Uitikon
Fussballplatz «Sührenloh»: Der Tennisclub warnt vor einem «Kleinkrieg»

Die geplante Sportplatzerweiterung im «Sührenloh» sorgt für verhärtete Fronten zwischen den Sportvereinen.

Bettina Hamilton-Irvine
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Der Fussballplatz «Sührenloh» in Uitikon.

Der Fussballplatz «Sührenloh» in Uitikon.

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Im kleinen Uitikon brodelt es unter der beschaulichen Oberfläche. Der Grund für die Aufregung ist die geplante Erweiterung der Fussballanlage im Gebiet Sührenloh. Das Problem: Im März 2013 lehnte das Stimmvolk zwei mögliche Varianten ab. Dass nun die günstigere der beiden als Einzelinitiative im März nochmals vors Stimmvolk kommt, passt längst nicht allen.

Vor allem die Mitglieder des Tennisclubs, die befürchten, der neue Kunstrasenplatz verunmögliche ihre eigene Expansion, kämpfen gegen den Ausbau. Aber auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) kann sich mit der Vorlage nicht anfreunden. Auf der anderen Seite stehen Edi Cincera, der die Einzelinitiative lanciert und nun auch ein Unterstützungskomitee gebildet hat, der Gemeinderat und der Fussballclub. Für die Vorlage sind auch SVP, FDP, CVP und die Schulpflege.

«Es ist fünf nach zwölf»

Er wisse, dass es Leute gebe, die es als «Zwängerei» betrachten, dass er die bereits abgelehnte Variante nochmals aufs Tapet bringe, sagte Cincera an der Gemeindeversammlung vom Mittwochabend, an der die Vorlage vorberaten wurde. Doch habe sich seit der letzten Abstimmung einiges geändert. Der Fussballclub sei mittlerweile derart eingeengt, dass der Handlungsbedarf akut sei: «Es ist nicht fünf vor, sondern bereits fünf nach zwölf», sagte er. «Wir dürfen unserer Jugend nicht die Zukunft verbauen.»

Finanzvorstand Markus Hoppler wies darauf hin, dass die Kapazitätsgrenze des bestehenden Platzes überschritten sei und dieser «massiv übernutzt» werde. Die finanziellen Mittel für das 2,6 Millionen Franken teure Projekt seien vorhanden, so Hoppler. Sagt das Stimmvolk am 8. März 2015 an der Urne Ja, soll mit dem Bau schon im Sommer 2015 begonnen werden.

Die RPK lehnt das Projekt aus finanziellen Gründen ab, wie Präsident Patrick Martin sagte. Ein Kunstrasenplatz sei auch günstiger machbar, wenn man ihn kleiner plane. Weil dann auch der Tennisverein einen Ausbau planen könnte, sei die Initiative abzulehnen.

Daniel Wallner, Präsident des Fussballclubs, wies darauf hin, dass die heutige Infrastruktur seit fast 30 Jahren bestehe und man sich nicht mehr weiterentwickeln könne. Der Verein, der rund 300 Mitglieder und 136 Junioren hat, sei am Anschlag und müsse Kinder abweisen. Die Planung sei sehr schwierig geworden. «Das belastet uns und das belastet viele Familien.» Man wolle dafür sorgen, dass die Jugendlichen ihre Freizeit in Uitikon verbringen könnten, sagte Wallner, der auch betonte, ein kleinerer Fussballplatz wäre eine «Verschleuderung von Steuergeldern». Denn in drei Jahren wäre die Kapazitätsgrenze schon wieder erreicht.

