Dietikon
Für Schach ist man nie zu alt – zu jung auch nicht

Zum fünften Mal fand in das Schüler-Schachturnier statt. Mit wachsendem Anklang. Auch weil die Schachclubs früher beginnen, ihrer NAchwuchsteams aufzubauen.

Daniel Andrés Egli
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Simon Scheuchzer (l.) und Philip Küenzli duellieren sich auf dem Schachbrett.Daniel Andrés Egli

Simon Scheuchzer (l.) und Philip Küenzli duellieren sich auf dem Schachbrett.Daniel Andrés Egli

«Ich schätze Schach sehr, weil es mir hilft, mich besser zu konzentrieren, und ich finde es extrem spannend, neue Strategien zu entwickeln.» Diese Aussage mag einem völlig normal vorkommen. Man sieht den Urheber direkt vor sich. Ein passionierter Schachspieler, vielleicht ein Lehrer, mit dicker Hornbrille, einer gestrickten Weste und Manchesterhosen. Umso verblüffender ist es, dass diese Aussage von einem 9-Jährigen stammt.

Jugendmannschaft Aufbauen

Philip Küenzli heisst der Primarschüler aus Aesch, und er hat gerade das Schüler-Schach-Turnier des Schachclubs Dietikon gewonnen. Bereits zum fünften Mal, immer nach grösseren Schulferien, organisiert der Präsident des Dietiker Schachclubs, Frank-Ronald Bähr, dieses Turnier für die ganz Kleinen.

«Ich habe selber immer gerne Schach gespielt», erzählt die stolze Mutter von Philip, Marianne Küenzli, nach der kleinen Siegerehrung im Alters- und Gesundheitszentrum Dietikon. Sie habe ihrem Sohn das Schachspielen zuerst selber beigebracht, weil sie dieses Spiel schon von ihrer Mutter gelernt hatte, «Philip ist dann immer besser geworden, und so haben wir ihn, als wir gehört hatten, dass Frank-Ronald Bähr im Dietiker Schachclub wieder eine Jugendmannschaft aufbauen wollte, ins allwöchentliche Training geschickt», so Küenzli. Es habe ihm Spass gemacht und er freue sich jede Woche auf das Training.

«Freue mich, wenn jemand mich schlägt»

Die Begeisterung von Philip Küenzli für dieses alte Spiel kann er mittlerweile mit immer mehr jungen Spielern teilen. An der vergangenen Schülermeisterschaft haben bereits zwölf junge Spieler teilgenommen. Tendenz ist steigend und die Stimmung jeweils ausgelassen und fröhlich. Ganz wie die grossen sitzen sich die Kinder zwischen sechs und zehn Jahren an den kleinen Tischen mit den Schachbrettern gegenüber.

Auch wenn es vielleicht nicht ganz so ernst und leise zugeht wie bei einem Turnier der Erwachsenen. In Sachen Strategienentwickeln und Freudehaben am Spiel stehen die Kleinen den Grossen in nichts nach. Dies wird auch aus dieser Aussage des jungen Philip deutlich: «Ich freue mich immer, wenn mich jemand schlägt. Nur so kann ich aus meinen Fehlern lernen und mich stetig verbessern.»

«Ich übe mich in Geduld»

Der einzige, der es geschafft hat, Philip an diesem Tag zu schlagen, heisst Simon Scheuchzer und ist ebenfalls 9 Jahre alt. «Es macht mir Spass, mich selber in Geduld zu üben und Verantwortung für meine Figuren und Entscheidungen zu übernehmen», erzählt Simon. Seinen grössten Konkurrenten hat sich Philip gleich selber eingebrockt, wie Simon sagt: «Ich bin über ihn zum Schach gekommen und jetzt gehe ich jede Woche ins Training, um besser zu werden», so Simon.

Für den Präsidenten des Schachclubs, Frank-Ronald Bähr, ist es eine wahre Freude, seine Schützlinge so engagiert beim Spielen zu beobachten. «Angefangen haben wir dieses Turnier mit vier Spielern, heute sind es bereits deren zwölf», sagt der gebürtige Berliner mit sichtlichem Stolz in der Stimme. Er glaube, Schach sei mehr als nur ein Spiel oder ein Sport.

Schach im Kindergarten

Studien hätten gezeigt, dass Kinder, die in der Schule eine Stunde weniger Mathematik und dafür eine Stunde Schach gehabt hätten, in fast allen Fächern besser abschnitten als Kinder, die kein Schach gespielt hätten. «Darum will ich auch versuchen, in der Stadt Dietikon und zusammen mit der Schulpflege ein vergleichbares Projekt aufzubauen», verrät Bähr mit einem unternehmungslustigen Blick.

Er würde aber bereits im Kindergarten mit dem Unterricht beginnen und dann in der Primarschule damit fortfahren. «Schach kann einem Kind in seiner Entwicklung unglaublich viel helfen», so Bähr. Sozialkompetenzen, logisches Denken oder auch Verantwortung zu übernehmen, seien nur drei Beispiele davon.

Wenn man Frank-Ronald Bähr reden und seine Schüler spielen und diskutieren hört, kann man tatsächlich zum Schluss kommen, dass etwas dran ist an dem, was der Schachclubpräsident sagt. Einen Versuch in Dietikons Schulen wäre es wohl auf jeden Fall einmal wert.