Wenn die Hose ein Loch hat, das Spielzeug kaputt geht und der Drucker nicht mehr funktioniert, gibt es für viele Menschen nur eine Option: entsorgen und durch ein neues Produkt ersetzen. Dass sich viele kleinere Defekte relativ einfach beheben lassen, sei in unserer Gesellschaft vergessen gegangen, sagt Daria Schmocker: «Den Leuten ist oft nicht bewusst, dass man viele Dinge noch reparieren kann.» Um bei den Dietikern dieses Bewusstsein zu wecken, möchte die 21-jährige Praktikantin in der Dietiker Freizeitanlage Chrüzacher ein Repair Café aufbauen: Regelmässige Treffen – geplant ist jeden Monat eins – , bei dem Besucher defekte Produkte vorbeibringen und dort gemeinsam oder alleine reparieren können. Dabei werden sie von ehrenamtlichen Reparateuren unterstützt, Werkzeuge stehen kostenlos zur Verfügung, es gibt Kaffee und Kuchen.

Hilfe zur Selbsthilfe

Derzeit ist das Projekt in einer Phase, in der noch nicht ganz klar ist, ob es zustande kommt, wie Schmocker sagt. Denn die Idee dieser Werkstätten, von denen in der Schweiz in den letzten Jahren zahlreiche entstanden sind, steht und fällt mit den Mitarbeitern. Diese leisten «Hilfe zur Selbsthilfe» und zeigen den Besuchern, wie sie ihre Kleider, Möbel, Spielzeuge und Elektrogeräte flicken können. In dieser Hinsicht hat Schmocker im Gespräch bei vielen Leuten eine gewisse Hemmschwelle gespürt. Dabei ist eine professionelle Ausbildung gar nicht notwendig, um sich beim Repair Café zu engagieren, wie sie sagt. «Eine solche ist hilfreich, aber nicht Voraussetzung.» Vier Leute, darunter ausgebildete Handwerker, konnte die junge Frau bis jetzt für das Projekt gewinnen. Einige weitere hätten ihr Interesse bekundet. Ob diese dann aber tatsächlich mitmachen werden, sei die andere Frage, sagt Schmocker. «Sie opfern ja ihre freie Zeit für das Projekt.» Würden alle zusagen, seien die geplanten Reparaturbereiche aber «schon recht gut abgedeckt»: Möbel, Textilien, Elektrogeräte und ein «Allroundertisch» für diverse Reparaturen.

Konsumentenstiftung unterstützt

An einer Infoveranstaltung heute Abend stellt Schmocker das Projekt der Öffentlichkeit vor. Dabei will sie auch versuchen, den einen oder anderen Besucher von einer Mitarbeit am Projekt zu überzeugen.

Für dieses hat sich Schmocker auch Tipps von der Schweizerischen Konsumentenstiftung (SKS) geholt. Die Organisation hat die Bewegung der Repair Cafés «in der Schweiz ins Leben gerufen», wie sie auf ihrer Internetseite schreibt. Dort bietet die SKS auch eine Anleitung an, wie das Projekt Schritt für Schritt aufgebaut werden kann. Darüber hinaus unterstützt sie die Gründung von Cafés etwa bei der Gestaltung von Werbematerial, der Suche nach Freiwilligen oder der Pressearbeit. Laut SKS wächst die Flick-Kultur in der Schweiz rasant: 2014 hätten am jährlichen Vernetzungstreffen acht Reparatur-Initiativen teilgenommen, 2015 bereits 29. Die öffentlichen Werkstätten sind weltweit auf dem Vormarsch. So gibt es laut der internationalen Plattform repaircafé.org bereits 900 regelmässige Treffen in 22 Ländern. Ein rasantes Wachstum: Die erste Werkstatt unter dem Namen Repair Café wurde 2009 von der Holländerin Martine Postma in Amsterdam eröffnet.

Infoveranstaltung zum Repair Café: heute, 19 Uhr, in der Freizeitanlage Chrüzacher