Unterengstringen
Gedenken an die Schlacht: Zum letzten Mal war René Rey als Gemeindepräsident dabei

Bei der Unterengstringer Russenlinde fand am Montagvormittag die Feier zum Gedenken an die 1799 gefallenen Russen statt. Frankreich landete damals von Dietikon her einen Überraschungsangriff. Gemeindepräsident René Rey erinnerte auch an das Leid der damaligen Zivilbevölkerung.

David Egger
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Kranzniederlegung Russenlinde 25. September 2017
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Die beiden Unterengstringer Ehrenbürger und alt Gemeindepräsidenten Jakob Meier und Willy Haderer haben beide den Rang eines Oberst im russischen Kosaken-Heer. Meier ist Eigentümer des Landstücks, auf dem heute die Russenlinde mit dem Denkmal steht.
Der Kranz wird niedergelegt. Links im Bild Oberstleutnant Roman Staroverov, Stellvertretender Militärattaché Russlands.
Nach der Kranzniederlegung: Links der russische Botschaftsrat Sergey Lysikov und rechts der Gemeindepräsident René Rey (FDP).
Nach der Kranzniederlegung hielten Kopelan Mark vom Zentralen Kosaken-Heer (links) und Pater Michail von der russisch-orthodoxen Kirche in Zürich eine Zeremonie.
Rund um die Russenlinde waren auch die Flaggen von Russland, Unterengstringen, Zürich, der Schweiz und des Kosaken-Heers gehisst.
Am 25. September 1799 war es, als der französische General Masséna bei Dietikon die Limmat überquerte und dann erfolgreich die in Unterengstringen stationierten Russen bekämpfte, welche unter dem Befehl General Korsakovs standen.
Die Gedenkstätte wurde im September 2004 eröffnet. Sie bedeutet den Kosaken viel.
René Rey (FDP) bei seiner letzten Rede als Gemeindepräsident bei der Gedenkfeier beim Russendenkmal. Rey hielt ein kurzes Plädoyer für den Frieden, für die Freundschaft zwischen Russland und der Schweiz und erinnerte an das Leid der Zivilbevölkerung während der Kriegsjahre. Seine Rede wurde vom Übersetzer (rechts) auf Russisch übersetzt.
Auch der russische Botschafsrat Sergey Lysikov hielt eine Rede.
Jakob Meier setzte danach zu einem seiner traditionellen Referate über die damalige Kriegstechnik an.
Hier zeigt Meier eine Kanonenkugel aus der damaligen Zeit.
In solchen Pulverhörnern bewahrten die Soldaten ihr Schwarzpulver auf. Die Pulverhörner waren jeweils mit vielerlei Symbolen verziert.
Hier zeigt Meier ein Gewehr aus der damaligen Zeit. Russen und Franzosen hatten damals die gleichen Gewehre.
Ein ganz spezielles Stück ist dieser Pulverprüfer, mit dem man die Qualität des Schwarzpulvers messen konnte. Er stammt von einem Russen, der sich auf den Sparrenberg retten konnte.
Hier zündet Meier eine Zündschnur. Mit der Länge der Zündschnur konnte man bestimmen, wann die Granate nach Abschuss mit der Haubitze explodiert, zum Beispiel schon in der Luft oder erst am Ziel.
Für den Apéro danach beehrten die Russen die Gäste an der Feier in Unterengstringen auch mit bestem Vodka. Aber auch traditioneller Chreisgmeinds-Wy wurde ausgeschenkt.
Auch nächstes Jahr wird die Gedenkfeier beim Unterengstringer Russendenkmal voraussichtlich wieder stattfinden – dann mit einem neuen Unterengstringer Gemeindepräsident.

Kranzniederlegung Russenlinde 25. September 2017

David Egger

«Das Gedenken ist wichtig an eine gar nicht so lange zurückliegende Zeit. Wir hoffen, dass dieser Frieden für alle Zeiten so bleiben wird», sagte der Unterengstringer Gemeindepräsident René Rey (FDP) am Montagvormittag bei der 13. Gedenkfeier zu Ehren der Russen, die am 25. September 1799 in Unterengstringen gefallen sind. Rey erinnerte auch an das Leid, das die Zivilbevölkerung durchmachte, als mitten im Limmattal Weltgeschichte geschrieben wurde. Schliesslich mussten die Limmattaler zu Tausenden Fronarbeit für die Franzosen leisten, sie einquartieren und ernähren. Rey war zum letzten Mal als Gemeindepräsident an der Feier mit dabei – 2018 bei den Gesamterneuerungswahlen tritt er nicht mehr an.

«Das Treffen widerspiegelt auch die Freundschaft zwischen Russland und der Schweiz. Und das soll auch so bleiben», fuhr Rey fort. Zur Feier waren neben einer Delegation der Gemeinde Unterengstringen auch eine Delegation des Zentralen Kosaken-Heers Russlands, eine Delegation der russischen Botschaft, eine der russisch-orthodoxen Kirche und eine des nahen Klosters Fahr erschienen (siehe Bildergalerie oben). Neben Rey hielt auch der russische Botschaftsrat Sergey Lysikov eine Rede. Mit zwei Mann ebenfalls vor Ort war die Kommunalpolizei rechtes Limmattal, die um die nötige Sicherheit und das Parkplatz-Einweisen besorgt war.

Wie das Denkmal entstanden ist

Das Denkmal zum Gedenken an die gefallenen Russen gibt es seit 2004. Es entstand, nachdem die Kosakenvereinigung etwa 2002 die Stadt Dietikon anfragte, ob man nicht ein Denkmal errichten könne. Da die Schlacht nicht auf Dietiker Gebiet ausgetragen wurde, setzte die Stadt die Gemeinde Unterengstringen über die Anfrage in Kenntnis, woraufhin die Errichtung des Denkmals in Rollen kam.

Die Russen in Unterengstringen, die Franzosen in Dietikon

Auch Dietikon spielte damals eine wichtige Rolle. Von dort setzten die Franzosen über die Limmat und starteten ihren grossen Überraschungsangriff, während sie an verschiedenen anderen Orten Ablenkungsmanöver am laufen hatten. Noch heute erinnert ein Gedenkstein an diesen französischen Brückenschlag unter General Masséna. Und die Stadt Dietikon ist im Arc de Triomphe in Paris verewigt. In den Geschichtsbüchern ist die grosse Schlacht in Unterengstringen jeweils im Kapitel Zweite Schlacht um Zürich zu finden. Sie war Teil des zweiten Koalitionskriegs.