Zürich
Gammelhäuser-Kauf würde dem Milieu Raum entziehen

Die Drogenszene, die an der Neufrankengasse seit längerem wucherte, ist weg – die Stadt plant nun preiswerte und teilweise betreute Wohnfläche anzubieten

Lina Giusto
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Desolate Zustände im Zürcher Gammel-Mietshäusern
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Sanitäre Anlagen gab es in einem Wohnhaus lediglich in Form von Etagentoiletten, die aber auch nur teilweise funktionierten
Stadt- und Kantonspolizei Zürich waren mit einem Grossaufgebot vor Ort.
Viele der Bewohner sind Sozialhilfebezüger
In den drei Mietshäusern an der Neufrankengasse und der Magnussstrasse deckten die Behörden zum Teil desolate Zustände auf
Es lebten mindestens 120 Menschen auf engstem Raum und zu überteuerten Preisen
Die Wasser-, Strom oder Wärmeversorgung funktionierten teilweise nicht
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.
Impressionen aus den Gammel-Häusern.

Desolate Zustände im Zürcher Gammel-Mietshäusern

watson.ch

Die Liegenschaften an der Neufrankengasse 14 und 16 sind offiziell geschlossen und verbarrikadiert. Die beiden Gebäude im Zürcher Kreis 4 nahe der Langstrasse sind auch als Gammelhäuser bekannt. Die Stadt Zürich steht seit mehreren Monaten in Kaufverhandlungen mit dem Besitzer der Problemhäuser, wo sich Junkies und Drogendealer niedergelassen haben.

Ähnlich ist der Stand der Dinge beim vergangenen Sommer geräumten Gebäudes an der Magnusstrasse. Die Stadt Zürich führt für jede dieser Liegenschaften die Kaufverhandlungen einzeln, wie Michael Rüegg, Sprecher des Sozialdepartements der Stadt Zürich, sagt. «Diese sind bereits fortgeschritten. Für jeden Kauf wird jedoch ein Stadtratsbeschluss benötigt. Diese stehen aber noch aus», so Rüegg weiter.

Über den Kaufpreis aber kommuniziert die Stadt nicht. Mit dem Kauf will die Stadt kleinflächigen Wohnraum zu günstigen Preisen anbieten. Damit soll studentisches oder betreutes Wohnen ermöglicht werden. Mittel- bis langfristig sollen die Wohnungen auch für Leute im Asylbereich zur Verfügung stehen.

Mit Kooperationen aufwerten

Die Stadt war in der Vergangenheit bereits durch Käufe von Liegenschaften, die vorgängig vom Milieu besetzt waren, erfolgreich.

Zu Beginn der Nullerjahre lancierte das Polizeidepartement der Stadt Zürich das Viersäulen-Modell Langstrasse Plus. Ziel des 2011 beendeten Projektes war das seit Mitte der 90er-Jahre sichtbare Drogen- und Sexmilieu an der Langstrasse, das das Quartier abwertete, mit geeigneten Massnahmen wieder aufzuwerten. So sollten die Sicherheit im öffentlichen Raum wieder hergestellt, das Leben unterschiedlicher Gruppen im Quartier verbessert, das Sexgewerbe auf ein verträgliches Niveau gebracht, wie auch Emissionen des Gastgewerbes reduziert und widerrechtliche Gebäudenutzungen verhindert werden. Das Langstrassen-Quartier sollte sich zu einem urbanen, durchmischten und stabilen Wohnquartier entlang einer Vergnügungsachse entwickeln. Neben Käufen, wurden aber auch Gebäude saniert oder gänzlich neu gebaut.

Die Stadt kooperierte dabei verschiedentlich mit genossenschaftlichen Bauherren. So waren bei den städtischen Bestrebungen das Langstrassenquartier aufzuwerten ebenfalls private Immobilienbesitzer wie die Stiftungen PWG und SAW, die Genossenschaften Dreieck, Wogen und Kalkbreite und die Investorengruppe um Vera Gloor beim Erwerb, Renovation oder Neubau von Liegenschaften beteiligt.

Darauf war die Stadt auch angewiesen, da diverse Kaufverhandlungen scheiterten, weil die Eigentümer zu hohe Preisvorstellungen hatten. Ein Rückblick zeigt wie im Rahmen des Langstrassen Plus Projekt die Aufwertung des Quartiers von statten ging:

  • 2003 wurde die Liegenschaft an der Sihlhallenstrasse 3 erworben und einer umfassenden Instandstellung unterzogen. Im Obergeschoss befinden sich Jugendwohnungen und im Erdgeschoss ist die Bar Rossi eingezogen.
  • Im gleichen Jahr begannen die Renovationen zwei aneinander gebauter Gebäude an der Hohlstrasse/Brauerstrasse – in bewohntem Zustand. Aus den drei 3-Zimmer und vier 4-Zimmer-Wohnungen entstanden sechs 3-Zimmer-Wohnungen und eine 3 1/2-Wohnung im Dachgeschoss.
  • Die Liegenschaft an der Schöneggstrasse 24 wurde 2005 in bewohntem Zustand renoviert. Im Erdgeschoss der 130-jährigen Liegenschaft folgte auf ein ein veraltetes Restaurant gewerbliche Nutzfläche.
  • Die über 100-jährige Liegenschaft an der Kernstrasse/Marmorgasse wurde 2007/2008 innen wie aussen renoviert. Das Gebäude umfasst sechs Wohnungen, sowie einen Werkhof des Tiefbauamtes, der auch den Innenhof belegt.

Wie auch bei den Plänen des Kaufs der Gammelhäuser im Kreis 4 scheideten sich bereits früher die politischen Geister über solche Vorhaben. Im aktuellen Fall lehnen die städtische SVP und CVP den Kauf der Liegenschaft ab, während die Linke das Vorhaben begrüsst.

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