Nizza, Rouen, Ansbach oder Würzburg – wer die Nachrichten verfolgt, verbindet diese Städte zurzeit vor allem mit islamistischem Terrorismus und Attentaten. Seit Monaten dominieren derartige Gräueltaten die Medienberichterstattung. In öffentlichen Debatten wird immer wieder die Frage nach einem Zusammenhang zwischen Religion und Gewalt gestellt. Auch in den muslimischen und den christlichen Gotteshäusern in Dietikon und Schlieren wird diese Frage thematisiert. Dabei bleiben Muslime und Christen nicht nur unter sich, sondern pflegen einen gemeinsamen Dialog.

In seinen Gottesdiensten greift Pfarrer Kurt Vogt von der katholischen Kirchgemeinde Schlieren das aktuelle Tagesgeschehen auf. «Dabei beschäftigen wir uns mit der Frage, was das alles mit Religion zu tun hat», sagt er. Ziel der Auseinandersetzung sei ein Besinnen auf ein friedliches Miteinander. Bei verschiedenen Freizeitangeboten der katholischen Kirche machen auch muslimische Kinder und Jugendliche mit.

Vogt legt grossen Wert auf das Pflegen einer offenen Gesprächskultur und fördert den Austausch. «Je mehr man miteinander spricht, desto besser versteht man sich», sagt er. Durchs Leben könne man nur miteinander gehen und nicht nebeneinander. Die Intoleranz anderer Gruppen zu kritisieren, sei dabei nur die Hälfte des Weges. «Man muss bei sich selber anfangen», sagt Vogt. «Toleranz und gegenseitige Akzeptanz bilden das Fundament der christlichen Werte. Diese müssen auch gelebt werden.» Das verlange auch einen aktiven Widerstand gegen eine Wegschaukultur.

Die Türen sind für alle offen

Auf einen gegenseitigen Austausch mit den christlichen Gemeinden legt auch die Islamische Gemeinschaft in Dietikon grossen Wert. «Unsere Moschee macht bei der Dialoggruppe Christentum-Islam mit. Dieser Austausch ist uns sehr wichtig», sagt Cengiz Yükseldi, Präsident der Islamischen Gemeinschaft. Die Terrorakte in Europa sowie die gegenwärtige Situation in der Türkei und im Nahen Osten werden auch in der Moschee besprochen. Die Gewalt und die Morde, welche im Namen des Islams verübt werden, verurteilt die Islamische Gemeinschaft scharf. «Wir empfinden Abscheu darüber, was alles passiert», so Yükseldi.

Stossen neue Mitglieder zur Gemeinschaft, behalte man diese im Auge und informiere sich über Herkunft und Hintergründe. Die pauschalen Beschuldigungen jedoch, welchen sich Muslime derzeit aufgrund ihres Glaubens ausgesetzt sehen, werden in der Dietiker Moschee als bedrückend empfunden. «Wir sind eine offene Gemeinschaft und wir freuen uns darüber, wenn man uns kennenlernen will», so Yükseldi. Die Moschee könne man jederzeit besichtigen.
Auch die reformierte Kirchgemeinde in Dietikon besinnt sich auf ein Miteinander. «Unter diesem Dach sollen alle Platz haben», sagt Pfarrerin Willemien Lammers. Die Kirchgemeinde bestehe aus vielen Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen – alle sollen sich wohlfühlen. Das Tagesgeschehen werde thematisiert. «Was den Menschen bewegt, gehört auch in den Gottesdienst», sagt Lammers. Allerdings spricht sie sich gegen ein Predigen von politischen Statements aus. «Das ist ein absolutes Tabu», sagt sie.