Oberengstringen
Gebührend soll das Jubiläum gefeiert werden – nur wie?

Die Gemeinde wendete sich an ihr Volk. Es waren Ideen für das 1150-Jahr Jubiläum gefragt, doch es kamen nur wenige Antworten – so feierten die Nachbarn.

Nora Güdemann
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Bei der 750-Jahr-Feier in Geroldswil im Jahr 2005 war das Festzelt gut gefüllt. 2020 wird nun die Gemeinde Oberengstringen in ähnlich grosser Feierlaune sein. Die Planung läuft.

Bei der 750-Jahr-Feier in Geroldswil im Jahr 2005 war das Festzelt gut gefüllt. 2020 wird nun die Gemeinde Oberengstringen in ähnlich grosser Feierlaune sein. Die Planung läuft.

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Im nächsten Jahr wird die Gemeinde Oberengstringen 1150 Jahre alt. Das ist ein Grund zu feiern, dachte sich der Gemeinderat und lancierte einen Wettbewerb. Bürgerinnen und Bürger sollten ihre kreativsten Ideen zum Feiern des Jubiläums an die Gemeinde schicken. Werden die Ideen umgesetzt, lockt ein Überraschungsgeschenk. Die Wettbewerbsfrist lief am 30. November letzten Jahres ab. Steht nun bereits fest, wie die Oberengstringer Jubiläums-Party aussehen wird?

Laut Gemeindepräsident André Bender gingen nur vier Meldungen ein. «Das war weniger als erwartet», sagt er. Trotzdem seien zwei bis drei Vorschläge darunter, die tatsächlich umgesetzt werden könnten. Genauer äussern will sich Bender noch nicht; man stecke noch früh in der Planungsphase.

Um die Organisation des Jubiläums wird sich eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Gemeindeverwaltung, der Kulturkommission und der Kommission Dorfplatzbelebung, kümmern. Wer genau Teil des Komitees wird, wird noch entschieden.

Auch wenn die Ideen aus dem Volk eher rar ausfielen – der Gemeindepräsident selbst hat auch ein paar Vorschläge. «Vielleicht könnten wir ein Seifenkistenrennen machen oder ein grosses Volksfest im Sommer veranstalten.»

Abschauen bei anderen Dörfern

Sollten diese Ideen aber nicht ausreichen, lohnt sich womöglich ein inspirierender Blick auf andere Limmattaler Gemeinden. Aesch feierte 2012 seinen 888. Geburtstag. Ganze zwei Jahre wendete das Organisationskomitee für die Planung auf. Das Resultat waren Festivitäten während mehrerer Tage, dazu ein Video über Aesch, ein Jubiläumsmarkt und mehrere Konzerte. Die Aescher Geburtstagsfeier zog auch Gäste aus anderen Gemeinden an.

In Geroldswil war 2005 eine grosse Party angesagt. Die Gemeinde feierte ihr 750-jähriges Bestehen. Während dem ganzen Jahr war das Dorf mit Fahnen geschmückt und es fanden immer wieder Feste statt – zum Beispiel in Form eines realistischen Rittermahls. Und beim 1150-Jahr-Jubiläum in Oetwil feierte das Dorf im Sommer eine Woche lang nonstop.

In Dietikon ging 1989 das «grösste Fest der Geschichte» über die Bühne, als der 900. Geburtstag der Stadt gefeiert wurde. Die Dietiker liessen es an zwei Wochenenden mit Feuerwerk und extra gesperrten Strassen krachen. Es soll eine «Grosstadtatmosphäre wie in Paris oder London» geherrscht haben.

Feiern mit Unterengstringen?

Der Oberengstringer Gemeindepräsident André Bender hat aber noch einen weiteren Plan für die Jubiläumsfeier in petto. Da Oberengstringen erstmals vor 1150 Jahren – zusammen mit Unterengstringen und Weiningen (Winingon) – namentlich erwähnt wurde, kann sich Bender auch vorstellen, mit Unterengstringen zusammen ein Fest zu feiern. Er habe bereits eine Anfrage an seinen Amtskollegen aus dem Nachbarsdorf gestellt.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Gemeinden zusammen feiern. 1970 zelebrierten Oberengstringen, Unterengstringen und Weiningen ihr 1100 Jahr-Jubiläum – allerdings weniger pompös als beispielsweise Dietikon. So steht in der Weininger Chronik: «Bei der schlichten Feier im Lindensaal hiess Gemeindepräsident Jakob Hintermann die Behörden und Delegationen von Kanton, Stadt Zürich und umliegenden Gemeinden willkommen.»

Und zur Auflockerung des Events gab es noch eine Ausstellung in der Turnhalle und eine Jubiläumsschrift.

Vom Bauerndorf zum städtischen Vorort

In einer Schenkungsurkunde aus dem Jahr 870 taucht der Name «Enstelingen» zum ersten Mal auf. Damals wurde noch nicht zwischen Ober- und Unterengstringen unterschieden. Die Trennung erfolgte im Hochmittelalter. Als die Besitzer des Oberengstringer Gemeindegebiets verarmten, ging ihr Teil an die Klöster Fahr und Wettingen über.

1680 bekam Oberengstringen sein erstes Schulhaus und Familien der Geschlechter Vogelsang, Stelzer, Rychiner, Müller, Dietschi, Hollenweger, Zehnder und Käuffeler waren ortsansässig.

1798 während der Französischen Revolution pflanzten die Oberengstringer einen Freiheitsbaum auf dem Dorfplatz. Auch die Industrie hielt Einzug in der Gemeinde – eine Baumwollfabrik schaffte fortan 60 Arbeitsplätze. Mit der Arbeit wuchs auch die Bevölkerung auf 400 Personen.

1831 boomte in Oberengstringen das Schulwesen, Kinder von Höngg bis Oetwil gingen in der Gemeinde zur Schule.

Im 20. Jahrhundert folgte ein Bevölkerungszuwachs, Oberengstringen brach in den 1950er Jahren gar den Schweizer Wachstumsrekord. Heute ist aus dem einst bäuerlichen Dorf eine moderne Agglomerationsgemeinde geworden. Sinnbildlich dafür steht das in den 1970er-Jahren entstandene Dorfzentrum. (ngü)