Golfplatz
«Für dieses Jahr ist definitiv Funkstille»

Die Bevölkerung will keinen Golfplatz in Bergdietikon. Nun schätzt der Mitinitiant die Möglichkeit eines Neuanlaufs mit «fünfzig, fünfzig» ein.

Daniel Winter
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Limmattaler Zeitung

Mit 692 Nein zu 651 Ja haben die Bergdietiker am letzten Wochenende die Schaffung einer «Golfplatzzone» an der Urne abgelehnt. Damit ging ein heisser Abstimmungskampf zu Ende. Was machen nun die Initianten des Golfplatzprojekts? Urs Auf der Maur von der Golfpark Herrenberg AG nimmt in einem Interview Stellung.

Herr Auf der Maur: Die Golfplatz-Gegner schliessen nicht aus, dass nach dem Nein in der Referendumsabstimmung eine «Salamitaktik» angewendet werden könnte. Deshalb die Frage: Versuchen Sie es noch einmal mit einem redimensionierten Projekt, oder ist für Sie die Sache endgültig vom Tisch?

Urs Auf der Maur: Wir haben eigentlich immer gesagt: Bis hierhin und keinen Meter weiter. Das würde jetzt heissen: Feierabend! Seit dem Wochenende sind nun aber einige Tage vergangen, wir konnten ein paar Mal darüber schlafen. Dazu kommen die Reaktionen am Rande der Gemeindeversammlung vom Montagabend, sodass ich inzwischen sagen muss: Wir fühlen uns fast ein wenig dazu verpflichtet, noch einmal über die Sache nachzudenken. Nicht zuletzt auch den betroffenen Landwirten gegenüber. Aber klar ist: Für dieses Jahr ist definitiv Funkstille.

Aber nur vorerst?

Auf der Maur: Wir haben nichts Neues in der Schublade. Wir sind noch für nichts bereit. Es ist aber nicht auszuschliessen, dass wir die Sache noch einmal anschauen wollen.

In einer redimensionierten Form?

Auf der Maur: Das Projekt etwas redimensionieren oder die Bahnen etwas umnummerieren – das würde wohl wenig bringen. Wenn, dann müsste man sich intensiv Gedanken machen. Jetzt gehen wir aber erst einmal in die Festtage. Ich denke, wir alle müssen etwas Distanz zu diesem Thema bekommen.

Wenn wir trotzdem etwas spekulieren wollen: Wie gross schätzen Sie die Möglichkeit ein, dass Sie nächstes Jahr sagen werden: «Wir machen uns nochmals an die Arbeit»?

Auf der Maur: Fünfzig, fünfzig.

Die Gegner würden dann kontern, Sie missachteten den Volkswillen.

Auf der Maur: Das mag sein. Man kann es aber auch umgekehrt sehen: Die Rückmeldungen, die wir seit Sonntag erhalten haben, könnten uns das Gefühl geben, dass es eine Art Verpflichtung gibt, die Diskussion nochmals zu eröffnen. Aber noch einmal: Dieses Jahr machen wir bestimmt keine Bewegung mehr. Und wenn man die Sache nochmals anpacken möchte, müsste man sowieso zuerst mit den «NoGolfern» an einen Tisch sitzen.

Wie realistisch wäre das?

Auf der Maur: Man könnte auf jeden Fall einmal versuchen, mit ihnen zu reden. Die Frage ist, ob es gelänge, die Sache konstruktiv anzugehen und anzuschauen. Damit sind wir wieder beim Volksentscheid oder Volkswillen – und dieser ist quasi ein Patt.

Würde mit einem neuen Anlauf von Ihrer Seite der «Unfriede» im Dorf nicht noch grösser?

Auf der Maur: Das mit dem Unfrieden muss man etwas differenziert betrachten: Es gibt viele, die heute miteinander reden, die vor drei Jahren nicht miteinander gesprochen haben. Und es gibt viele, die heute nicht mehr miteinander reden, die vor drei Jahren noch miteinander gesprochen haben. Natürlich gibt es einige, die die Golfplatz-Frage zu einem fundamentalen Glaubenskrieg erklärt haben. Und das erachte ich, ob nun auf unserer Seite oder auf der anderen, als völlig deplatziert.

Sie sehen demnach keinen wirklichen Graben quer durchs Dorf?

Auf der Maur: Den gibt es bei vielleicht zehn, fünfzehn Prozent der Stimmbürger, die fundamental – pro oder kontra – eingestellt waren. Daneben gibt es die grosse Mehrheit, die Ja oder Nein gestimmt hat, aber den Sachentscheid vor Augen hat und allenfalls eine neue Diskussion über den Golfplatz und das, was er der Gemeinde bringen könnte, schätzen würde. Noch einmal: Es geht nicht darum, jemandem etwas aufzwingen oder überstülpen zu wollen.

Vor dem Urnengang ist Kritik am Gemeinderat aufgekommen. Er habe sich zum «Promotor» Ihres Projekts gemacht, wurde von gegnerischer Seite gesagt. Teilen Sie diese Einschätzung?

Auf der Maur: Wir haben unser Projekt vor etwa vier Jahren dem Gemeinderat erstmals vorgestellt. Und es war danach der Gemeinderat, der unser Projekt gegenüber dem Kanton vertreten musste. Die Verwaltung musste unglaublich viel Arbeit dafür aufwenden. Zum Schluss, im Rahmen des Referendums, hatten wir keine Möglichkeit mehr, Stellung zu nehmen – nur noch das Referendumskomitee. Die Pro-Seite musste der Gemeinderat zum Ausdruck bringen. Dass ihm daraus dann ein Strick gedreht wurde – bis hin zu Unterstellungen, er könne nicht mehr richtig zählen –, ist mehr als unfair.