Reformierte Kirche Oberengstringen

Fusion mit Zürich: Am Sonntag gilt es ernst

Die Oberengstringer Reformierten entscheiden am Sonntag über den Fusionsvertrag.

Die Oberengstringer Reformierten entscheiden am Sonntag über den Fusionsvertrag.

Die Kirchgemeindeversammlung stimmt am 18. Juni über den Zusammenschlussvertrag ab.

Im September 2014 haben die reformierten Stimmberechtigen aus Oberengstringen und der Stadt Zürich an der Urne einen Grundsatzentscheid gefällt: Die 34 selbstständigen Kirchgemeinden sollen bis 2019 zu einem grossen Stadtverband fusioniert werden. An der ausserordentlichen Versammlung vom kommenden Sonntag werden die Reformierten der Kirchgemeinde Oberengstringen nun über den Zusammenschlussvertrag abstimmen.

Bereits im Oktober 2015 hat die grosse Mehrheit der Oberengstringer Reformierten einer Absichtserklärung für den Beitritt zur fusionierten Gemeinde zugestimmt. Damals stand allerdings noch die Befürchtung im Raum, dass Oberengstringen im grossen Gebilde zu wenig Beachtung finden würde. «Ich habe andere Erfahrungen gemacht», sagt Kirchenpflegepräsidentin Claudia Trüb, die bei der Grossfusion in der Gesamtprojektleitung mitarbeitet. «In den Gremien sind Personen aus unterschiedlichen Gemeinden mit dabei. Alle, die etwas sagen wollen, werden angehört», sagt sie.

Für Oberengstringen ist der Anschluss an den Stadtverband eine naheliegende Lösung. Erst 1977 spaltete sich die Kirchgemeinde von Höngg ab und erhielt 1984 eine eigene Kirche. Als einzige nicht städtische Gemeinde gehört Oberengstringen aber zum Zürcher Stadtverband. Seit über zwei Jahren arbeitet sie in der Jugendarbeit mit der Gemeinde Höngg zusammen, was reibungslos funktioniere, so Trüb. «In Sachen Zusammenarbeit sind wir schon weiter als andere Gemeinden in der Stadt», sagt sie. Sie gibt sich deshalb zuversichtlich, dass die Abstimmung über den Vertrag positiv ausfallen wird. Alternativen seien derzeit nicht in Sicht, eine Fusion aus finanzieller Sicht aber notwendig.

Stadtgemeinden stimmen zu

Der Zusammenschlussvertrag bildet die Grundlage für die Fusion. Er regelt die Auflösung der bestehenden Strukturen und die Ausarbeitung der neuen Kirchgemeindeordnung. Für die künftige Organisationsform sind nur Eckpunkte definiert. So sollen ein Parlament eingerichtet und die fusionierte Gemeinde in zehn Kreise eingeteilt werden. Für beide Vorschläge ist noch eine Änderung des kantonalen Kirchengesetzes erforderlich. Die Kreise sollen das Bindeglied zwischen Gemeinde und einzelnen Kirchen sein. Oberengstringen würde zu Höngg und Wipkingen West gehören, mit insgesamt rund 9400 Gläubigen.

In 24 Stadtzürcher Gemeinden wurde bis Redaktionsschluss bereits über den Vertrag abgestimmt, bis Sonntag werden es alle sein. Bisher haben ihn nur Oerlikon und Hirzenbach abgelehnt. Stimmen 24 Gemeinden zu, wird der Vertrag dem kantonalen Kirchenrat vorgelegt, der wohl im Herbst darüber befinden wird. Bei der Kirchensynode wird anschliessend die Vereinigung der Gemeinden beantragt. Bis Herbst 2018 wird dann die neue Kirchgemeindeordnung ausgearbeitet und den Stimmberechtigten an der Urne vorgelegt.

Reform würde weiterverfolgt

Wird der Vertrag abgelehnt, kommt das Projekt ins Stocken. Aufgrund des Ausgangs der Abstimmung zur Zusammenlegung im Jahr 2014 würde es aber weiterverfolgt. Bestehen bliebe die Planungsunsicherheit für die Kirchenpflegen. Lehnt Oberengstringen die Vorlage ab, könnte sie als einzige beteiligte Kirchgemeinde aus dem bestehenden Stadtverband austreten. Die Oberengstringer haben sich 2015 mit der Absichtserklärung aber deutlich dagegen entschieden. Bei einem Verbleib im Stadtverband entscheidet die Kirchensynode nach einer Anhörung über den Einbezug in den Zusammenschluss.

Der Reformprozess kam wegen des Mitgliederschwunds bei den Landeskirchen und der daraus folgenden finanziellen Herausforderungen in Gange und ist im Kontext der Bestrebungen der Kirchensynode im Kanton Zürich. Unter dem Titel Kirchgemeinde Plus diskutieren die Vertreter der Kirchgemeinden seit 2012 die Fusion der einzelnen Kirchgemeinden zu grösseren Gemeinden. Wie der Kirchenrat kürzlich mitteilte, können sich viele Zürcher Kirchgemeinden einen Zusammenschluss vorstellen. Sie bevorzugen derzeit aber die Form der Zusammenarbeit.

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