Dietikon
Gefängnis-Insassen winken und kommunizieren mit der Aussenwelt

Vor dem Gefängnis Limmattal winken ganze Familien den inhaftierten Angehörigen zu - und umgekehrt. Die Gefängnisleitung unertnimmt angeblich alles, damit die Kontakte nicht stattfinden können.

Katja Landolt
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Das Gefängnis Limmattal in Dietikon

Das Gefängnis Limmattal in Dietikon

Limmattaler Zeitung

Unter der Woche, kurz nach Feierabend, auf dem Fussweg entlang der Weiningerstrasse in Dietikon, gegenüber dem Gefängnis Limmattal: Ein Mann steht da, guckt sich um. Dann blickt er die Gefängnisfassade hoch, zu einem der vergitterten Fenster, irgendwo auf einer der vier Etagen. Er winkt jemandem zu, gestikuliert. Dann wieder ein schneller Blick nach links und rechts, ob wohl jemand etwas bemerkt hat?

Szenen wie diese spielen sich vor dem Gefängnis derzeit fast täglich ab. Manchmal sind es Einzelpersonen, manchmal kleinere Gruppen, manchmal gar Frauen mit Kindern. Verwandte und Bekannte, die ihren inhaftierten Angehörigen zuwinken.

Sichtkontakt unterbinden

Gefängnisleiter Ernst Egger ist sich der Kommunikationsform vor seinen Toren bewusst: «Wir unternehmen alles, dass diese Kontakte nicht stattfinden können», sagt er. Doch so einfach ist das nicht: Unterbinden kann man den Kontakt nur, indem die Rollläden runtergelassen werden – was wiederum bedeutet, dass die Insassen kein Tageslicht haben. «Das Hauptproblem ist, dass die Zellen zur Strasse hinaus liegen. Aber das ist ein bauliches Problem, das ich nicht ändern kann», sagt Egger.

Die Lage der Zellen mache die Insassen erfinderisch, sagt Egger. Im Rahmen der Inbetriebnahme mussten die Fenster mit Feingitter versehen werden, weil die Insassen mit Zigarettenhülsen, Stöckchen und Fäden kleine Angelruten gebastelt hatten und damit durch den Maschendraht Zettelchen rauf- und runtergelassen haben. Jetzt sind die Insassen aufs Gestikulieren und Rufen ausgewichen. Die Fassade ist zwar verglast, über die Lüftungsschlitze aber verstünden sich die Leute trotzdem, wenn auch nicht sehr gut, wie Egger sagt.

Verlegung als Strafe

Weshalb sich die Verwandten und Bekannten lieber von der Strasse aus ihre Angehörigen kontaktieren, als sich an die Besuchszeiten zu halten, ist für Egger klar: «Wer einen Insassen besuchen will, muss diesen Besuch erst von der Staatsanwaltschaft oder der Jugendstaatsanwaltschaft bewilligen lassen.»

«Wir haben das Areal direkt vor dem Gebäude im Blick; stehen die Personen aber auf dem Fussweg, sind uns die Hände gebunden», sagt Egger. Schliesslich stehen die Personen auf öffentlichem Grund. Falle ihnen eine verdächtige Person auf, werde aber jeweils die Polizei aufgeboten.

Anders sieht die Situation hinter den Gefängnismauern aus: Oftmals könne zwar nicht eruiert werden, zu welchem der Insassen die Personen auf der Strasse Kontakt haben. Wird ein Insasse aber beim Gestikulieren oder Rufen erwischt, wird er angehört, diszipliniert und/oder in ein anderes Gefängnis verlegt.