Seit einigen Tagen machen Werbeschreiben pro Leimgrübler die Runde im Bezirk. Darin heisst es: «Ich stehe voll und ganz hinter seiner Kandidatur und bitte daher darum, Adrian Leimgrübler auf den Wahlzettel zu schreiben.» Beigefügt ist eine Aufstellung mit der Überschrift «Wie es dazu kam (ein beispielloser Fall von Mobbing)». Darauf aufgelistet sind die Daten der Justiz-Causa Leimgrübler, mit Hinweis auf anonyme Briefe («Hab acht, Adrian, X und Y planen eine Aktion gegen dich») über dessen fristlose Entlassung bis zur von der Staatsanwaltschaft angeblich in Aussicht gestellten Einstellung des Strafverfahrens gegen Leimgrübler.

Als Absender des zweiseitigen Schreibens ist ein Roland R. Kolb mit vollständiger Adresse angegeben, unterzeichnet mit einer unleserlichen Unterschrift. Nur: Roland Kolb ist nicht der Absender. Zwar findet sich der in Widen wohnende Kolb auf der Unterstützerliste Leimgrüblers. Bis zum Wochenende lautete der Eintrag «Roland Kolb, ehemaliger Direktor Galenica AG, Dietikon». Und es ist auch korrekt, dass Kolb hinter dem Kandidaten Leimgrübler steht. Aber auf das Schreiben angesprochen sagt er, ohne zu zögern: «Nein, das stammt nicht von mir. Das ist eine Fälschung.» Er habe einen sehr starken Verdacht, wer der Urheber dieser «Schandtat» sein könnte. Dieser finde es «amüsant, Personen in seinem näheren Umfeld mit Schriftstücken zu desavouieren». Als Verursacher käme keine andere Person infrage, so Kolb.

Warum sollte Kolb jetzt leugnen?

Der Limmattaler Zeitung hat Kolb den Namen der von ihm verdächtigten Person genannt. Auf Nachfrage bestreitet dieser nachdrücklich. Er sei nicht der Autor und habe auch das Schreiben im Briefkasten gehabt, es aber weggeworfen. Er sei überzeugt, dass Kolb der Autor und Versender sei. Eine Antwort auf die Frage, warum Kolb ein Schreiben unter seiner vollen
Adresse erst verschicken und das eine Woche später leugnen sollte, zumal er nach wie vor Leimgrübler-Unterstützer ist, bleibt der von Kolb Verdächtigte schuldig.

Spricht man Adrian Leimgrübler auf den Vorgang an, sagt er, er habe dieses Schreiben nie zu Gesicht bekommen. Es habe aber eine Briefaktion, organisiert von SVP-Nationalrat Hans Egloff und Rechtsanwalt Ernst Bösiger, gegeben, mit der Bitte an die Komiteemitglieder, briefliche Wahlaufrufe zu versenden. Und er ergänzt, ohne dass jemand diesen Vorwurf geäussert hätte: «Ich habe es nicht nötig, unter dem Namen eines der mehr als dreihundert Komiteemitglieder Briefe mit gefälschter Unterschrift zu versenden.»

Unterstützer wusste von nichts

Fragen wirft allerdings auch der bei Kolb bis vor kurzem genannte Ort auf: Dietikon. Kolb wohnt nicht in Dietikon, und auch die genannte Firma Galenica hat ihren Sitz nicht dort. Leimgrübler erklärt, dass es sich bei den genannten Orten auf der Liste nicht immer um den Wohnort handle. «Herr Hunziker beispielsweise hat seine Firma in Dietikon und wohnt woanders. Er ist den Leuten aber ein Begriff von der Firma her und sie wissen, dass diese in Dietikon steht. Daher ist es auf diese Weise möglich, den Bezug zur Person herzustellen.» Von Kolb habe man die TCS-Postfachadresse in Dietikon auf die Liste genommen. Zwischenzeitlich habe sich Kolb aber gemeldet und gewünscht, dass diese Funktion herausgenommen werden solle. Richtig ist, dass Kolb schon seit einigen Monaten nicht mehr Präsident der TCS Gruppe Limmattal ist.

Noch ein weiteres Mal musste Leimgrübler am Wochenende über die Bücher, was seine Unterstützerliste anbelangt. Bis zum Freitag fand sich noch Beat Zobrist als «Unternehmer, McDonald’s Schlieren, Wohlen» darauf. Nur wusste Zobrist gar nichts davon. Bei der Nachfrage am Freitag musste man ihm erst erklären, wer Leimgrübler ist, und um welche Wahl es geht. «Ich engagiere mich politisch gar nicht und verhalte mich stets neutral», sagte er auch mit Verweis auf das Unternehmen McDonald’s, dessen Lizenznehmer er ist. Auf jeden Fall werde er gegen die Nennung vorgehen.

Die Medienstelle von McDonald’s Schweiz bestätigt Zobrist. Er sei nicht Mitglied einer politischen Partei und unterstütze keinen Kandidaten der Statthalterwahlen in Dietikon. Zobrist habe sich am Freitag umgehend beim Kernkomitee von Leimgrübler gemeldet und verlangt, dass er sofort von der Liste gestrichen wird. «Sein Name wurde ohne sein Wissen dort aufgeführt. Er wurde umgehend gelöscht», so McDonald’s.

Lenherr setzte Zobrist auf die Liste

Inzwischen gab Leimgrübler bekannt, dass sein Wahlkampfleiter Neue Medien Stefano Lenherr Zobrist auf die Unterstützer-Liste gesetzt hat: «Herr Lenherr hat mir bestätigt, dass Herr Zobrist seine Zusage gegeben hat.» Der 24-jährige Schlieremer, der als seine Berufe Unternehmer, Sänger, Entertainer, Tänzer, Songwriter und Politiker angibt, hat in der fraglichen McDonald’s-Filiale gearbeitet. Zobrist erinnert sich: «Herr Lenherr war als Lehrling eingestellt, hat die Lehre aber abgebrochen.» Er sei bekannt gewesen für seine Alleingänge. Kandidat Leimgrübler hat eine andere Sicht auf die Dinge. Zobrist trete nur aufgrund der Nachfragen aus dem Komitee aus, da er von McDonald's Schweiz «zurückgepfiffen» worden sei. «Dass er sich offensichtlich die Bewilligung zuvor nicht eingeholt hat, liegt in seiner Verantwortung.»