Dichtestress
Für Zürcher Schwimmer ist keine Erleichterung in Sicht

In städtischen Hallenbädern ist es zu Stosszeiten extrem eng. Erleichterung brächte ein neues Bad. Doch die Gemeinderatsfraktionen üben sich in Zurückhaltung – mit einer Ausnahme.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Berührungsängste sind in Zürcher Hallenbädern fehl am Platz: In den Bassins ist es zu Stosszeiten teilweise sehr eng (Symbolbild).getty images

Berührungsängste sind in Zürcher Hallenbädern fehl am Platz: In den Bassins ist es zu Stosszeiten teilweise sehr eng (Symbolbild).getty images

Getty Images/iStockphoto

Wer am Morgen vor der Arbeit in ein Stadtzürcher Hallenbad seine Längen schwimmen will, darf keine Berührungsängste haben. Die Bahnen in den Becken sind meist so voll, dass sich die Schwimmenden schnell in die Quere kommen. Seit 2005 sind die Besucherzahlen in den städtischen Hallenbädern um satte 40 Prozent auf knapp 1,33 Millionen Eintritte im Jahr 2015 gestiegen. Patrick Müller, der Leiter der Abteilung Badeanlagen bei der Stadtverwaltung, erklärte gegenüber «20 Minuten», die Kapazitätsgrenze der Hallenbäder sei schon länger erreicht. Entschärfen würde die Lage ein neues Bad. Doch eine Umfrage im Gemeinderat zeigt: Die Aussichten auf eine baldige Lösung des Problems sind düster.

Die gemeinderätliche Gruppe Sport (GGS), in der alle Fraktionen vertreten sind, ist sich der Platzprobleme zwar bewusst. Christian Traber, CVP-Gemeinderat und eines der aktivsten GGS-Mitglieder, schätzt die Chancen, dass in absehbarer Zeit ein neues Hallenbad gebaut wird, dennoch sehr gering ein. Dies zum Einen wegen der angespannten Finanzlage der Stadt, zum Anderen aber auch wegen des geplanten Ersatzneubaus für das Hallenbad in Oerlikon. «Das Projekt könnte bis zu 100 Millionen kosten. Finanzpolitisch ist es daher schwierig, jetzt ein zusätzliches Bad zu fordern», so Traber.

«Eher wünschbar als realisierbar»

Auch die meisten Gemeinderatsfraktionen geben sich eher zurückhaltend, was ein neues Hallenbad betrifft. Angesichts der anstehenden Hochbauinvestitionen verortet etwa FDP-Fraktionspräsident Michael Schmid ein neues Hallenbad «eher beim Wünschbaren als beim Realisierbaren». Seine Partei sei aber offen für Diskussionen mit dem Ziel, die Situation in den Hallenbädern zu entschärfen, sagt er. SP verweist ebenfalls auf die knappen städtischen Mittel und verbindet damit die Forderung nach einer Auslegeordnung zur Auslastung der städtischen Bäder und den Bedürfnissen der verschiedenen Nutzergruppen. «Es ist am Stadtrat, in einer Art Gesamtschau der städtischen Sportanlagen abzuklären, ob angesichts des Bevölkerungswachstums auch bei den Hallenbädern Nachholbedarf besteht», sagt Fraktionspräsident Davy Graf.

SVP-Fraktionspräsident Martin Götzl sieht hingegen die Legislative in der Verantwortung. Mit seiner Fraktion will er den Stadtrat nach der Sommerpause mit einem Vorstoss zu fundierten Abklärungen auffordern: «Es soll deklariert werden, wie die Hallenbäder aktuell ausgelastet und finanziert sind. Zudem stellt sich die Frage, ob es bei ausgelasteten Sportstätten vernünftige Ausweichmöglichkeiten gibt», sagt Götzl. Bei Engpässen sähe er im Bau von neuen Hallenbädern eine Möglichkeit, doch herrsche der Spardruck vor.

GLP und AL zeigen Wohlwollen

Auch die AL mahnt zum vorsichtigen Umgang mit den Steuergeldern. «Wenn Abklärungen aber zeigen, dass es in der Stadt tatsächlich zu wenig Indoor-Bäder gibt, dann wären wir sicher offen dafür, auf eine Neubaulösung hinzuarbeiten», sagt Fraktionspräsident Andreas Kirstein. Schliesslich sei Schwimmen ein Breitensport und komme damit einem grossen Teil der Bevölkerung zugute. Ähnlich argumentiert die GLP, die einen Antrag für ein neues Hallenbad laut Fraktionspräsidentin Isabel Garcia «sicher mit Wohlwollen behandeln» würde. Es sei ihrer Partei ein grosses Anliegen, dass die städtische Infrastruktur mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halte. Das Fraktionspräsidium der Grünen war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.