Bibliotheken

Garantiert keine Mahngebühren: In den Ferien sind digitale Medien beliebt

Agnes Matt, Leiterin der Stadtbibliothek Dietikon, zeigt die Homepage der «Digitalen Bibliothek Ostschweiz». ela

Agnes Matt, Leiterin der Stadtbibliothek Dietikon, zeigt die Homepage der «Digitalen Bibliothek Ostschweiz». ela

Ein gutes Buch für an den Strand oder ein Reiseführer für die Reisplanung. Bis zu 15 Bücher kann man online ausleihen. Das Angebot «Onleihe» von den Bibliotheken ist vor allem in den Ferien beliebt.

«Wir schaffen die Öffnungszeiten ab!» steht in weisser Schrift auf blauen Flyern, die auf der Ausleihtheke der Stadtund Regionalbibliothek Dietikon aufliegen. Gemeint ist damit nicht eine permanente Schliessung der Bibliothek, sondern eine Erweiterung des Angebots der Ausleihe. Neben dem physischen Bestand können die Kunden auch Zeitschriften, Belletristik, Sachliteratur, aber auch Filme und Hörbücher in digitaler Form online ausleihen.

Das Stichwort dazu ist «Onleihe», zusammengesetzt aus den Wörtern «Online» und «Ausleihe». Seit drei Jahren ist die Dietiker Stadtbibliothek an die «Digitale Bibliothek Ostschweiz» (dibiost) angebunden, zusammen mit jenen in Aesch, Birmensdorf, Geroldswil, Oberengstringen, Uitikon, Urdorf, Schlieren und Weiningen.

Um die Onlinebibliothek auf dem E-Reader, Tablet oder Smartphone nutzen zu können braucht es nur einen gültigen Bibliotheksausweis und einen Internetzugang. Sie ist jederzeit verfügbar und birgt kein Risiko möglicher Mahngebühren. «Das System ist kostenlos, nach Ablauf der Ausleihfrist kann man das ausgeliehene E-Book nicht mehr öffnen», sagt Agnes Matt, Leiterin der Stadtbibliothek Dietikon. Bis zu 15 Medien könne man auf einmal ausleihen, die Ausleihfrist beträgt drei Wochen.

Keine Angst vor der Zukunft

«Man muss mit dem Fortschritt mitgehen», sagt Matt. Sie war bereits 2008 dabei, als die «Onleihe» als Ergänzung des Angebots mit anderen Bibliothekarinnen diskutiert wurde. Aus diesem Austausch entstand die Arbeitsgruppe «AG Onleihe Zürich». Fünf Bibliothekarinnen, eine davon Matt, begannen den Anschluss von 57 Zürcher Bibliotheken an den Verbund «dibiost» zu organisieren. Unterstützt wurde die Arbeitsgruppe dabei mit 95 000 Franken vom Lotteriefonds des Kanton Zürich, die benötigten restlichen 45 000 Franken steuerten die einzelnen Bibliotheken bei.

Laut Geschäftsführung der «dibiost«, der Kantonsbibliothek St. Gallen, wurde bis zum jetzigen Zeitpunkt in diesem Jahr rund 400 000 Downloads im Gesamtverbund getätigt. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine rasante Zunahme. Im ganzen Jahr 2015 wurden insgesamt eine halbe Million digitale Medien ausgeliehen. Derzeit umfasst der Katalog der «dibiost» insgesamt 29 500 Titel.

Das Angebot werde in Dietikon rege genutzt, in den letzten drei Jahren habe es sogar eine Verschiebung in der Ausleihform gegeben, so Matt. Der Rücklauf in der Ausleihe der physischen Medien habe sich in einer Zunahme der Ausleihe von digitalen Medien niedergeschlagen. Befürchtungen, dass bald kein Bedarf mehr an physischer Ausleihe besteht, hegt Matt aber keine. «Ich sehe die digitalen Medien als Parallelmedien», sagt sie.

Auch in der Schlieremer Stadtbibliothek sind keine derartigen Zukunftsängste vorhanden. «Unsere Bibliotheksmitglieder nutzen die «Onleihe» als Ergänzung zu den Printmedien», sagt Monique Roth, Leiterin der Stadtbibliothek Schlieren.

Es habe einige Zeit gebraucht, bis das digitale Angebot bei den Kunden bekannt gewesen sei. Die Zahl der Onlineausleihe sei aber stetig gewachsen. Eine Abnahme der physischen Ausleihe habe nicht stattgefunden. «Nur wenige leihen ausschliesslich online aus, diese Nutzer sehen wir dann nur einmal im Jahr, um ihren Ausweis zu erneuern», sagt Roth.

Mehr Privatsphäre online

Mit Anbruch der Sommerferien sei in Dietikon und Schlieren die Anzahl an Onlineausleihen aber markant angestiegen. «Im Juli wurde viel online ausgeliehen, wahrscheinlich um Ferienlektüre auf dem E-Reader mitzunehmen», sagt Roth.

In Schlieren werde vor allem Belletristik und Sachliteratur ausgeliehen. «Ich höre aber auch immer wieder, dass Leserinnen und Leser gerne Reiseführer elektronisch ausleihen», sagt Roth. Keineswegs seien es nur junge Erwachsene, die auf die digitale Bibliothek zurückgreifen. «Unsere erwachsene E-Leserschaft beschränkt sich überhaupt nicht nur auf ein junges Publikum, gerade viele ältere Nutzerinnen und Nutzer geniessen die Vorteile der E-Books, zum Beispiel die Möglichkeit, die Schrift zu vergrössern», sagt Roth.

«Am meisten werden Zeitschriften und belletristische Literatur ausgeliehen», sagt Matt. Vorteile bringe sicherlich auch die Privatsphäre im Onlinebereich. «Wenn sich jemand schämt, beim Bibliothekspersonal «50 Shades of Grey» auszuleihen, kann das mit der «Onleihe» elegant umschifft werden», sagt Matt und lacht.

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