Schlieren
Gamen und Mobbing als Hauptthemen: Schüler stellen ihre Romane vor

In der Bibliothek Schlieren stellen Schüler mit schwachen Deutschkenntnissen ihren selbst geschriebenen Roman vor.

Zoé Iten
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In der Bibliothek Schlieren stellen Schüler ihre selbstgeschriebenen Romane vor. (Symbolbild)

In der Bibliothek Schlieren stellen Schüler ihre selbstgeschriebenen Romane vor. (Symbolbild)

Keystone

Trisa ist fünfzehn und schwanger von Sandro. Und der haut jetzt einfach ab. Und dann verliebt er sich auch noch in Kim, eine Riesentussi. Sie mobbt andere Leute und stellt Nacktbilder von ihnen ins Internet. Carlos und Max ist das ziemlich egal, solange sie nur WLAN haben und gamen können. Dies ist nur ein Bruchteil, der sich im Schulhausroman «Schlieremer Geschichten – wie das Schicksal tickt» ereignet.

Geschrieben wurde er von zehn Kalktarren- Schülern im Alter zwischen 13 und 17 Jahren. Heute Abend um 19 Uhr stellen die Jugendlichen in der Bibliothek Schlieren das Werk eines halben Jahres harter Arbeit vor. Die Buchproduktion war ein Quims-Projekt (Box). Um die schwachen Deutschkenntnisse der Schüler zu verbessern, setzte sich die Klassenlehrerin Beatrix Kandil schon lange dafür ein, einen Coach als Unterstützung für das Vorhaben zu erhalten. Schliesslich folgte vor einem Jahr die Zusage.

QUIMS

Das Programm QUIMS (Qualität in multikulturellen Schulen) unterstützt Schulen mit einer grossen Zahl an Schülern, deren Muttersprache nicht deutsch ist. Die Sprach- sowie Individualförderung stehen dabei im Vordergrund. Durch zusätzliche kantonale finanzielle Mittel und Fachberatung werden Kinder mit Migrationshintergrund gefördert. Zugleich sollen aber alle Schüler miteinbezogen werden.

Die eigenen Ideen verwirklichen

Das junge Literaturlabor Zürich, das jungen Menschen beim Schreiben von Texten unter die Arme greift, unterstützte die Schüler. Daneben wurde der Klasse Autorin Anita Siegfried als Schreib-Coach zur Verfügung gestellt. Siegfried weckte mit jugendnahen Themen das Interesse der Schüler. Kurz darauf ging es bereits ans Verfassen eigener Texte. Beim Schreiben war alles erlaubt.

Von der Kriminalgeschichte bis hin zu einer Urlaubserzählung. Nachdem die ersten Geschichten abgegeben wurden, arrangiere Siegfried daraus einen Lauftext und korrigierte gleichzeitig grammatikalische Fehler. Am Inhalt wurde nichts verändert. «Es ging darum, das kreative Schreiben zu fördern und die Ideen, die in den Köpfen steckten, zu verwirklichen», so Kandil. «Wir wollen den Kindern die Lust am Schreiben näher bringen.»

Zweifel verschwanden

Der angefertigte Lauftext wurde in Zweier- und Dreiergrüppchen mehrmals überarbeitet. So entstanden im letzten halben Jahr die vier Hauptgeschichten, des Schulhausromans. Die vielen Ideen wurden mit Eifer zu Papier gebracht.

«Als ich den Schülern von unserem Ziel erzählte, reagierten sie verhalten. Sie zweifelten daran, ob sie so etwas überhaupt schafften.» Die Zweifel verschwanden bald darauf und sie freuten sich auf die kreative Arbeit. «Nach einer Weile haben sie die wöchentlichen Schreibstunden geliebt», so Kandil.

Ruhe vor dem Sturm

In der letzten Vorbereitungszeit sei eine Anspannung spürbar gewesen, sagt Kandil. «Ihnen allen liegt die Präsentation sehr am Herzen. Letzten Donnerstag haben wir eine Hauptprobe in der Bibliothek abgehalten. Die Schüler wünschten sich einen Probelauf, damit an ihrem Auftritt keine grossen Fehler geschehen.»