Fussball
«Auch Mourinho kann hier nichts mehr ausrichten»: Der FC Schlieren spielt wie ein Absteiger

Die NLB-Fussballerinnen unterliegen dem FC Luzern in einem wichtigen Abstiegsduell nach einer lamentablen Vorstellung mit 1:2. Trainer Alessandro Vicedomini tobte nach dem Schlusspfiff.

Ruedi Burkart
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Schlierens Andreia Do Couto (gelbes Dress) wehrt sich gegen die Luzerner Übermacht nach Kräften. Nach einer Stunde Spielzeit musste die FCS-Mittelfeldspielerin mit einem schmerzenden Knie vorzeitig vom Platz.

Schlierens Andreia Do Couto (gelbes Dress) wehrt sich gegen die Luzerner Übermacht nach Kräften. Nach einer Stunde Spielzeit musste die FCS-Mittelfeldspielerin mit einem schmerzenden Knie vorzeitig vom Platz.

Ruedi Burkart

Alessandro Vicedomini war nach dem Schlusspfiff total angesäuert. Noch auf dem Platz und gut hörbar – auch aus sicherer Entfernung – faltete der Schlieremer Trainer seine Spielerinnen nach der 1:2-Heimniederlage gegen Luzern so richtig zusammen. Neben der Spielerbank sass Annina Eigenmann und schluchzte vor sich hin. Nach ihren beiden «Briefkasten»-Gegentoren war Schlierens Torhüterin kaum mehr zu beruhigen.

Es scheine den meisten am Allerwertesten vorbei zu gehen, tobte Vicedomini, dass man direkt in Richtung 1. Liga unterwegs sei. Der Trainer redete sich förmlich in Rage: «Auch einer wie Mourinho kann hier nichts mehr ausrichten.» Ob der portugiesische Star-Trainer tatsächlich in der «Causa FC Schlieren» hilflos wäre, wird wohl nie zu klären sein.

Match-Telegramm

Schlieren - Luzern 1:2 (0:0)

Zelgli (Kunstrasen). – 50 Zuschauer. – Tore: 48. Ameti 0:1. 79. Erne 0:2. 83. Bärtsch 1:2.

Schlieren: Eigenmann; Vono, Bürgisser, Agaj, Seiler (69. Mijovic); Hashani, Bonfardin, Do ­Couto (62. Notter); Bürgler, (79. Bärtsch) Rohr (79. Valente); Bösiger.

Bemerkungen: Schlieren ohne Tageldin (Familie), Studer, Ruggieri, Radulovic, Küng, Erkol, Conte (alle verletzt), Roth (Ausland) – Verwarnung: 70. Vono (Foul). – Do Couto mit Knieverletzung ausgeschieden – 57. Lattenschuss Hashani – Cornerverhältnis: 1:4 (0:4)

Nach diesem verbalen Gewitter am wettertechnisch herrlichen Samstagabend trotteten die Spielerinnen in die Kabine.

Genügende Noten nur für zwei Spielerinnen

Was hatte Schlierens Trainer dermassen auf die Palme gebracht? Dass sein Team das kapitale Spiel gegen Luzern mit 1:2 verloren hatte, ist das eine. Die Art und Weise, wie die Pleite zustande gekommen war, erzürnte Vicedomini, wohl mehr als die dritte Niederlage in Folge an sich.

Spätestens ab Mitte der ersten Halbzeit wurde der neutrale Zuschauer das Gefühl nicht los, die meisten Schlieremer Spielerinnen seien sich dem Ernst der Lage nicht bewusst. Da war kein Feuer zu entdecken, keine Leidenschaft, kein Aufbäumen gegen die drohende Niederlage.

Zwei Limmattalerinnen seien von dieser allgemeinen Kritik explizit ausgenommen. Captain und Innenverteidigerin Céline Bürgisser hielt die Defensive so gut wie möglich zusammen und Mittelfeldakteurin Saranda Hashani brachte immer wieder mit ihren Vorlagen einen gewissen Drive ins Schlieremer Spiel.

Aber sonst: tiefe Nacht. Bezeichnenderweise fielen beide Gegentore in der zweiten Halbzeit. Statt den von der tief stehenden Sonne geblendeten Luzern-Goalie Schneider mit Schüssen einzudecken, erarbeitete sich Schlieren kaum Chancen. Anders die Zentralschweizerinnen. Ameti (48.) und Erne (79.) nutzten die Freiräume geschickt aus und übertölpelten Schlierens Torhüterin Eigenmann mit zwei sehenswerten Lobbällen aus der Ferne. Der Anschlusstreffer von Joker Tanja Bärtsch nach 83 Minuten fiel zu spät.

Am Samstag kommt’s zum Duell der Zitterklubs

Vier Runden vor Schluss ist in der NLB noch keine Entscheidung gefallen. Schlieren liegt weiterhin aufgrund der weniger schlechten Tordifferenz vor dem punktgleichen FC Walperswil über dem Strich. Diese beiden Teams duellieren sich am kommenden Samstag im heissen Direktduell auf dem Zelgli und dürften den zweiten Teilnehmer an der Abstiegs-Barrage gegen einen 1.-Ligisten neben dem Tabellenletzten Worb ausmachen. Apropos: Die Bernerinnen sorgten mit ihrem 2:2-Remis gegen Derendingen Solothurn und dem ersten Punktgewinn der Saison für die Überraschung der Runde.