Limmatal
Fusionen sind für reformierte Kirchen zurzeit kein Thema

Die reformierten Kirchgemeinden im Limmattal sind sich einig: Die Zusammenarbeit über die Gemeindegrenze hinaus ist angesichts schwindender Mitgliederzahlen wichtig. Ihr wird in Zukunft noch mehr Bedeutung zukommen.

Sandro Zimmerli
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Die Reformierte Kirchen wollen mehr zusammenarbeiten.

Die Reformierte Kirchen wollen mehr zusammenarbeiten.

Sandro Zimmerli

«Grundsätzlich ist es nötig, dass man nach gewissen Formen zur Zusammenarbeit sucht. Wie diese beschaffen sind, wird sich zeigen», sagt beispielsweise Ursula Gütlin, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Schlieren. Ihr Amtskollege aus Urdorf, Alfred Bruppacher, erklärt, dass sich «die Kirchgemeinden im Bezirk bereits heute bei einem jährlichen Treffen intensiv austauschen».

Für Gütlin ist die Stossrichtung des Kirchenrates deshalb die richtige. «Ich begrüsse es, dass sich der Kirchenrat frühzeitig Gedanken macht», sagt Gütlin. Dieser hatte in seiner Antwort auf ein Postulat verschiedene Modelle präsentiert, wie die übergemeindliche Kooperation künftig ausgestaltet werden könnte (az Limmattaler Zeitung vom 10. Juli). Ziel dieser Modelle ist es, Herausforderungen wie sinkende Mitgliederzahlen, die sich verschlechternde Finanzlage oder die knappen personellen Ressourcen zu bewältigen. Sie reichen von vereinzelten Zusammenarbeiten in Bereichen wie dem Konfirmationsunterricht bis hin zu Fusionen kleinerer Gemeinden. Als Zielgrösse einer Fusion steht eine Zahl von 5000 Mitgliedern im Raum. Im Limmattal erreichen die reformierten Kirchgemeinden Dietikon und Weiningen annähernd diesen Wert.

«Empfinden uns als fusioniert»

Während sich die reformierten Kirchgemeinden im Limmattal bereits Gedanken über mögliche Zusammenarbeiten machen, ist das Thema Fusionen für viele noch ganz weit weg. «Eine Fusion ist für uns zurzeit kein Thema. Vor allem deshalb, weil wir uns schon als fusioniert empfinden», sagt Barbara Haller, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Weiningen. Diese umfasst die vier politischen Gemeinden Unterengstringen, Weiningen, Geroldswil und Oetwil.

Ähnlich sieht es auch Susanna Stähelin, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Birmensdorf-Aesch. «Wir sind schon eine Doppelgemeinde», sagt sie. Zudem bedeute eine Fusion eine grosse Herausforderung für die betroffenen Gemeinden. Jede habe ihre eigene Kultur. Da sei es schwierig, diese zusammenzuführen. «Es wird auch nicht einfach sein, die Bevölkerung der einzelnen Gemeinden dazu zu bewegen, an anderen Orten Veranstaltungen zu besuchen», hält Stähelin fest.

Nebst der Frage der unterschiedlichen Kulturen müssten noch andere Aspekte einer Fusion berücksichtigt werden, gibt Stähelin zu bedenken. «Geht man von den angestrebten 5000 Mitgliedern aus, würde eine Fusion zwischen Uitikon und Birmensdorf-Aesch nicht ausreichen. Erst wenn beispielsweise Urdorf auch dabei wäre, würde man diesen Wert erreichen», so Stähelin. Eine solche Gemeinde wäre aber sehr gross. Ob sich tatsächlich Personen für eine Aufgabe in der Behörde finden liessen, sei fraglich. «Eine solch grosse Gemeinde müsste semiprofessionell geführt werden», sagt sie. Dennoch werde man sich aus wirtschaftlichen Gründen mit solchen Fragen befassen müssen, und manchmal brächten Veränderungen auch Chancen für die Gemeinde.

«Überall lebendige Gemeinden»

Auch in Urdorf hegt man gegenüber Fusionen Skepsis. «Bei einer Fusion würden noch mehr Leute austreten», sagt Alfred Bruppacher. Zudem sei die Situation im Bezirk Dietikon noch nicht dramatisch. «Wir haben überall sehr lebendige Gemeinden», hält er fest. Gleich hat man auch in Oberengstringen reagiert. In einem Leserbrief versichern Kirchgemeindepräsidentin Claudia Trüb und Pfarrer Jens Naske, «dass die Kirchgemeinde Oberengstringen lebt und sich bester Gesundheit erfreut».