Bergdietikon
Für Rita Moser ist Jodeln Balsam fürs Gemüt

Die Bergdietiker Trachtensängerinnen jodeln seit Anfang Jahr unter der Leitung von Rita Moser. Für die neue Dirigentin ist Musik ein ein Ausdruck der Lebensfreude. Sie spürt die Musik bis in die Zehenspitzen.

Gioia Lenggenhager
Merken
Drucken
Teilen
Rita Moser fühlt sich in ihrer Gotthelf-Tracht «daheim und angezogen».

Rita Moser fühlt sich in ihrer Gotthelf-Tracht «daheim und angezogen».

gil

Jodeln ist für sie ein Begriff der Heimat, der Schweiz, des Aufgehobenseins. Und Musizieren nicht bloss eine Kunst, sondern Ausdruck der Lebensfreude. Rita Moser ist eine Frau, die mit, von und für das Singen lebt. Ihren Start bei den Bergdietiker Trachtensängerinnen hat die 45-Jährige positiv erlebt. «Ich kann auch mal Kritik anbringen, ohne gleich gelyncht zu werden», sagt sie. Doch Dirigieren ist kein Zuckerschlecken. Nicht selten kehrt Moser am Donnerstagabend nach der Chorprobe mit regelrechtem Heisshunger nach Hause. «Die Proben können sehr anstrengend sein. Manchmal fühle ich mich richtig ausgepowert. Trotzdem: Man gibt zwar viel, bekommt aber auch viel zurück», sagt sie und man kann die Energie und die Begeisterung erahnen, die die zierliche Frau aus der Musik zieht.

Ab und zu , wenn sich Moser hundertprozentig auf das Singen konzentrieren kann, spürt sie den Ton bis in die Zehenspitzen. «Dann ist der Körper eine einzige schwingende Klanghülle», sagt die Dirigentin. Beim Singen seien nicht nur die Stimmbänder, sondern der gesamte Körper involviert, fügt sie hinzu. Und die Stimmung, die sie als Dirigentin habe, übertrage sich auf das Stück. «An Konzerten schwingt meine positive Stimmung auf die Sängerinnen über. Und vom Chor dann auf das Publikum und wieder zurück», erklärt Moser.

Grosse Herausforderung

Es sei für sie immer eine grosse Herausforderung, andere Menschen für das Singen zu begeistern. Darum geniesse sie es jeweils ungemein, zusammen mit den Frauen den Erfolg und die Zufriedenheit nach einem Auftritt zu teilen. Das sei Motivation und Lohn in einem. Ab und zu tritt Moser auch als Solokünstlerin auf. Dann steht sie «mutterseelenallein» auf der Bühne und stellt sich ihrer grössten Herausforderung: dem Lampenfieber.

Das Jodeln begleitet Moser aber auch im Alltag. Beim Bügeln, beim Gärtnern, beim Kochen. Unter der Dusche singt sie abgesehen von «stinknormalen Klassikern» häufig Adolf Stählis «E gschänkte Tag» – ihr Lieblingslied. Zugleich ist die Musik ein wichtiger Ausgleich für Moser. Fühlt sie sich nicht gut, schnürt sie ihre Turnschuhe und wandert zügig durch die Natur. Dabei singt sie melancholische Jodellieder. Nach einer halben Stunde wird aus der Schwermut nach und nach wieder Fröhlichkeit. Dann besingt sie die Veilchen im Wald, die Tulpen am Wegrand und die ersten grasgrünen Blätter der Baumkronen im Frühling.

Bilder im Kopf

Beim Dirigieren versucht Moser, die Gedanken und Emotionen des Komponisten nachzuempfinden. Singt sie von saftigen Alpenwiesen, sieht sie diese vor ihrem inneren Auge. «Hat man Bilder im Kopf, singt man viel klarer», sagt sie. Aus den Liedtexten schöpft die Dirigentin Kraft – besonders aus jenen über die unberührte Alpenwelt. «Die verträumte Schlichtheit der Alpentäler kann uns helfen, mit der heutigen Hektik umzugehen», sagt Moser, die selbst als Krankenschwester, Atemtherapeutin, Sängerin, Dirigentin und bald auch als diplomierte Bäuerin arbeitet. 08/15-Tage seien eben nicht ihr Ding, fügt sie an.

In ihrer Gotthelf-tracht fühlt sich Moser «daheim und angezogen». Für sie ist das handgefertigte Kleid «ein Stück Heimat». Das erste Mal traditionelle Kleidung getragen hat die Trachtendirigentin mit 17 Jahren. Ihre Eltern fanden die Musikschule «überflüssig», erinnert sich Moser. Trotzdem war sie damals dem Wiediker Jodelklub beigetreten und sparte lange auf ihre erste Tracht. Jetzt hängt die Zürcher Landfrauentracht in Mosers Kleiderschrank. Sie findet sie heute noch «cool».

Einen ganzen Sommer auf der Alp zu verbringen, das ist ihr Traum. Selber Käse herstellen irgendwo auf 2500 Meter über Meer. Aber leider sind die Jodlerfeste alle im Sommer. Und Moser hat sich «auf das Fahnentuch geschrieben», dass sie bis zu ihrem 50. Geburtstag jedes Jodlerfest der Schweiz besuchen wird.