Schlieren
Gardi Hutter: Seit 31 Jahren wortlos erfolgreich

Komikerin Gardi Hutter unterhielt das Publikum im Salmensaal mit Nadel, Schere und Faden. Die Meisterin der wortlosen Comedy weiss ihr Publikum auch nach 31 Jahren auf der Bühne zu begeistern.

Daniel Andrés Egli
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Gardi Hutter im Salmensaal: «Ich bin stolz, dass nach 31 Bühnenjahren noch immer so viele Leute kommen.»

Gardi Hutter im Salmensaal: «Ich bin stolz, dass nach 31 Bühnenjahren noch immer so viele Leute kommen.»

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Sie sieht nicht nur aus wie ein bunter Hund, sie ist auch so bekannt. Seit Jahrzehnten steht Gardi Hutter auf Schweizer Bühnen und jenen der ganzen Welt. Nach wie vor füllt sie spielend die grössten Säle und Theater. Zurzeit ist sie mit ihrem neuen Stück «Die Schneiderin» auf Tournee. Diese Woche machte sie in Schlieren halt.

Tolpatschige Näherin

«Es ist ein tragisches Thema und trotzdem ein lustiger Abend. Dieses Paradoxon schafft eben nur ein Clown», antwortet Gardi Hutter auf die Frage, warum man ihr neues Stück sehen muss. In «Die Schneiderin» spielt die Ostschweizer Komikerin eine tolpatschige Näherin, die sich während ihrer Arbeit eine Schere in den Kopf rammt und daran stirbt. Schwere Kost, könnte man denken. Doch Gardi Hutter wäre nicht Gardi Hutter, machte sie nicht selbst aus diesem Plot eine Zerreissprobe für das Zwerchfell der Zuschauer.

Hoch professionell inszeniert, hüpft, tanzt und lacht Gardi Hutter über und auf der grossen Bühne und nimmt sie, nicht nur wegen ihres monströsen Körpervolumens, völlig in Beschlag. Bis ins kleinste Detail hat jedes Requisit seinen Platz, ist jeder Scheinwerfer perfekt eingestellt. Bei Gardi Hutter ist in einer Show, die chaotischer und spontaner schwerlich sein könnte, nichts dem Zufall überlassen.

Eine Augenweide

«Ich bin ein riesen Fan von ihr und finde sie einfach grossartig», schwärmt Walti Gehrig aus Altstetten. Ihm sei es bis heute ein Rätsel, wie sich eine so schöne Frau wie Gardi Hutter, auf der Bühne so hässlich präsentieren könne. «Auf ihre Art ist sie aber trotzdem eine absolute Augenweide», meint Gehrig lachend.

«Am besten gefiel mir ihre Mimik», erinnert sich Mägi Gsell an den soeben zu Ende gegangen Auftritt zurück. Es sei absolut faszinierend, wie die Komikerin während einer Stunde kaum ein Wort sagen und trotzdem eine Geschichte erzählen könne. Dies sah auch Peter Rost so. «Ihre Einfälle, und wie sie leblosen Dingen wie einem Faden oder einem Kleid ein Eigenleben einhaucht, ist absolut faszinierend», sagte der Birmensdorfer.

Fadenspulen und Shakespeare

Gardi Hutter ist in der Tat die Meisterin der wortlosen Comedy. Nur mit ihrer Mimik, ihrer Körpersprache und einigen Requisiten erzählt sie eine komplizierte Geschichte über Liebe, Schmerz und die Vergänglichkeit des Lebens. Mit einem unglaublichen Einfallsreichtum und einer anmutigen Poesie spielt sie Shakespeare’s «Romeo und Julia» mit zwei Fadenspulen nach und tanzt mit einer Herrenjacke als habe sie tatsächlich einen Mann in den Armen.

«Ich bin stolz, dass nach 31 Jahren auf der Bühne immer noch so viele Leute an meine Auftritte kommen», meint die 59-jährige Clown-Frau und errötet leicht unter ihrer dicken Clown-Schminke.