Ausbruch
Gefängnis-Fluchthelferin kündigte ihre erste Stelle in Zürcher Gefängnis

Wegen «persönlicher Differenzen» hat die Gefängnis-Wärterin Angela Magdici, die gemeinsam mit einem Häftling aus der Anstalt Limmattal türmte, bereits ihren früheren Job gekündigt. Und: Bevor sich das Paar absetzte, benutze Magdici noch ihre Kreditkarte in der Schweiz.

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Gefängnis-Wärterin Angela Magdici.

Gefängnis-Wärterin Angela Magdici.

zvg

Die flüchtige Gefängnisaufseherin Angela Magdici hat keinen Job mehr: Das Zürcher Amt für Justizvollzug hat sie noch am Dienstag fristlos entlassen, wie Sprecherin Rebecca de Silva gegenüber der «SonntagsZeitung» sagt.

Die 32-jährige hatte in der Nacht von Montag auf Dienstag den Vergewaltiger Hassan Kiko, 27, aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon ZH befreit. Bevor die beiden sich am Dienstag mit einem schwarzen BMW X1 nach Italien absetzten, hatten sie offenbar noch Zeit zum Shoppen: Gemäss Recherchen der SonntagsZeitung bezahlte die Aufseherin noch in der Schweiz mit ihrer Kreditkarte.

Als sie die Stelle im Gefängnis Limmattal im Mai 2015 antrat, hatte sie beim Amt bereits einmal gekündigt: Ab November 2013 arbeitete sie im Gefängnis Dielsdorf und reichte im April 2015 die Kündigung ein. Hintergrund seien «persönliche Differenzen» gewesen, so de Silva. Gegen Magdici habe aber «nichts Negatives» vorgelegen, sonst hätte man sie nicht im Gefängnis Limmattal angestellt.

Den Grundkurs des Schweizerischen Ausbildungszentrums für das Strafvollzugspersonal hat Magdici bis heute nicht absolviert.

In der Fluchtnacht waren nur zwei Aufseher im Gefängnis – einer davon schlief. Laut Strafvollzugseperte Benjamin Brägger reicht das nicht aus. «Ideal wäre, wenn drei Personen anwesend sind. Zwei Mitarbeiter braucht es aus Sicherheitsgründen, wenn man eine Zelle öffnen muss. Ein dritter Mitarbeiter müsste permanent in der Zentrale sein und alles technisch überwachen.»

Diese Zentrale müsse hermetisch abgeriegelt sein, damit niemand den Raum betreten könne. Für kleinere Gefängnisse sei es aus Kostengründen schwierig, Nachts genügend Personal zu haben. «Die Anstalten müssen mittelfristig grösser werden», fordert Brägger. Dazu müsse man kleine Haftanstalten zusammenlegen. «Es gibt in der Schweiz zu viele kleine Gefängnisse.

Um eine Anstalt professionell zu organisieren, sollte sie nicht weniger als 100 Insassen haben», sagt Brägger.

Handlungsbedarf gebe es auch bei den Sicherheitsvorgaben. Bisher würden einheitliche Standards für die Schweizer Untersuchungsgefängnisse fehlen. Jetzt wird die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) aktiv. Sie hat eine Arbeitsgruppe beauftragt, einheitliche Vorgaben zu erarbeiten. «Der Konzeptentwurf wird im Herbst vorliegen», sagt Brägger, Mitglied der Arbeitsgruppe. Vorgesehen sind unter anderem «einheitliche Sicherheitsstandards, zum Beispiel bei den baulichen Massnahmen und für das Personal», sagt Brägger.

Geplant ist auch ein Schweizerisches Kompetenzzentrum für Justizvollzug. Ein entsprechendes Konzept ging bereits durch die Vernehmlassung. «Es wird derzeit überarbeitet und wird an der Frühjahrsversammlung vom 14. April dem Plenum zur Genehmigung vorgelegt», bestätigt Florian Düblin, stellvertretender Generalsekretär der KKJPD.

Für den neuen Know-How-Pool soll das bestehende Ausbildungszentrum für Strafvollzugspersonal in Freiburg ausgebaut werden. Zu den Schwerpunkten gehören neben Fragen der Personalausbildung auch Guidelines im Umgang mit gefährlichen Tätern. Vorgesehen ist zudem ein Think Tank für Forschung und Entwicklung.