Schlieren

Gaswerkareal: Der Kanton hält an seinen Kreuzungsplänen fest

Der Kanton plant hier eine dritte Fahrspur.

Der Kanton plant hier eine dritte Fahrspur.

Die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission hat zwar Bedenken, doch der Regierungsrat will die Gasometerkreuzung in Schlieren ausbauen. Denn das Interesse am Ausbau überwiege «das Interesse am ungeschmälerten Erhalt des Gaswerkareals».

Die Kreuzung Bernstrasse/Gasometerstrasse in Schlieren soll für 8,4 Millionen Franken ausgebaut werden. Der Zürcher Regierungsrat hatte das Projekt bereits 2018 ein erstes Mal festgesetzt. Auf eine Beschwerde hin wurde es aber vom Verwaltungsgericht aufgehoben; das Gericht wies das Geschäft zur weiteren Sachverhaltsabklärung und zum Neuentscheid zurück.

Der Regierungsrat hat die geforderten Abklärungen zwischenzeitlich vorgenommen, wie er am Donnerstag mitteilte. Geändert hat sich dadurch aber nichts: Es sei nun das «unveränderte Projekt nochmals festgesetzt» worden, heisst es im Communiqué.

Der Kanton sieht unter anderem vor, dass der Knoten Bernstrasse und Gasometerstrasse ausgebaut, in Fahrtrichtung Stadt Zürich eine zusätzliche Geradeausspur erstellt und die Bushaltestellen Industrie Gaswerk behindertengerecht ausgestaltet werden. Der Ausbau erfolgt in Zusammenhang mit dem Bau der Limmattalbahn, die auf der anderen Seite der Bahngleise durch Schlieren führt. Dort, im Stadtzentrum von Schlieren, soll der Durchgangsverkehr minimiert werden. Die Autos und Lastwagen sollen nun eben auf die weiter nördlich gelegene Bernstrasse verlagert werden. Der Ausbau des Knotens beim Gaswerk ist dabei ein Puzzleteil. «Der Ausbau des Knotens stellt eine von mehreren erforderlichen flankierenden Massnahmen auf der Route Bernstrasse und Überlandstrasse in Schlieren und Dietikon dar, um für die Limmattalbahn einen störungsfreien Verkehrsbetrieb und die erforderlicher Entlastung der Zürcher- und Badenerstrasse sowie der Ortszentren zu gewährleisten», so der Regierungsrat.

Im Widerspruch zu den Zielen des Bundesinventars

Im Projektbereich liegt das Schlieremer Gaswerkareal. Dieses ist im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung aufgeführt und auch im kantonalen Inventar von Schutzobjekten überkommunaler Bedeutung enthalten. Die kantonale Natur- und Heimatschutzkommission (NHK) hatte deshalb nach einem Augenschein Vorbehalte gegen das Strassenbauprojekt angebracht.

Die NHK beantragte insbesondere, dass beim Ausbau der Bernstrasse «die Gesamtwirkung des Ensembles des Gaswerkareals in den Vordergrund zu stellen» sei und sich die Verkehrsflächen unterordnen sollten. Das vorliegende Strassenprojekt steht gemäss NHK im Widerspruch zu den Zielen des Bundesinventars: Die Verbreiterung des Strassenraumes, die Verkleinerung der Gehwegflächen und die Gefährdung der Baumreihen würden «wesentliche Bereiche des schützenswerten Ortsbildes verunklären».

Die Kommission beantragte deshalb unter anderem, dass das Strassenbauprojekt redimensioniert werde. Dies wäre etwa möglich, wenn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt oder der Lastwagenverkehr anders geführt würde.

Der Regierungsrat lehnt diese Anträge ab. «Eine leistungsfähige Route für den Individualverkehr muss zwingend sichergestellt werden», begründet er in seinem Beschluss. Das übergeordnete Verkehrskonzept ergebe sich aus der Linienführung der Limmattalbahn in Schlieren und Dietikon. «Durch die Trasseebeanspruchung der Limmattalbahn müssen für den öffentlichen Verkehr und motorisierten Individualverkehr auf den gewählten Parallelachsen Kapazitäten mit zweckmässigen baulichen- und verkehrstechnischen Mitteln geschaffen werden.» Nur so lasse sich ein funktionierendes Strassennetz mit ausreichenden Kapazitäten auch in Spitzenstunden aufrechterhalten.

Die Bernstrasse sei zudem als Ausnahmetransportroute I definiert. Eine Umfahrung dieser Route sei nicht mit vertretbaren Mitteln zu erreichen. «Eine Einschränkung des Lastwagenverkehrs ist aus diesem Grund nicht möglich.»

Regierungsrat spricht von schonendem Ausbau

Der notwendige Ausbau werde mit dem vorliegenden Projekt «für das Gaswerkareal in Schlieren in der schonendsten Form» vorgenommen, schreibt der Regierungsrat. «Gesamthaft betrachtet überwiegt das Interesse, den bestehenden Knoten gemäss dem vorliegenden Projekt auszubauen, das Interesse am ungeschmälerten Erhalt des Gaswerkareals.»

Innerhalb der ersten Auflagefrist waren verschiedene Einsprachen von betroffenen Anwohnern eingegangen. Die letzten hängigen Einsprachen hat der Regierungsrat nun mit seiner neuerlichen Festsetzung des unveränderten Projekts abgewiesen. Gemäss aktuellem Zeitplan ist der Baustart für Frühling 2022 vorgesehen. Die Bauarbeiten dauern rund 15 Monate. Noch gilt es aber abzuwarten; gegen den regierungsrätlichen Beschluss kann noch Beschwerde am Verwaltungsgericht eingelegt werden. Dieses hatten zwei Grundeigentümer bereits einmal angerufen.

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