Namhafte ehemalige und aktive Regionalpolitiker riefen gestern Abend den Verein «Limmattalbahn Nein» ins Leben. Als Präsident wählten die rund zwanzig Gründungsmitglieder den ehemaligen Dietiker FDP-Stadtrat Hugo Panzeri. Dieser formuliert die Ziele des Vereins klar und deutlich: «Wir sind gegen den Bau der Stadtbahn, weil wir denken, dass Elektrobusse die gleiche Leistung erbringen können.»

Weiter betont er, dass man nicht gegen den öffentlichen Verkehr per se sei. Ein modernes Elektrobusnetz könne jedoch mit einem Bruchteil der am Dienstag von Regierungsrat Ernst Stocker angekündigten Kosten von 755 Millionen Franken realisiert werden, wie Panzeri erklärt.

Auf der Mitgliederliste des neuen Vereins finden sich weitere bekannte Namen aus der Lokalpolitik. Nicht weniger als vier ehemalige Dietiker Stadträte sitzen im sechsköpfigen Vorstand. Dies sind neben Panzeri Reto Saxer (EVP), Turi Hess (SVP) und Marcel Achermann (SP). Der Vorstand wird komplettiert durch den ehemaligen Dietiker SVP-Gemeinderat Ralph Hofer und den aktuellen Schlieremer FDP-Gemeinderat Markus Weiersmüller.

Durch Leserbrief kam Anstoss

Die Idee zum Verein kam Panzeri im Februar, als er in der Limmattaler Zeitung einen Leserbrief Weiersmüllers gegen die geplante Stadtbahn entdeckte. «Nachdem ich mit ihm Kontakt aufgenommen hatte, lud er mich zu einer Vorstandsitzung seines Vereins ‹Limmattalbahn — so nicht!› ein», so Panzeri. Seither sei er aktiv auf ehemalige Politkollegen zugegangen und habe sie angefragt, ob sie auch aktiv gegen die Stadtbahn vorgehen möchten.

Obwohl der Regierungsrat und die Limmattalbahn AG bereits mehrere Informationsveranstaltungen durchführten, hält Panzeri die Informationen für lückenhaft. «Daher wollen wir mit Leserbriefen und Medienmitteilungen die breite Öffentlichkeit über diese Lücken informieren», so Panzeri.

Namentlich hält er die vom Kanton kommunizierte Finanzierung der Bahn für unrealistisch. So würden die jährlich wiederkehrenden Kosten für die Stadt Dietikon den Steuerfuss um zwei bis drei Prozent erhöhen. Auch verschweige die Limmattalbahn AG, dass mit dem Bau der Bahn die Ticketpreise steigen würden.

Weiter verweist Panzeri darauf, dass das Dietiker Stadtzentrum mit den geplanten Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr sehr unattraktiv würde. Auch mit Standaktionen und Flugblättern will der Verein die breite Bevölkerung informieren. In Zukunft schliesst Panzeri gar ein Referendum gegen die Limmattalbahn nicht aus.

Das Argument des Regierungsrats und der Limmattalbahn AG, dass mit dem Einsatz von Elektrobussen das prognostizierte Verkehrsaufkommen in der Region nicht bewältigt werden könne, und eine Stadtbahn die viel attraktivere Lösung sei, will der Verein nicht gelten lassen. «Die Prognosen für das Bevölkerungswachstum entbehren sämtlicher Grundlage. Wir glauben nicht, dass das Limmattal bis ins Jahr 2030 um 17 Prozent wächst», so Panzeri.

Der Kontakt mit Exponenten des Schlieremer Vereins «Limmattalbahn — so nicht!» ist eng. Dieser kämpft bereits seit mehreren Jahren gegen die Linienführung im Spitalquartier an. «Offiziell lehnt ‹Limmattalbahn — so nicht!› nur die Linienführung ab, aber viele Mitglieder haben sich auch uns angeschlossen, weil sie das gesamte Projekt nun zu Fall bringen möchten», so Panzeri weiter.

Auf die Frage, ob die Limmattalbahn wie vorgesehen im Jahr 2017 kommt, gibt sich Hugo Panzeri selbstsicher und antwortet mit deutlichem Nein. «An der Standaktion, die wir am Frühlingsmarkt durchgeführt haben, sprachen sich beispielsweise rund 90 Prozent der Passanten gegen die Stadtbahn aus.»