Schlieren/Dietikon
Gaspreise werden künstlich tief gehalten

Die Unruhen in der arabischen Welt und in Japan lassen die Erdgaspreise auf dem Weltmarkt explodieren. Auch in der Schweiz bekommen die Konsumenten die Aufschläge zu spüren. Die städtische Gasversorgungen im Limmattal trotzen aber dem Preisanstieg.

Nicole Emmenegger
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Limmattaler Zeitung

Die St.Galler Stadtwerke kündigten letzte Woche eine Tariferhöhung um 20 Prozent per Anfang Juni an. Auch Erdgas Zürich wird im Juli die Erdgaspreise nach oben anpassen – um wie viel ist laut einem Bericht der Zeitung «Blick» noch offen.

Im Limmattal präsentiert sich die Lage entspannter: Die städtischen Gasversorgungen von Schlieren und Dietikon halten die Preise voraussichtlich den Sommer hindurch stabil – obwohl sie als Mitglieder des Zusammenschlusses Erdgas Regio AG ihr Gas von Erdgas Zürich beziehen. «Wir werden unsere Tarife per 1. Juli überprüfen. Aber es müsste viel passieren, damit wir die Preise erhöhen», sagt Arthur Huber, Leiter der Werkabteilung der Stadt Dietikon. «Die Kunden sehen es nicht gerne, wenn die Preise stark schwanken», so Huber.

Man verfolge die Strategie, kurzfristige Preisveränderungen abzufedern und nicht direkt an die rund 1000 Kunden der Dietiker Gasversorgung weiterzugeben. Die entstehenden Verluste sollen durch Rückstellungen aus besseren Zeiten gedeckt werden. «Im Sommer wird weniger Gas fürs Heizen verbraucht – da können wir es uns leisten, den Preis eine gewisse Zeit lang tief zu halten», sagt Huber.

Gasversorgungen nutzen Reserven

Der Leiter der Werkabteilung hofft, dass es sich bei der aktuellen Preisexplosion um ein kurzfristiges Phänomen handelt: «Falls Gaddafi in den nächsten Monaten abgesetzt wird und sich die Lage in Libyen beruhigt, könnten die Gaspreise auf dem Weltmarkt wieder sinken. Dann müssten wir die Tarife im Herbst nicht erhöhen.»

Arthur Huber, Leiter Werkabteilung von Dietikon

Arthur Huber, Leiter Werkabteilung von Dietikon

Limmattaler Zeitung

Würden die Preise hingegen über längere Zeit auf hohem Niveau verharren oder sogar noch weiter steigen, komme auch die Gasversorgung von Dietikon nicht um eine Tarifanpassung herum. «Wir haben die Vorgabe, eigenwirtschaftlich zu sein. Deshalb müssen wir den Marktpreis abbilden», sagt Huber.

In Schlieren verfolgt die städtische Gasversorgung die gleiche Strategie wie in der Nachbargemeinde: Ein Spezialfinanzierungskonto mit Rückstellungen erlaubt es, über mehrere Monate hinweg einen Tarif unter dem Marktpreis anzubieten. «Unseren Kunden steht es zu, ihr Gas kurzfristig unter Preis zu beziehen.

Sie finanzieren mit ihren Gebühren das Spezialfinanzierungskonto, das für solche Fälle eingerichtet ist», sagt Roger Gerber, Leiter Abteilung Werke, Versorgung und Anlagen der Stadt Schlieren.

Dauert der Preisanstieg hingegen weiter an, muss laut Gerber auch die Stadt Schlieren den Anstieg per Winterhalbjahr 2011/2012 auf die Kunden abwälzen: «Erdgas könnte für sie dann um 10 bis 12 Prozent teurer werden.»

Kein langfristiger Anstieg erwartet

Gerber hält eine solche Entwicklung allerdings für wenig wahrscheinlich. Erdgasreserven seien genügend vorhanden – die aktuelle Preisexplosion lasse sich primär damit erklären, dass grosse Energiekonzerne die Verunsicherung aufgrund der japanischen AKW-Katastrophe und der arabischen Revolutionen ausnutzen würden. «Wir glauben nicht, dass es zu einem langfristigen Preisanstieg kommt», so Gerber. Er befürchte daher auch keine Abkehr der Kunden vom Energieträger Gas: «Die Schlieremer Gasversorgung bietet attraktive Preise. Wir bleiben konkurrenzfähig, auch wenn der Gaspreis kurzfristig ansteigen sollte.»