Die Schulsozialarbeit wird definitiv eingeführt

Der Steuerfuss der politischen Gemeinde bleibt bei 37 Prozent. Das Budget 2015 sieht bei Ausgaben von 36,4 Millionen und Einnahmen von 34,4 Millionen Franken ein Minus von knapp 2 Millionen vor. Die Gemeindeversammlung genehmigte dies am Mittwochabend einstimmig. Deutlich sprachen sich die 135 anwesenden Stimmberechtigten auch für den Kredit über 361 000 Franken für die Sanierung der Zufahrtsstrasse und den Ersatz der Wasserleitung «In der Rüti» aus. Zum Kredit über 165 000 Franken für die Erstellung eines neuen Urnen-Gemeinschaftsgrabs sagte die «Gmeind» einstimmig Ja. Auch die 996 000 Franken teure Sanierung der Allmendstrasse inklusive Ersatz der Werkleitungen wurde ohne Gegenstimme genehmigt. Dies gilt auch für die Leistungsvereinbarung zwischen der Gemeinde und dem Verein Kinderkrippe Löwenzahn sowie dem Beitragsreglement.
An der Versammlung der Schulgemeinde beschlossen die anwesenden 78 Stimmberechtigten einstimmig, die Schulsozialarbeit mit einer 50-Prozent-Stelle definitiv einzuführen. Das kostet insgesamt 79 200 Franken pro Jahr. Das Angebot gibt es bereits seit April 2012 als Pilotprojekt. In einer ersten Evaluation kommt das Angebot in Uitikon sehr gut an. So bezeichnen 82 Prozent der Lehrpersonen die Dienstleistungen der Schulsozialarbeit als nützlich. 95 Prozent der Schüler stuften die Schulsozialarbeit als hilfreich oder zumindest ein wenig hilfreich ein. Das Budget mit einem Minus von 356 000 Franken bei Ausgaben von 15,3 Millionen und Einnahmen von 14,9 Millionen Franken wurde ebenfalls ohne Gegenstimme angenommen. Der Steuerfuss bleibt bei 40 Prozent. Der Gesamtsteuerfuss beträgt somit unverändert 77 Prozent.

Tennisclub fühlt sich ignoriert

Der Kunstrasenplatz verunmögliche die Expansion des Tennisclubs überhaupt nicht, sagte ein Junior-Fussballtrainer, der im Unterstützungskomitee für die Initiative ist: «Es hat genug Platz für alle.» Ins Zeug für den Fussballplatz legte sich auch Roger Kundert, ein ehemaliger Fussballprofi, der früher für den FCZ und in der Nationalmannschaft spielte. Fussball sei für ihn eine Lebensschule gewesen, sagte er: «Tragen wir unseren Jugendlichen Sorge und schicken sie nicht fort, um extern Fussball zu spielen.»

Zwar habe er auch ein Herz für den Fussball, sagte ein Votant, der Mitglied im Tennisclub ist. Doch die vorliegende Variante berücksichtige nur die Interessen des Fussballclubs. Der Tennisclub werde hingegen ignoriert und zum Verlierer gemacht. Deshalb stelle man sich «mit aller Kraft» gegen die Vorlage, sagte er: Man werde in der Gemeinde erneut einen dreimonatigen «Kleinkrieg» zwischen den Sportvereinen haben. Ein weiteres Mitglied des Tennisclubs ärgerte sich, dass den Stimmbürgern nochmals die gleiche Vorlage vorgesetzt werde. Das sei irritierend.

Zwar habe der Gemeinderat die vorliegende Initiative zuerst kritisch betrachtet, sagte Gemeindepräsident Victor Gähwiler. Nach der Prüfung von Alternativen habe man aber realisiert, dass diese für den Fussballverein keine Lösungen seien. Zur Kritik des Tennisclubs sagte Gähwiler, es stimme einfach nicht, dass man diesen nicht berücksichtige. Man habe den Stimmbürgern vor zwei Jahren auch eine Variante mit zwei zusätzlichen Tennisplätzen vorgeschlagen, welche der Tennisclub abgelehnt habe. Doch verspreche er dem Tennisclub, dass man sich auch um dessen Bedürfnisse kümmern werde, sobald dieser einen ausgewiesenen Bedarf nach mehr Platz habe.