schulweg aufgrund der Länge oder Gefährlichkeit nicht selbstständig zurücklegen, muss die Schulpflege auf eigene Kosten geeignete Massnahmen anordnen.

- Für den Entscheid, ob der konkrete Schulweg einem Kind zugemutet werden kann, sind die Eigenschaften des Schulwegs und der Entwicklungsstand des Kinds massgebend. (fdu)